Indonesischer Blockbuster Besucherrekorde für Islam-Romanze

Koran und Popkultur müssen sich nicht widersprechen: Die Liebesgeschichte "Ayat Ayat Cinta" über islamische Studenten lockt in Indonesien Millionen Besucher an die Kinokasse. Präsident Yudhoyono lobte den Film als eine Antithese zu Geert Wilders Film "Fitna".


Jakarta - Alltägliche Probleme und islamische Lehren - das Liebesleben des indonesischen Studenten Fahri Abdullah Shiddiq an Ägyptens Al-Azher Universität ist von sensiblen Themen bestimmt. Er kämpft mit dem Schicksal der Frauen in der islamischen Welt, überlegt, ob er eine oder zwei Frauen ehelichen möchte und wird der Vergewaltigung angeklagt.

Schauspielerin Rianti Cartwright: Als schöne Aisha bangt sie um ihren Ehemann.
AP / MD Entertainment

Schauspielerin Rianti Cartwright: Als schöne Aisha bangt sie um ihren Ehemann.

Mit "Ayat Ayat Cinta" ("Verses of Love") erzählt Regisseur Hanung Bramantyo eine ungewöhnliche Geschichte über den Islam. "Ich wollte zeigen, dass es hippe, moderne, junge Menschen gibt, die ausgehen und trotzdem mit dem Islam leben", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Offenbar ist ihm das so überzeugend gelungen, dass sogar die indonesische Regierung voll des Lobes ist. So sagte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, ihm seien mehrere Male die Tränen in die Augen gestiegen, als er den Film sah. Sein Sprecher verkündete, der Film sei die Gegendarstellung zum Anti-Islam-Film "Fitna" des holländischen Filmemachers und Politikers Geert Wilders, der vergangene Woche im Internet für Furore sorgte.

Seit seinem Kinostart Mitte Januar ist der einfühlsame Liebesfilm, der den Islam als tolerante und friedliche Religion porträtiert, in Indonesien ein wahrer Publikumsmagnet: Drei Millionen Besucher verfolgten bisher das Liebesdrama um die muslimischen Studenten auf der Leinwand - unter den Zuschauern waren neben Präsident Yodhoyono auch 80 Botschafter und Diplomaten aus dem Ausland. Rund 90 Prozent der indonesischen Bevölkerung gehören dem muslimischen Glauben an.

"Ayat Ayat Cinta" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des indonesischen Autors Habiburrahman El Shirazy. Er erzählt die Geschichte des schmucken Jünglings Fahri, der vor der schwierigen Aufgabe steht, sich zwischen vier schönen Frauen zu entscheiden, die in ihn verliebt sind und ihn heiraten möchten. Er sucht sich Aisha, eine deutsch-türkische Studentin aus. Doch ihr Eheglück zerbricht, als Fahri fälschlicherweise für eine Vergewaltigung verhaftet wird. Maria, eine christliche Ägypterin, könnte ihn vor der Todesstrafe retten, liegt aber mit einem gebrochenen Herzen im Sterben, seit sie erfahren hat, dass Fahri verheiratet ist. Nun fleht Aisha ihren Mann an, dass er Maria als Nebenfrau nehmen möge. Das könnte sie aus dem Koma erwecken und sie zur Aussage bewegen, die ihn befreit.

Trotz großer Begeisterungsstürme für die gelungene Vermischung von Islam und Popkultur wurde der Film kritisiert: Nach Angaben von Reuters störte sich die gebildete Elite an der Verherrlichung der Polygamie, die in Indonesien immer noch üblich ist. Den Regisseur ficht das offenbar nicht an - er plant eine lange Version der Romanze für den internationalen Markt. Seine Botschaft: "Muslime sprechen nicht nur über Himmel und Hölle, sie setzen sich auch mit Liebe und mit Liebe auf den ersten Blick auseinander."

sta/Reuters



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