Polizeikalauer "Hot Dog" Bedauernswerte Clowns

Schlimmer geht immer: Das Duo Schweighöfer-Schweiger macht mit der Polizeikomödie "Hot Dog" seinen bisher schlechtesten Film.

Wenn ein Clown eine Bananenschale über die Schulter wirft, dann wissen wir sofort, dass er wenige Augenblicke später auf ihr ausrutschen wird. Wir wissen aber auch - und einem guten Clown gelingt es, genau das in uns blitzschnell wieder vergessen zu machen -, dass auch der Clown weiß, dass er gleich stürzen wird.

Und der Clown weiß natürlich, dass wir wissen, was er weiß. Es erfordert vom Clown also ein gewisses Inszenierungsgeschick, diese Wissensschichten miteinander zu verflechten, damit aus dem Sturz auch ein Gag wird. Per se ist ein ausrutschender Clown also noch kein Witzbold. Im Gegenteil: An sich ist ein Clown, der auf die Schnauze fliegt, ziemlich bedauernswert.

Wenn man "Hot Dog" sieht, begreift man das sehr schnell. Denn jede einzelne Szene dieser, wenn man so will, Polizeikomödie (besser: Polizeiclownerie) legt ihre Pointe schon offen, bevor sie überhaupt vorbereitet ist. Anders gesagt: In Torsten Künstlers Film steckt der denkbar geringste Wille zur Inszenierung und die denkbar gravierendste Fehleinschätzung eines Komödienpublikums.

Ein Dummkopf und der Superagent

Wenn Til Schweiger, alias Super-dooper-Agent Luke, seinen Beifahrer Matthias Schweighöfer, alias Dummerchen Theo, im Auto beispielsweise einmal um den Straßenatlas bittet, dann weiß jeder, wirklich jeder, dass der zuvorkommende Theo den Wälzer, den er da überreicht, von Luke gleich über den Schädel geschnalzt bekommt. Ein bedauernswerter Schweighöfer. Der kriegt nämlich schon eines übergezogen, noch bevor der Witz einer hätte werden können.

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Fotostrecke: Platte Dämlichkeiten

Foto: Warner Bros.

Aber worum geht es? Luke ist ein toller Spezialeinheitler, der zwar ständig gegens Protokoll verstößt und eine Abmahnung nach der anderen kassiert, der dafür aber gekidnappte kleine Mädchen in die Freiheit führt - auf dem Arm, wie sich das gehört. Theo ist ein Trottel, der bei der Polizei als Klemmbrett-Häkchenmacher in die Waffenkammer abgestellt wurde, der aber über einen überdurchschnittlich großen Penis verfügt, wie er einmal in einer ganz besonders tragisch verunglückenden Szene verkündet.

Sie werden zu Zwangspartnern, um als Wachgarde das Treppenhaus des Bundespräsidenten zu beschirmen. Als ihnen dort vor der Nase die moldawische Prinzessin wegentführt wird, müssen sie sich zusammenraufen, um die Sache wieder gut zu machen - eine Sache, zu der noch ein nicht weiter in Kontext gesetztes, aber obligatorisches Drogenkartell und ein geplanter Regierungsputsch hinzukommen.

Chauvinismus als gemeinsamer Nenner

Es ist also viel Trubel in der Bundesrepublik und die zwei, die es richten müssen, stecken im Permaclinch. Beispielsweise kann es Luke nicht lassen, Theo immerzu mit Namen Helga anzusprechen, weil dessen hornbebrillte Einfältigkeit ihn an seine gleichnamige Tante erinnert. Mit dem leidigen Chauvinismus, der diesen und unzählige andere Kalauer zünden soll, war zu rechnen - er ist der vermutlich größte gemeinsame Nenner aller Schweiger-Rollen.

Bezeichnender für "Hot Dog" ist allerdings, dass Drehbuchschreiber Tripper Clancy wirklich kein fantasievollerer Name für eine Tante einfiel als Helga. Tatsächlich ist das Drehbuch wohl das Hauptproblem dieses Films. Das ist nämlich derart miserabel geschrieben, dass man dafür eigentlich ein eigenes Wort erfinden müsste. Dabei geht es noch nicht einmal nur darum, dass es mit niederschwelligster Ambition seine Dämlichkeiten abhakt (Schweiger: "Mädchen erkennen Jungfrauen am Geruch!" Schweighöfer: "Ich bin Widder"), sondern dass es geradezu allergische Reaktionen im Schauspiel hervorruft.

Sichtbar wird das etwa, wenn Schweiger und Schweighöfer ganz besonders ulkig gardeuniformiert mit Schießgewehr und Poncho im Schloss Bellevue herumstehen, Schnuten ziehen oder Kotgeräusche imitieren. Der Kampf gegen das Skript und die Zeilen, die es vorsieht, steht den beiden hier förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie sind hilflose Clowns; völlig chancen- und ratlos, als wüssten sie, dass diese Szene nur den Bach runtergehen kann.


"Hot Dog"
Deutschland 2018

Regie: Torsten Künstler
Drehbuch: Tripper Clancy
Darsteller: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Heino Ferch, Lisa Tomaschewsky
Produktion: Barefoot Films, Erfttal Film, Pantaleon Entertainment, Warner Bros.
Verleih: Warner Bros.
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 105 Minuten
Start: 18. Januar 2018


Übrig bleibt ihnen deshalb nur, die alterprobten Stile abzurufen: Schweiger mimt den misogynen Schwiegersohn-Albtraum, der mit bedenklicher Frequenz seinen quasiinzestuösen Alleinherrscheranspruch an seine Teenagertochter markiert; Schweighöfer strampelt währenddessen von einem unerträglichen Hysterieanfall in den anderen und hyperventiliert, wenn's gar nicht mehr geht, in ein Kondom hinein - in ein gebrauchtes, wer hätt's gedacht.

Ein Clown auf verlorenem Posten

Zwischendrin muss die pro-forma-Frauenfigur Nicki (Anne Schäfer), eine Hackerin ohne nennenswerten Auftritt, noch ein Eis lutschen. Und der Polizeichef (Tim Wilde) gibt sich angesichts der Patzer seiner Truppe cholerisch.

Am Ende resigniert der dann, sitzt in seinem Büro und träumt von einem Leben als Sparkassenangestellter. Alles ist eben besser als ein Clown auf verlorenem Posten. Er verdrängt seine bedauernswerte Lage - und er ist eine schöne Spiegelfigur. Denn wenn der Polizeichef dann mit teilnahmslosem Blick auf einen seiner Satellitenbildschirme stiert, zusieht, wie Theo und Luke gerade die Republik anzünden, dann hat man ein bisschen das Gefühl, hier sähe sich dieser Film selbst in sein elendes Gesicht.

Im Video: Der Trailer zu "Hot Dog"

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