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Freddy Kruegers Comeback: Gruselaugust in der Latexmaske

Foto: Warner Bros.

Horrorfilm "Nightmare on Elm Street" Dösen mit dem Bösen

Die Geisterbahn einer Dorfkirmes ist spannender: Vom anspielungsreichen Charme des Gruselklassikers "Nightmare on Elm Street" ist im Remake nichts mehr übrig. Statt handfestem Horror gibt es schmierige Sozialkritik. Ein Kino-Alptraum.

Wes Craven

Leider ist es nicht nur ein böser Traum: Es gibt tatsächlich eine Neuauflage von "A Nightmare on Elm Street". Das Original aus dem Jahr 1984 gilt heute als moderner Klassiker des Horrorkinos, mit dem Autor und Regisseur einst die erste MTV-Generation das Fürchten lehrte. Seine Mär vom Schlitzer Fred Krueger, der Teenager in ihren Alpträumen ermordet, ist von zeitloser Qualität. Daran änderten auch zahlreiche durchwachsene Fortsetzungen nichts, in denen aus dem ursprünglich humorfreien Schreckgespenst Krueger die Achtziger-Pop-Ikone und sardonische Plaudertasche Freddy wurde.

Umso trauriger nun zu sehen, wie ein uninspirierter Aufguss die Grundidee in knapp 90 Minuten komplett verhunzen kann. Dabei ist das Maß an Phantasielosigkeit und Zynismus das einzig Erschreckende, was Musikclip-Regisseur Samuel Bayer zu bieten hat. Ansonsten arbeitet sich sein verschlafener Nachtmahr sklavisch an der Vorlage ab, ohne jedoch irgendeinen Mehrwert jenseits von Kasseneinnahmen zu generieren. So muss wohl Kino aussehen, das von blutleeren Bilanzbuchhaltern gemacht wird.

Bei der Kapitalisierung des immer noch zugkräftigen "Nightmare"-Titels wird somit Vertrautes hervorgekramt: Eine Handvoll Heranwachsender in der Kleinstadt Springwood, Ohio, mag nicht mehr ins Bett gehen, denn in ihren Träumen jagt sie ein durch Verbrennungen entstellter Mann mit Ringelpullover und Klingenhandschuh.

Als einer der Betroffenen sich scheinbar im Wahn selbst entleibt, beginnen die übernächtigten Schüler Nancy (Rooney Mara) und Quentin (Kyle Gallner) nach Ursachen für den Terror im Unterbewusstsein zu forschen. Dabei stoßen sie auf die Geschichte des mutmaßlichen Kinderschänders Krueger, an dem ihre Eltern einst tödliche Selbstjustiz übten. Offensichtlich will sich jetzt der rastlose Geist Kruegers an den Nachkommen seiner Henker rächen, weshalb für die Jugendlichen in der Elm Street striktes Einschlafverbot gilt: Wer einnickt, landet prompt in der Parallelwelt des Mörders, aus der man nur als Leiche zurückkehrt.

Frittierter Gruselaugust

Indem er die lebenswichtige Nachtruhe selbst zur existentiellen Bedrohung machte, schuf Wes Craven ein beängstigendes Szenario, das effektiv an Urängste rührte. Der Schlaf war plötzlich nicht mehr der kleine Bruder des Todes, sondern ein Killer, der die hilflosen Träumer fest in seinen messerscharfen Klauen hatte. Und Originaldarsteller Robert Englund, der die Rolle zuletzt in "Freddy vs. Jason" (2003) übernahm, verlieh Krueger, diesem absoluten Traum-Mann des Bösen, auch abseits der prägnanten Latexfratze eine unverwechselbare Haltung.

Nun gibt Charakterschauspieler Jackie Earle Haley die Rolle des Buhmanns und grimassiert vergeblich gegen eine einfallslose Dramaturgie. Haley, dem mit Auftritten im Drama "Little Children" und der Comic-Adaption "Watchmen" ein beachtliches Comeback gelang, darf dabei nicht mehr sein als ein frittierter Gruselaugust mit Raspelstimme. In den immergleichen Traumsequenzen - ausgenommen die wenigen Szenen, die nahezu Bild für Bild aus Cravens "Nightmare" stammen - verströmt sein Freddy so das Charisma eines grantigen Schlafwagenschaffners, der Gäste ohne Fahrschein hopsnimmt. Man hat auf der Dorfkirmes schon Geisterbahnfiguren mit mehr Esprit gesehen.

Johnny Depp

Nicht minder ratlos staksen die jugendlichen Protagonisten durch lieblose Kulissen, was wehmütig an die von Heather Langenkamp gespielte Nancy von 1984 denken lässt. Cravens Heldin war eine findige Überlebenskünstlerin, die mit reichlich Kaffee und Grips dem Schnitter ein Schnippchen schlagen konnte. Außerdem hatte sie den jungen an ihrer Seite, und sein Leinwanddebüt ist mithin ein weiterer Grund, warum Cravens Film trotz toupierten Haarsprayfrisuren und Moonwashed-Jeans so gut gealtert ist.

Degoutant und doof

In der öden Neufassung hingegen könnten die Zuschauer getrost wegdämmern, gäbe es nicht Ärgernisse, die das Schlummern verhinderten. Zum einen sind da die enervierend lauten Toneffekte, die in Ermangelung echter Spannung wach halten sollen.

Weit schwerer wiegt jedoch die einzige Abweichung von der ursprünglichen Erzählung, die sich Samuel Bayers Film leistet. Denn entgegen dem Original sollen die Jugendlichen nun traumatisierte Opfer sein, die bereits als Kleinkinder von dem damals noch menschlichen Fred Krueger missbraucht wurden, jedoch die Erinnerung daran verdrängt haben.

Horrorfilme

An Dramatik gewinnt der Film durch diese geschmacklose Volte keineswegs, dafür schlachtet er spekulativ eine leidvolle Realität aus und sanktioniert obendrein noch den reaktionären Lynchmob der Elm-Street-Eltern. Dabei dürfen und müssen durchaus Tabus brechen, nur sollten sie ansatzweise wissen, was sie tun. Wes Craven, in seinen Anfangstagen nie um eine Transgression verlegen, überschritt Grenzen, um die Fragilität von Moral und Ethik sichtbar zu machen. Die schwiemelige Pseudo-Sozialkritik in Bayers Film schafft es dagegen nur, zugleich degoutant und doof zu sein.

Die verantwortliche Produktionsfirma Platinum Dunes, zu deren Eignern auch Blockbuster-Zampano Michael Bay gehört, wird das kaum stören. Zuvor hatte man schließlich mit den Remakes - oder, wie es auch gerne blumig heißt, "Re-Imaginings" - "The Texas Chainsaw Massacre" (2003) und "Friday the 13th" (2009) bewiesen, dass ein eklatanter Mangel an Kreativität kein Erfolgshindernis sein muss.

Die bisherigen Einspielergebnisse von "Nightmare on Elm Street" geben ihnen Recht, und daher ist auch schon die unvermeidliche Fortsetzung angekündigt. Ein Alptraum.

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