Fotostrecke

"Legion": Beflügelt von Gewalt

Foto: Sony Pictures

Horrorfilm "Legion" Feldgottesdienst für Schießwütige

Mit Maschinengewehr und coolen Sprüchen rettet ein Erzengel die Menschheit. Das Apokalypse-Spektakel "Legion" klingt nach einem himmlischen B-Movie-Spaß, entpuppt sich aber dann doch nur als waffenstarrender Blödsinn. Besonders ärgerlich: die reaktionäre Moral des Films.

Wenn dem Horrorgenre die Ideen ausgehen, muss die Bibel herhalten. Man kann das schamlos finden oder einfach konsequent, denn wo sonst finden sich neben Heilsversprechen so viele Schreckensszenarien?

Mitten in der Fastenzeit kommt nun also "Legion", der statt Enthaltsamkeit ein sattes Endzeitspektakel verspricht. Was eine frohe Botschaft für Freunde spekulativer B-Filme hätte sein können, offenbart sich jedoch als erschreckend biederer Feldgottesdienst für schießwütige Sonntagsschüler.

Wenigstens der Auftakt ist flott, düster und dreist: Weil Gott den Glauben an die Menschen verloren hat, will er sie für immer im Orkus verschwinden lassen. Zu diesem Zweck lässt er seine himmlischen Heerscharen die Apokalypse einläuten. Allein Erzengel Michael (Paul Bettany) desertiert und landet auf der Erde, genauer in den Vereinigten Staaten.

Beflügelt von Gewalt

Dort stutzt er seine Flügel, packt eine Menge Feuerwaffen ein und fährt in die Mojave-Wüste. Michaels Ziel ist das entlegene Diner "Paradise Falls" von Bob Hansen (Dennis Quaid), in dem eine zusammengewürfelte Schicksalsgemeinschaft noch nicht ahnt, dass heute das Jüngste Gericht auf der Speisekarte steht.

Neben einigen gestrandeten Gästen und dem Koch Percy (Charles S. Dutton) sind auch Hansens Sohn Jeep (Lucas Black) sowie die hochschwangere Kellnerin Charlie (Adrianne Palicki) vor Ort. Während das Chaos über Gottes eigenes Land hereinbricht, wundern sich die Diner-Gäste noch über den Ausfall von Telefon und Rundfunk.

Doch bald mehren sich auch hier böse Omen, etwa in Form von Heuschreckenschwärmen und einer besessenen Rentnerin, die plötzlich zähnefletschend durchs Lokal wütet.

Höchste Zeit also für die Ankunft des abtrünnigen Michael, der den Ungläubigen mit dem Gewehr in der Hand seine Mission verkündet: Nur die Geburt von Charlies unehelichem Kind könne das Ende der Welt noch verhindern. Und damit es überhaupt zur Niederkunft kommt, müssen die anrückenden Unheilsbringer mit Waffengewalt aufgehalten werden.

Dieser grobe Unfug wäre viel leichter zu akzeptieren, wenn Autor und Regisseur Scott Stewart seinem kruden Crossover aus Weihnachtsgeschichte und Gotteskrieg ein wenig Tempo verliehen hätte. Stattdessen schlagen sich die menschlichen Darsteller mit müden Dialogen und peinlichen Dämonenfratzen herum, beim Nachladen zwischen monotonen Feuergefechten entsteht keineswegs Atmosphäre, sondern nur Langeweile.

Allein Paul Bettany sorgt als durchtrainierte Kampfputte für etwas Trash-Appeal: Mit Schwingen, MG und Schwert taugt sein Weltgerichtsengel Michael durchaus zum kitschigen Airbrush-Motiv fürs Plattencover einer christlichen Metal-Band.

Unchristliche Moral

Richtig gruselig ist letztlich nur die ideologische Ausrichtung des Films. Abgesehen von einem kurzen, wenig glaubwürdigen Lippenbekenntnis zur Nächstenliebe propagiert "Legion" unumwunden das Überleben der Stärkeren. Ein buchstäblich wehrhaftes Christentum verschanzt sich bis an die Zähne bewaffnet, verteidigt das ungeborene Leben und befördert seine Feinde mit der Panzerfaust ins Jenseits, statt erst das Gespräch mit dem Gegenüber zu suchen.

Beabsichtigt oder nicht: "Legion" operiert so auf dem Niveau fundamentalistischer Milizen in den USA. Auch die schwören auf Bibel und Gewehr und glauben Gott an ihrer Seite im Kampf gegen den Rest der Welt.

Das bleibende Bild in einem sonst so eindrucksarmen Film ist deshalb eine Kleinfamilie, die in ihrem Wagen mit vollgepacktem Waffenhalter lächelnd gen Horizont fährt. Das Motiv wäre als satirischer Kommentar zu militanten Familienwertbewahrern bestens geeignet, nur leider ist es völlig ernst gemeint.