Hollywood Katerstimmung nach Bushs Sieg

Bis zum Ende hatten Schauspieler und Entertainment-Größen für einen Sieg Al Gores gekämpft und gespendet. Nach dem Sieg des Republikaners Bush muss Hollywood nun mit härterer Zensur und geringerer Kunstförderung rechnen.


Muss jetzt auswandern: Gore-Supporter Baldwin
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Muss jetzt auswandern: Gore-Supporter Baldwin

Los Angeles - Alec Baldwin kann seine Umzugskisten packen. Der Schauspieler hatte vor der Präsidentschaftswahl öffentlich getönt, er werde nach Europa auswandern, wenn George W. Bush ins Weiße Haus einziehe. Auch allgemein hat der Wahlsieg des Republikaners in Hollywoods überwiegend liberaler Künstlergemeinde keine Jubelschreie ausgelöst.

Präsident Clinton pflegte enge Beziehungen mit den Stars und den Einflussreichen der Filmmetropole. Unter einer Regierung Bush wird es für Hollywoodstars wie Barbra Streisand und Steven Spielberg mit der Gastfreundschaft im Weißen Haus allerdings erst einmal vorbei sein. Bis zum bitteren Ende hatten sich zahlreiche Hollywoodstars mit ihrer Prominenz und ihrem Geld für Al Gore eingesetzt. Sie gaben Partys für den Kandidaten der Demokraten, sammelten Wahlkampfspenden und ließen keine Gelegenheit aus, ihre Sympathie zu bekunden.

Helen Hunt, Ben Affleck, Glenn Close, Cher, Whoopi Goldberg und Robert DeNiro standen für Al Gore auf der Wahlkampfbühne. Sharon Stone bekannte im Oktober im US-Fernsehen ganz freimütig: "Als frisch gebackene Mutter bedeutet es alles für mich, dass Al Gore unser neuer Präsident wird." Dem "Hollywood Reporter" zufolge empfingen die Demokraten noch im vergangenen Monat Spenden in sechsstelliger Höhe für das "Gore-Lieberman-Recount-Committee", das mit den juristischen Aktionen für Nachzählungen in Florida betraut war. Allein Jane Fonda spendete 100.000 Dollar.

Bangen um die Zukunft


Aus Hollywoods Sicht stand bei der Präsidentschaftswahl viel auf dem Spiel, nämlich die Zukunft künstlerischer Ausdrucksfreiheit. Denn im Wahlkampfjahr war in Washington eine hitzige Debatte entbrannt. Konservative Politiker im US-Senat haben wegen angeblich gewalt- und sexverherrlichender Produktionen einen Kreuzzug gegen Hollywood begonnen. Gesetzliche Konsequenzen scheinen unter der neuen Regierung mehr als wahrscheinlich.

Unterstützen Gore: Nachwuchs-Stars Damon und Affleck
DPA

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Die liberalen Filmemacher der Stadt sehen jeder Form von Zensur mit Grauen entgegen. Bush und sein Vize Dick Cheney haben bereits angekündigt, das US-Fernsehen mit der Wiedereinführung so genannter Familienstunden "säubern" zu wollen. Darüber hinaus haben sie sich für ein "besseres" Mindestalter-System für Kinofilme ausgesprochen. Mit dem konservativen Umschwung im Weißen Haus ist auch zu erwarten, dass öffentliche Zuschüsse für die Künste erneut in Frage gestellt werden.

Erstaunlich ist, dass selbst Al Gore sich während des Wahlkampfs äußerst widersprüchlich zur Filmindustrie verhielt. Einerseits kassierte er bei Hollywood-Partys Millionenspenden. Gleichzeitig hielt ihn dies aber nicht davon ab, Kritik an den Geschäftsstrategien der Unterhaltungsindustrie zu äußern. Er glaube zwar nicht an Zensur, so wiederholte Gore das liberale Mantra während einer der TV-Debatten mit Bush im Oktober. Es müsse aber Druck auf die Film- und Fernsehindustrie ausgeübt werden, wenn diese weiterhin gewalttätigen und mit Sex gespickten "Müll" an Kinder vermarkte. Gore bot Hollywood eine sechsmonatige Gnadenfrist an, sich selbst eine Lösung einfallen zu lassen. Andernfalls müsse die Regierung aktiv werden.

Der Unterschied dürfte nur im Detail liegen: Ob Bush oder Gore - aus Washington hätte so oder so ein neuer Wind in Richtung Hollywood geweht. Und die in den vergangenen Jahren intensiv gepflegte soziale Liaison zwischen liberaler Polit- und Filmprominenz hatte viel mit der Person von Präsident Clinton zu tun, dem charmanten und unterhaltsamen Politiker. Beide Seiten sonnten sich gern im Glanz des anderen.

Heston und der "heilige Krieg"


Kämpfte einen "heiligen Krieg": NRA-Boss Heston
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Natürlich gibt es auch Hollywoodstars, die den Einzug von Bush ins Weiße Haus kaum erwarten können. Allen voran Schauspieler Charlton Heston, der Präsident der "National Rifle Association" (NRA), der einflussreichen Waffenlobby. Er sagte bei einer Veranstaltung für Bush, der Wahlkampf sei ein "heiliger Krieg" für die Rechte von Waffenbesitzern. Auch Schauspielerin Bo Derek opferte ihre Zeit für die Bush-Kampagne. Arnold Schwarzenegger war einer der wenigen, der das Wahldrama der vergangenen fünf Wochen mit relativer Gelassenheit verfolgen konnte. Der Schauspieler ist ein erklärter Anhänger der Republikaner, seine Ehefrau Mariah Shriver als Mitglied der Kennedy-Familie eiserne Demokratin. "In diesem Fall ist es wirklich egal. Wenn Al Gore gewinnt, dann werden wir wegen Mariahs Beziehungen ins Weiße Haus eingeladen. Falls Bush gewinnt, dann wegen meiner", scherzte Schwarzenegger.

Anna-Barbara Tietz, dpa



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