Hollywood-Produzent Jerry Bruckheimer "Das Geschäft macht mir Angst"

In den achtziger Jahren verdiente Jerry Bruckheimer mit Filmen wie "Beverly Hills Cop" das 40fache der Produktionskosten. Heute undenkbar, sagt der Star-Produzent - und erzählt, warum er den ersten Milliarden-Dollar-Film fürchtet und weshalb Hollywood mächtiger ist denn je.

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SPIEGEL ONLINE: Mr. Bruckheimer, in seiner hundertjährigen Geschichte hatte Hollywood einige schwere Krisen zu überstehen und sah sich ständig mit neuen Konkurrenten wie dem Fernsehen oder dem Internet konfrontiert. Warum hat Hollywood dennoch immer mehr an Einfluss und Macht gewonnen?

Bruckheimer: Weil es seine Konkurrenten zu Geschäftspartnern gemacht hat. Das Fernsehen war in den fünfziger Jahren eine große Bedrohung für die Filmindustrie und nahm den Kinos Zuschauer weg. Heute erzielt Hollywood viele Milliarden mit dem Verkauf seiner Ausstrahlungsrechte an TV-Sender. Auch die Einführung der VHS-Kassette hat die Einnahmen nicht vermindert, wie anfangs befürchtet, sondern gewaltig erhöht. Hollywood hat sich immer wieder neue Einnahmequellen erschlossen, jetzt das Internet.

SPIEGEL ONLINE: Das Internet schwächt Hollywood nicht? Was ist mit den illegalen Downloads?

Bruckheimer: Ja, die sind ein Problem. Aber die legalen Downloads nehmen immer mehr zu. Bald wird jeder Mensch, der einen Computer hat, jeden Film, der je gedreht wurde, jederzeit sehen können. Momentan ist das noch mühselig, weil es so viel Zeit kostet, die Filme herunterzuladen. Aber das wird sich bald ändern.

SPIEGEL ONLINE: Ist das denn gut fürs Geschäft? Warum sollten die Menschen noch ins Kino gehen?

Bruckheimer: Weil es ein Ereignis ist. Vergessen Sie nicht, dass es viele Menschen gibt, die zwar gerne Filme gucken, aber nicht gerne ins Kino gehen. Die werden zu Hause auf der Couch zu Clint-Eastwood-Fans und raffen sich dann eines Tages vielleicht sogar auf, um ihn auf der großen Leinwand zu sehen.

SPIEGEL ONLINE: Als Sie in den achtziger Jahren mit Filmen wie "Beverly Hills Cop" den Durchbruch schafften, spielten Hollywood-Produktionen noch mehr als zwei Drittel ihrer weltweiten Kinokasseneinnahmen in den USA ein. Heute ist es oft gerade noch ein Viertel. Wie kam es zu dieser Verlagerung?

Bruckheimer: In den achtziger Jahren wurde Hollywood bewusst, welche Bedeutung das internationale Geschäft hat. Hinzu kam der Fall der Mauer, durch den sich auf einmal neue Märkte auftaten. Manche Schauspieler wie Arnold Schwarzenegger haben diesen Wandel frühzeitig erkannt. Sie begriffen, wie wichtig es ist, auch in anderen Ländern als den USA zu Stars zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Was taten sie, um das zu schaffen?

Bruckheimer: Sie reisten zum Beispiel so viel wie möglich, gaben ständig Interviews in Paris oder Tokio, zeigten sich auf Premieren in Berlin oder London. Das schätze ich auch an Nicolas Cage, mit dem ich schon seit langem zusammenarbeite. Er sucht immer wieder die Nähe zu seinen Fans. Das musst du tun, dann ist die Chance viel größer, dass sie dir treu bleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

SPIEGEL ONLINE: Und die anderen?

