Hollywood-Star Jeff Bridges "Schmerz ist nichts Schlechtes"

Als Mega-Müßiggänger Dude in "The Big Lebowski" genießt er Kultstatus, jetzt ist Jeff Bridges als versoffener Country-Musiker in "Crazy Heart" für einen Oscar nominiert. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der Star über Kaputtsein als Karriereoption - und die Last, Sohn eines berühmten Vaters zu sein.

AP

SPIEGEL ONLINE: Mr. Bridges, in "Crazy Heart" spielen Sie einen versoffenen Country-Star namens Bad Blake. Hat Musik bislang eine herausragende Rolle in Ihrem Leben gespielt?

Bridges: Ja, eine sehr wichtige sogar. Als Jugendlicher habe ich davon geträumt, Musiker zu werden. Ich spiele Klavier und Gitarre, schreibe eigene Songs und habe vor ein paar Jahren auch ein Album veröffentlicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren 50 Jahre alt, als Sie die CD "Be Here Soon" herausbrachten. Sind Sie ein Spätentwickler?

Bridges: Ich habe ja sogar einen Song geschrieben, der "Spätentwickler" heißt. Und ich bin wohl wirklich einer. Zumindest in puncto Musik. Den Anstoß dazu gaben wunderbare Musiker wie David Crosby, Jackson Browne und Michael McDonald, die in meiner Nachbarschaft in Los Angeles wohnten. Die mochten meine Musik, haben mir gut zugeredet und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ohne das Feedback hätte ich wohl nie ein Album herausgebracht.

SPIEGEL ONLINE: Was für Musik hören Sie selber?

Bridges: Ich habe einen ziemlich vielseitigen Geschmack, ich mag Country, Rock 'n' Roll, Jazz und klassische Musik.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie überrascht, für Ihre Rolle in diesem Film für den Oscar nominiert zu werden?

Bridges: Man hat immer hohe Erwartungen, wenn man einen Film macht. Bei "Crazy Heart" wurden allerdings sämtliche Erwartungen noch übertroffen. Ich habe nicht erwartet, dass er so gut ankommen würde, ich bin darüber sehr glücklich. Und natürlich mache ich mir große Hoffnungen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie nervös vor dem kommenden Sonntag?

Bridges: Es ist eine Situation, die einen automatisch nervös macht. Können Sie sich das vorstellen? Ich meine: so richtig vorstellen? Ich finde es geradezu furchteinflößend!

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie je eine Phase in Ihrem Leben, in der Sie sich wie Bad Blake gefühlt haben: wie einer, der sein Talent vergeudet hat, von dem nichts mehr zu erwarten ist und...

Bridges: ...und der den Blues hat? Natürlich hatte ich schon einige Male den Blues und das Gefühl, dass alles ganz schrecklich ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie überstehen Sie solche Phasen der Depression?

Bridges: Dabei spielen meine Frau und meine drei Töchter eine große Rolle. Im Gegensatz zu meiner Filmfigur habe ich ein tolles soziales Netzwerk, das mich unterstützt. Auch meine Eltern haben mich sehr unterstützt, als sie noch gelebt haben. Viele verfangen sich in diesem Mythos des leidenden Künstlers: "Ich muss diesen Schmerz fühlen, weil meine Kunst aus dem Schmerz hervorgeht." Der Schmerz ist also nichts Schlechtes, man muss sich nur daran gewöhnen und dann weitermachen. Bad Blake hat auch tolle Momente, zum Beispiel auf der Bühne, dann ist er auf seinem Thron. Ich zelebriere meine Traurigkeit aber nicht, so wie Bad das meistens tut.

SPIEGEL ONLINE: Nicht mal, wenn Sie schon viermal für einen Oscar nominiert waren, ohne je zu gewinnen?

Bridges: Nein. Diese Auszeichnung ist eine tolle Anerkennung von den Leuten, die das gleiche tun wie man selbst. Außerdem kann man so auch Werbung für die Filme machen. So bekommen mehr Filme mehr Aufmerksamkeit, und das ist eigentlich die Hauptaufgabe, die der Oscar zu erfüllen hat.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Nominierte ist Ihre härteste Konkurrenz?

Bridges: Es sind tolle Mitnominierte. Ich habe zwar nur George Clooneys "Up in the Air" gesehen, aber den habe ich sehr gemocht. Das war eine tolle Leistung.

SPIEGEL ONLINE: Mit Clooney haben Sie ja auch in "Männer, die auf Ziegen starren" zusammengearbeitet...

Bridges: ...und es hat viel Spaß gemacht. Das Angebot für diese Rolle erhielt ich während der Dreharbeiten für "Crazy Heart". Wenn ich drehe, habe ich Scheuklappen auf. Als mein Agent anrief und sagte, Clooney hätte wegen eines Drehbuchs angerufen, dachte ich nur: "Scheiße, ich will nichts lesen, ich mach' hier gerade mein Ding!" Ich hatte ihn nie getroffen, aber bewunderte ihn sehr als Schauspieler. Mein Agent meinte: "Ruf' George doch einfach selbst zurück." Das habe ich getan. George kann verführen und zugleich irritieren. Er hat mir die Story am Telefon erzählt, und ich war fasziniert, weil sie sich so herrlich verrückt anhörte. Ich liebe ungewöhnliche Filme, weil man nicht genau weiß, wo sie einen hinführen. Also habe ich ja gesagt, obwohl der Dreh direkt nach "Crazy Heart" anfing und ich total erschöpft war. Aber ich habe es trotzdem sehr genossen.

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brot_ohne_spiele 02.03.2010
1. Ach...
...Jeff Bridges, den mag ich schon seit den Siebzigern, seit "Thunderbold and Lightfoot" mit Clint Eastwood, absoluter Klasse-Schauspieler der sich in keine Schublade stecken lässt und auf seine Art im realen Leben so cool ist wie der Dude im Film. Zu seinen neueren sehenswerten Werken (als Ironman Gegenspieler habe ich ihn nicht mal gleich erkannt)gehört mit Sicherheit "Arlington Road" (mit einem sehr sehr bösen, entfesselten Tim Robbins) der auch inhaltlich immer noch brandaktuell ist - mehr denn je ;) Brilliant Job Jeff, thank you very much ;)
onkel hape 02.03.2010
2. The OSKAR goes to...
Jeff Bridges. Er gehört zu den Großen seiner Zunft. Er ist ein toller charismatischer, glaubwürdiger Typ, der die guten Schauspieler-Gene offensichtlich vom berühmten Vater geerbt hat und dem man den verdienten OSKAR wünscht.
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