Horrorkomödie "Zombieland" Pippi Langstrumpf im Blutrausch

Wenn Untote die Welt erobern, ist das nicht das Ende aller Tage. Im Gegenteil: Man muss nicht mehr ins Büro und hat Zeit für Monsterhatz und Fluchtauto fahren. Ein Riesenspaß, wie die anarchisch-verspielte Horrorkomödie "Zombieland" beweist.
Horrorkomödie "Zombieland": Pippi Langstrumpf im Blutrausch

Horrorkomödie "Zombieland": Pippi Langstrumpf im Blutrausch

Foto: Sony Pictures

Es ist eine der Standardfragen im modernen Horrorkino: Was tun, wenn Untote die Welt übernehmen? Regelmäßiges Rennen, Schreien und Schießen seien jetzt mal einfach vorausgesetzt. Aber wie füllt man den Rest des Tages? "Zombieland" hat da einige neue Tipps für Überlebende parat. So kann man die Apokalypse nutzen, um kostenlos einen Freizeitpark zu besuchen, unangemeldet in der Villa seines Leinwandidols vorbeizuschauen oder in ungezwungener Endzeitstimmung ein romantisches Date zu wagen.

Diese Haltung angesichts wandelnder Toter machte die Splatter-Komödie "Zombieland" von Regisseur Ruben Fleischer zum Überraschungserfolg in den USA, weshalb bereits eine Fortsetzung angekündigt wurde. Bei uns läuft der Film nun passend zur Adventszeit als Gegenmittel zu den chronisch überzuckerten Feiertagsfilmen. Was aber nicht heißt, dass es hier keinen Platz für Sentimentalitäten gäbe. Nur müssen sich nach dem Weltuntergang die wenigen verbliebenen Menschen erst einmal finden, um überhaupt miteinander menscheln zu können. Wobei selbst das gemeinsame Schicksal nicht unbedingt gegenseitige Sympathie garantiert.

So ist auch Erzähler Columbus (Jesse Eisenberg) zunächst allein in den wüsten Überbleibseln der USA unterwegs. Die Katastrophe, so erfahren wir, kam in Gestalt eines mutierten BSE-Erregers. Der neue Rinderwahn verwandelte passionierte Burgeresser in hungrige Menschenfresser.

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"Zombieland": Randale und Fleischeslust

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Columbus nennt sich nach seiner Heimatstadt in Ohio, und dorthin will der linkische College-Student auch zurück. Auf seinem Zickzackkurs durch die untoten Gemeinden hat er eine Survival-Strategie entwickelt, die auf Feigheit basiert. Denn breitbeinige Draufgänger sterben schnell, während Columbus genau weiß, wie und wann man etwa eine öffentliche Toilette benutzen kann, ohne bei der Verrichtung der Notdurft von Zombies überrascht zu werden.

Nach einem weiteren Intermezzo mit den Monstern in der Einöde gestrandet, trifft Columbus auf den rabiaten Tallahassee (Woody Harrelson). Der genießt die Konfrontation mit den Zombies und sucht neben Ärger nach Twinkies, Amerikas fast ewig haltbaren Fertigtörtchen. Trotz ihrer unterschiedlichen Überlebensentwürfe fahren die beiden gemeinsam weiter, und in einem Supermarkt begegnet das Gespann den Geschwistern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin).

Die vermeintlich hilflosen Mädchen luchsen ihnen Auto und Waffen ab, womit ein kurzweiliger Wettkampf zwischen cleveren Teenagerinnen und latent überforderten Mannsbildern beginnt. Schließlich einigt man sich auf ein Unentschieden und versucht sich als Quartett. Aber weder ist klar, wohin die Reise gehen soll, noch ist sicher, dass sich diese kleine Restmenschheit nicht doch untereinander an den Kragen geht.

Zum Glück befördert nichts das Gemeinschaftsgefühl so sehr wie eine Horde blutrünstiger Zombies. Man rückt zusammen und kann die zivilisatorischen Fesseln lockern. Denn Zombieland ist im Grunde eine leichenübersäte Spielwiese, auf der das Pippi-Langstrumpf-Prinzip herrscht: Mach Dir die Welt, wie sie Dir gefällt.

Kill mit Bill

Statt also in genreüblichen Doomsday-Trübsinn zu verfallen oder Zivilisationskritik zu üben, machen die Überlebenden einfach einen drauf. Das hat anarchischen Charme, etwa wenn die allmählich zusammenwachsende Ersatzfamilie erfolgreich Aggressionen abbaut, indem sie einen kitschigen Souvenirladen demoliert. Oder wenn sie, in Beverly Hills angekommen, eine repräsentative Bleibe sucht und sich schließlich im Haus von Bill Murray einquartiert - der allerdings selbst noch quicklebendig ist.

Murrays Gastauftritt ist ein absurder Höhepunkt, zumal der Komiker nach Jahren als stoischer Star in Filmen von Wes Anderson, Sofia Coppola und Jim Jarmusch endlich die Albernheit wieder entdeckt. Wenn er gemeinsam mit Woody Harrelson Szenen aus "Ghostbusters" nachspielt, dann erreicht Ruben Fleischers Film jene irrwitzige Qualität, die schon Edgar Wrights Zombiekomödie "Shaun of the Dead" auszeichnete.

Ohnehin sorgt die gelungene Besetzung von "Zombieland" dafür, dass die anderthalb Stunden trotz eines hauchdünnen Plots nicht langweilen. Seit Joe Dantes "Gremlins" 1985 eine amerikanische Kleinstadt zerlegten, war selten soviel vorweihnachtliche Freude an Randale im Kino. Und wenn sich im Showdown zwischen Kunstblut und Kugelhagel aufrichtige Rührung einschleicht, erscheint das Zombieland sogar als ziemlich heimeliger Ort.

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