Inhaftierter iranischer Regisseur Deutsche Filmbranche solidarisiert sich mit Panahi

Gefängnisstrafe und Berufsverbot: Das iranische Regime hat Jafar Panahi hart bestraft. Jetzt solidarisiert sich die Berlinale-Leitung mit dem kritischen Regisseur. Auch die Deutsche Filmakademie protestiert gegen das Urteil.
Mit Haftstrafe und Berufsverbot belegt: Iranischer Regisseur Jafar Panahi

Mit Haftstrafe und Berufsverbot belegt: Iranischer Regisseur Jafar Panahi

Foto: ATTA KENARE/ AFP

Berlin - Die Leitung der Internationalen Filmfestspiele von Berlin unterstützt den im Iran zu sechs Jahren Haft verurteilten Regisseur Jafar Panahi. Berlinale-Chef Dieter Kosslick äußerte sich besorgt über das harte Urteil für den kritischen Regisseur: "Es ist erschütternd, dass ein renommierter Regisseur für seine künstlerische Arbeit bestraft wird", sagte Kosslick der Nachrichtenagentur dapd. Panahi ist als Jurymitglied für die 61. Berlinale eingeladen, die am 10. Februar kommenden Jahres in Berlin beginnt. Kosslick versicherte Panahi der "umfassenden Unterstützung der Festspiele". In keinem Fall sei geplant, dass ein anderer Juror seinen Platz in der Jury einnehmen solle.

Auch die in Berlin ansässige Deutsche Filmakademie protestiert gegen die Verurteilung Panahis, in der sie "eine drakonische Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Kunst" sieht. In einer Presseerklärung  ermutigt die Akademie alle Mitglieder und Freunde des Instituts, sich ihrem Protest mit einer Mail an die iranische Botschaft in Berlin anzuschließen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), nannte die Haftstrafe für Panahi in einer vom Auswärtigen Amt verbreiteten Erklärung "empörend". Das zusätzliche Berufsverbot sei "schlicht inakzeptabel".

Vorwurf: Komplott gegen die nationale Sicherheit

Jafar Panahi hatte sich nach der umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 auf die Seite der Opposition gestellt. Im März 2010 war er festgenommen worden, Ende Mai nach einem Hungerstreik jedoch zunächst gegen Kaution freigekommen. Der iranische Staat wirft ihm vor, an einem Komplott gegen die nationale Sicherheit beteiligt gewesen zu sein und das Volk zu Protesten gegen die Regierung aufgestachelt zu haben. Jetzt wurde er vom Revolutionsgericht in Teheran zu sechs Jahren Haft verurteilt. Zudem wurde es Panahi für einen Zeitraum von zwanzig Jahren verboten, Filme zu drehen, Drehbücher zu schreiben, ausländischen Medien Interviews zu geben oder auszureisen.

Jafar Panahi setzt sich in seinem Werk kritisch mit den sozialen Verhältnissen in Iran auseinander. Für sein Kinodebüt "Der weiße Ballon" hatte er 1995 die Camera d'Or bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. 2006 ist er bei der Berlinale für seinen Film "Offside" mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden.

kuz/dapd/dpa
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