Kinos in Indien Filme gibt's nur noch mit Nationalhymne

Das höchste Gericht Indiens hat entschieden: Bevor in Kinos der Film beginnt, muss die Nationalhymne gespielt werden. Ein Rollstuhlfahrer wurde bereits angegriffen, weil er zur Musik nicht aufstand.
Kino in Indien

Kino in Indien

Foto: DANISH SIDDIQUI/ REUTERS

Um die Zukunft des Kino macht sich in Indien niemand Sorgen. Ein Kinobesuch gehört zum Alltag, dort wird gegessen, geredet und ganz nebenbei ein Film angeschaut. Über 3,3 Milliarden Eintrittskarten verkauft die indische Filmindustrie jedes Jahr.  Das Kino ist der Ort, an dem das Volk zusammenkommt. Und wo man nach dem Willen des höchsten indischen Gerichts ab jetzt die Nationalhymne hören muss. Das meldet die Nachrichtenagentur dpa.

"Dies wird den Menschen ein Gefühl von engagiertem Patriotismus und Nationalismus einflößen", sagte einer der Richter. Kinogänger müssen außerdem während der Nationalhymne zwingend aufstehen, um ihren Respekt zu zeigen. In der gleichen Entscheidung ordnete das Gericht zudem an, die Nationalhymne dürfe nicht verkürzt aufgeführt, zu kommerziellen Zwecken genutzt oder an "unerwünschten oder schändlichen" Orten gezeigt werden.

Bisher war es nur in wenigen indischen Bundesstaaten wie Maharashtra üblich, vor Kinovorstellungen die Nationalhymne zu spielen. Die nun getroffene Entscheidung steht vor dem Hintergrund einer Nationalisierung seit dem Wahlsieg der hinduistisch-nationalistischen Regierungspartei BJP um Premierminister Narendra Modi im Jahr 2014.

Im Oktober war ein Rollstuhlfahrer in einem Kino im Bundesstaat Goa angegriffen worden, weil er während der Nationalhymne nicht aufstand. Im vergangenen Jahr berichteten Medien, eine muslimische Familie sei in Kerala aus dem gleichen Grund aus einem Kino geworfen worden.

kae/dpa
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