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Hipsterfilm "London Nights": In allen Betten

Foto: ddp images / Kool

Hipsterfilm "London Nights" Bettzeug mit schönen Menschen

In seinem Spielfilm "London Nights" lässt der argentinische Regisseur Alexis Dos Santos junge Leute begeistert um sich selbst kreisen. Das ist zwar nicht spannend - aber amüsant und sympathisch.

Axl (Fernando Tielve) geht gern aus. Glaubt er jedenfalls, denn am nächsten Tag erinnert er sich meist nicht an viel. Doch weil er immer wieder in einem anderen Bett neben jemand anderem aufwacht, ist zumindest die Wahrscheinlichkeit groß, dass er Spaß gehabt hat.

Eigentlich ist Axl aus Madrid nach London gekommen, um dort seinen verschollenen Vater zu suchen. Aber allzu viel Energie kann er darauf nicht verwenden, er hat ja sonst soviel zu tun. Rumhängen zum Beispiel. Besonders gern in einer überhippen Ostlondoner Riesen-WG, in der er eines Tages aufwacht, denn da sind alle so wie er: hübsche Bohemiens unbestimmter Beschäftigung, die in den Tag hinein leben und das aussehen lassen wie ein Kunstprojekt.

Bunt, unpolitisch, voller Sex

Wer solche Leute nicht mag, sollte sich lieber fernhalten von "London Nights", dem zweiten Spielfilm von Alexis Dos Santos ("Glue"), denn der Argentinier macht ihnen eine glühende Liebeserklärung. In anderen Filmen über Jugendkulturen geht es gern um Ausweglosigkeit, Drogenmissbrauch oder bedrückende Langeweile - in diesem nicht.

Die jungen Menschen in "London Nights" haben Spaß am Leben und entschuldigen sich nicht dafür, aber sie sind auch keine egoistischen Monster. Nett und freundlich sind sie, ihr Leben ist bunt, unpolitisch, voller Sex, dabei frei von Verantwortung und wirtschaftlichem Druck. Man schlägt sich so durch und beschwert sich nicht, so etwas macht ja nur das Establishment. Für nichts interessieren sie sich so sehr wie für sich selbst. Das Leben ist eine Party, man muss es nur auf die Gästeliste schaffen.

Regisseur Dos Santos tut nicht so, als gäbe es aus dieser Welt viel zu erzählen, dementsprechend überschaubar gestaltet sich die Handlung. Neben der Vater- und Selbstsuche von Axl gibt es noch einen Erzählstrang um die junge Belgierin Vera (Déborah François), die auch in der WG haust und nach einer gescheiterten Beziehung einen neuen Zugang zur Liebe sucht. So beginnt sie eine anonyme Affäre mit einem bärtigen Musiker (Michiel Huisman) und macht nach dem Sex immer Polaroids vom leeren, ungemachten Bett, weil, naja, warum nicht?

Alles eine große Spielerei

Die Schauspieler, alles begabte und ansehnliche junge Leute, dürfen dabei die meiste Zeit improvisieren, statt einem spießigen Drehbuch zu folgen, und der Filmemacher probiert dabei die Möglichkeiten aus, die das Kino bietet. Manchmal friert er das Bild ein, dann drückt er die Fast-Forward-Taste, die Farben verschwimmen, und dann gibt es mal eine Sequenz in Super-8. Alles ist eine große Spielerei.

Der Erkenntnisgewinn bleibt gering, der Spannungsbogen flach, aber darum geht es nicht. Der Film will ein Lebensgefühl abbilden und das gelingt ihm, mal amüsant, mal etwas prätentiös, immer sympathisch.

Der Soundtrack (unter anderem Kimya Dawson, Black Moustache, Tindersticks) übrigens ist sensationell. Und darum geht es ja bei einer Party mehr als um alles andere.

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