"Hero"-Premiere in Peking Zhang Yimous Traum von Hollywood

Die China-Premiere von Zhang Yimous neuem Film "Hero" fand unter verschärften Sicherheitsbedingungen statt. Mit dem starbesetzten Historien-Epos will der Regisseur Hollywood erobern.

Sie trugen schwarze Fahnen, schwarze Rüstungen, schwarze Schilde - und auch ihre Pferde waren so schwarz wie das Wasser. Die Große Armee des Qin-Kaisers zog so in die Schlacht und rief dabei: "Der Wind! Der Wind! Der Große Wind!"

So berichtet die Legende über die Herrschaft eines der grausamsten Potentaten in Chinas Geschichte (221 bis 210 v. Chr.) während der Periode der Streitenden Reiche, der auf der einen Seite Bücher und Gelehrte verbrennen ließ, auf der anderen das Land vereinigte, Schrift und Spurbreiten standardisierte, die Große Mauer zusammenfügte. In der offiziellen Geschichtsschreibung Pekings wird Qin Shihuangdi als Reichseiniger verehrt.

Darf, soll man gar, einen solchen Diktator töten? Die biblische Frage des Tyrannenmordes greift jetzt einer der bekanntesten chinesischen Regisseure, Zhang Yimou, auf. Am vergangenen Wochenende hatte sein jüngster Film in Peking Premiere: "Hero".

Noch nie zuvor wurde in China ein so teurer Streifen gedreht: 30 Millionen Dollar kostete das Epos. Nach dem Hollywooderfolg von Ang Lees "Crouching Tiger, Hidden Dragon" (vier Oscars) wagte sich Zhang zudem auf künstlerisches Neuland: "Hero" ist ein Kung-Fu-Film, in dem die in Ostasien ungemein populären Hauptdarsteller Tony Leung, Maggy Cheung, Jet Li und Zhang Ziyi mit übernatürlichen Kräften ausgestattet sind.

Auch wer mit Kung-Fu oder anderen Martial Arts normalerweise nichts anfangen kann - "Hero" ist ein sehenswerter Film. Denn Zhang gelang ein Augenschmaus, nicht nur wegen der Schönheit der beiden weiblichen Stars Maggy Cheung und Zhang Ziyi. Der Regisseur schwelgt auch wie in seinen frühen Filmen in prallen Farben und zeichnet üppige Gemälde auf die Leinwand. Die Pferde der Qin-Armee ließ er extra schwarz anmalen. Der Film spielt in aufregenden Landschaften der Inneren Mongolei, Gansus und am Yangtse. Das Erfreuliche: Trotz der vielen Zweikämpfe und der Wolken von Pfeilen, die den Himmel verdunkeln, fließt in dieser verschachtelten Geschichte aus Hass, List und Liebe nur wenig Blut.

Mit "Hero" will Zhang Hollywood Konkurrenz machen. Der Traum des Chinesen: Wenigstens einen Oscar zu gewinnen.

Mit entsprechendem PR-Aufwand fand die Premiere statt: Die Veranstalter hatten die Pekinger Großen Halle des Volkes gemietet, in die als Qin-Soldaten verkleidete Studenten einzogen. Die Sicherheitsmaßnahmen für das Publikum waren strenger als beim jüngsten 16. Parteitag der KP: Die Zuschauer mussten Uhren und Mobiltelefone in große schwarze Tüten füllen. Damit sollte verhindert werden, dass jemand heimlich den Film auf Video aufzeichnete, um ihn als billige Raubkopie auf den Markt zu bringen. 30 Millionen Dollar Budget wollen halt wieder eingespielt werden. "Hero" startet am 20. Dezember in chinesischen Kinos.

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