Bruckheimer: Bekommen Schwierigkeiten. Eddie Murphy blieb lieber zu Hause, reiste ungern nach Europa oder Asien, hing lieber mit seinen Kumpels rum. Klar, Reisen ist ja auch anstrengend. Das ist aber vielleicht einer der Gründe, warum er jetzt an der Kinokasse nicht mehr richtig funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Sind Hollywood-Filme heute weniger amerikanisch als früher, weil sie sich von Beginn an ein weltweites Publikum wenden?

Bruckheimer: Nein, das glaube ich nicht. Aber wir besetzen heute andere Schauspieler. Unser Film "Prince of Persia" etwa blieb in den asiatischen Ländern deutlich hinter unseren Erwartungen zurück, weil dort keiner unseren Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal kannte. Das war uns vorher nicht klar, sonst hätten wir vielleicht einen anderen Schauspieler genommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie? Die Besetzung eines Schauspielers richtet sich nicht mehr nach seiner Eignung für die Rolle, sondern nur noch nach seiner weltweiten Box-Office-Zugkraft?

Bruckheimer: Nein, natürlich nicht. Aber Asien ist ein wichtiger Markt für uns. Wir können ihn nicht ignorieren. Beim dritten "Fluch der Karibik"-Film haben wir einen asiatischen Darsteller in einer Nebenrolle besetzt und schrieben in Asien auf einmal bessere Zahlen.



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brain0naut 05.01.2011
1. meine fresse...
...der mann ist wirklich so widerlich, wie ich immer dachte; was für ein entlarvendes interview, ekelhaft, diese bwl-mentalität...
Motorpsycho 05.01.2011
2.
Man bekommt beim Lesen des Interviews schon ein wenig den Eindruck, dass diesen Mann Filme wohl nicht sonderlich interessieren. Viel Geld mit wenig Geld verdienen und dabei noch staatliche Subventionen abgreifen, das scheint ihm wohl wichtiger zu sein. Warum steht dieses Interview eigentlich unter "Kultur" und nicht unter "Wirtschaft"?
BadTicket 05.01.2011
3. Geld...
Zitat von brain0naut...der mann ist wirklich so widerlich, wie ich immer dachte; was für ein entlarvendes interview, ekelhaft, diese bwl-mentalität...
Das ist doch Geldmacherei wie an vielen Orten. Das sieht man auch den heutigen Filmen an, man hört es in der Musik und die Stars sind gleich auch so: Grosse Klappe, nichts dahinter. An der Anzahl Leute die sich diesen Kommerz aber rein ziehen erkennt man was aus unserer Gesellschaft geworden ist.
chrome_koran 05.01.2011
4.
Zitat von brain0naut...der mann ist wirklich so widerlich, wie ich immer dachte; was für ein entlarvendes interview, ekelhaft, diese bwl-mentalität...
Was ist Ihrer Meinung nach "ekelhaft" und "entlarvend"? Dass Filme machen viel Geld kostet? Ist ja nun wirklich eine epochale Entdeckung. Und ohne "BWL-Mentalität" kriegen Sie kein Wirtschaftsunterfangen hin. Was ist hierbei genau Ihr Problem?
der_durden 05.01.2011
5. Sie haben recht.
Zitat von chrome_koranWas ist Ihrer Meinung nach "ekelhaft" und "entlarvend"? Dass Filme machen viel Geld kostet? Ist ja nun wirklich eine epochale Entdeckung. Und ohne "BWL-Mentalität" kriegen Sie kein Wirtschaftsunterfangen hin. Was ist hierbei genau Ihr Problem?
Das habe ich mich beim Lesen des Posts auch gefragt. Hätte Bruckheimer nicht diese - hier abwertend angewandte - BWL-Mentalität, wie zur Hölle soll er einen Film wie Fluch der Karibik produzieren können? Er ist kein Schauspieler, er ist Produzent! Und selbst Star-Schauspieler in den USA sind mittlerweile kleine Super-Unternehmen mit hohen Umsätzen. Klar, man kann natürlich alles ekelhaft finden. Dann ist auch der Bau eines Flugzeuges ekelhaft, oder der eines Schiffes. Kostet alles zig Millionen und "spielt" noch mehr ein....
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