Hollywood Drehbuchautoren streiken ab Montag

Erstmals seit fast 20 Jahren legen Hollywoods Drehbuchautoren die Arbeit an neuen Filmskripten nieder. Den Late-Night-Shows dürften bald die Späße ausgehen - wenn es nicht noch zu einer Einigung mit den Studios in letzter Minute kommt.


Los Angeles- Die Gewerkschaft der US-Drehbuchautoren hat ihre 12.000 Mitglieder zum ersten Streik seit fast 20 Jahren in Hollywood aufgerufen. Der Ausstand soll Montagmittag beginnen, falls die Studiobosse vorher nicht doch noch auf die Forderungen der Film- und Fernsehautoren eingingen, verkündete die Writers Guild of America (WGA) in Los Angeles.

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Der Streik könne allerdings in letzter Minute abgewendet werden. Die Gewerkschaft sei zu Verhandlungen und einer Vertragsunterzeichnung am Wochenende bereit, sagte WGA-Chef Nick Counter. Fans von Seifenopern und anderen Serien würden den Streik wohl zunächst kaum bemerken, da die Studios bis Anfang 2008 ausreichend Folgen auf Lager haben. Erstes "Streikopfer" würden voraussichtlich die Late-Nights-Shows im Fernsehen sein. Den dürften ziemlich schnell die obligatorischen Späße ausgehen, wenn die professionellen Gag-Schreiber fehlen.

Die Studios hatten bereits im Vorfeld versucht, sich auf einen Streik vorzubereiten. Viele Serien-Teams haben Doppelschichten gefahren, um möglichst viel Material vorzuproduzieren. Dennoch könnte ein Streik die Industrie auf längere Sicht empfindlich treffen. Davon betroffen wären auch viele unfertige Drehbücher für Hollywood-Großproduktionen, so zum Beispiel das Skript für den neuen James-Bond-Film.

Der bisherige Tarifvertrag für die Film- und Fernsehautoren war am Donnerstagmorgen ausgelaufen. Bei den seit Juli laufenden Neuverhandlungen geht es im Kern um die Frage, wie die Vergütung der Drehbuchschreiber dem digitalen Zeitalter angepasst werden soll. Die Autoren fordern einen größeren Anteil an den Einnahmen aus dem DVD-Geschäft und den Internet-Downloads. Die Filmstudios dagegen argumentieren, dies würde das Wachstum gefährden in Zeiten gestiegener Kosten, knapperer Margen und der zunehmenden Gefahr durch Raubkopierer.

Den bislang letzten größeren Streik der WGA hatte es 1988 gegeben. Er dauerte 22 Wochen und kostete die Industrie schätzungsweise 500 Millionen Dollar.

esp/ REUTERS/AP



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