Interview mit Kim Frank "Ich war immer da"

Vor drei Jahren wurde Kim Frank mit seiner Band Echt berühmt, nun spielt er die Hauptrolle in Leander Haußmanns Film "NVA". Mit SPIEGEL ONLINE sprach der 23-Jährige über sein überraschendes Comeback, die Oberflächlichkeit der Medien und seine persönlichen Helden.


Schauspieler Frank in "NVA": "Ich könnte niemals Menschen töten"
DDP

Schauspieler Frank in "NVA": "Ich könnte niemals Menschen töten"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Frank, Ihr Vater ist Berufssoldat, Ihr Bruder ebenfalls. Sind Ihre Eltern stolz auf Sie, weil Sie - wenn auch nur im Film - endlich auch Soldat geworden sind?

Frank: (lacht) Nein. Meinen Vater kenne ich gar nicht. Und zu meinem Bruder habe ich absichtlich keinen Kontakt, weil wir da sehr unterschiedlicher Meinung sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst waren nicht bei der Bundeswehr. Sind Sie froh darüber?

Frank: Ja, absolut. Ich könnte niemandem dienen außer vielleicht meinen eigenen Ideen oder meinem eigenen Herzen. Was man nicht vergessen darf: Es geht bei der Armee auch darum, dass man lernt, Leute umzubringen. Und ich könnte niemals Menschen töten.

SPIEGEL ONLINE: Wenn man Ihr Leben und Ihre Karriere betrachtet, sind Sie der typische Anti-Soldat. Waren Sie deshalb die Idealbesetzung für die Rolle des romantischen Träumers in "NVA"?

Frank: Ja, das habe ich so verstanden. Der Junge will da nicht hin. Er will etwas Künstlerisches machen. Leander sagte, er will Schauspieler werden, ich sagte, er will Dichter werden. Auf jeden Fall etwas Individuelles. Deshalb habe ich mich mit dem Begriff "Armee" gar nicht so auseinander gesetzt, denn das tut die Figur ebenfalls nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal gesagt, dass Politik Sie nicht interessiert. Nun spielen Sie in einem sehr politisch motivierten Film mit. Hat sich Ihre Einstellung geändert?

Frank: Ich habe nie gesagt, dass ich politisch nicht interessiert bin. Das haben die Leute daraus gemacht, weil es eben besser klingt. Ich bin nicht überinteressiert, nehme aber alles wahr, was man wahrnehmen kann durch Zeitung und Fernsehen. Ich habe Freunde, die verstehen mehr davon, die befrage ich dann. Auf deren Meinung lege ich aber auch mehr wert als auf den Journalismus der Zeitungen. Ich vertraue lieber Leuten, von denen ich weiß, dass sie etwas davon verstehen. Nur: Ich möchte kein politischer Popstar sein.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie sich in Zukunft eher als Schauspieler oder als Sänger?

Frank: Ich bin offen für die Schauspielerei, aber in erster Linie bin ich Sänger. Und dabei bleibe ich auch. Mit meinem neuen Album bin ich in den letzten Monaten an einen Punkt gekommen, wo ich sehr glücklich bin. Generell ist mir wichtig: Das, was ich tue, will ich mit ganzem Herzen tun. Und ich möchte Dinge tun, die mir auch gefallen. Einfach gesagt: Dinge produzieren, die ich auch selbst kaufen würde.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben schon viele Höhen und Tiefen erlebt, als Sänger der Band Echt wurden Sie von Ihren Fans zum Helden einer ganzen Generation verklärt. Ihr Regisseur jedoch sagt: "Der Mensch taugt nicht zum Helden".

Sänger Frank (M.) mit Band Echt (2000): "Ich konnte mit dem 'Heldentum' nicht umgehen"
DPA

Sänger Frank (M.) mit Band Echt (2000): "Ich konnte mit dem 'Heldentum' nicht umgehen"

Frank: Ich konnte mit dem "Heldentum" schon damals nicht umgehen, weil ich finde, dass ich für meine Generation nicht repräsentativ bin. Ich sehe mich als Künstler. Und als solcher wünsche ich mir, dass man nur die Dinge wahrnimmt, die ich auch tue. Aber das reicht in Deutschland scheinbar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Frank: Es klingt einfach besser, wenn man schreibt: "Der ist politisch nicht interessiert", als über die Platte zu sprechen. Ich dagegen möchte als Künstler nur über das wahrgenommen werden, was ich tue.

SPIEGEL ONLINE: Mit Ihrer Band Echt tauchten Sie damals aus dem Nichts auf und wurden über Nacht berühmt. Dann verschwanden Sie wieder für ein paar Jahre in der Versenkung. Warum gerade jetzt diese plötzliche Rückkehr in die Öffentlichkeit?

Frank: Weil der Film bald rauskommt. Es ist doch klar, dass man die Leute auf das aufmerksam machen möchte, was man getan hat. Deshalb gebe ich wieder Interviews.

SPIEGEL ONLINE: Sie hätten aber auch in Flensburg bleiben und sagen können: "Ich mache gar nichts mehr"...

Frank: Ich hab' noch nie gar nichts gemacht! Ich habe die ganzen Jahre sehr intensiv an meiner Platte gearbeitet. In den Medien ist das ja immer so eine "Peak"-Geschichte: Zack - waren wir da! Zack - waren wir erfolgreich! Zack - waren wir weg! Zack - bin ich wieder da! Aber für mich waren das Vorgänge, die einfach ihre Zeit brauchten. Ich bin ja nicht nur da, wenn ich ein Interview gebe. Ich war immer da, war immer kreativ, war immer wach! Aber ich habe in letzter Zeit sowieso das Gefühl bekommen, dass es total egal ist, was ich dazu sage. Das Bild bleibt.

SPIEGEL ONLINE: A propos Bild: Haben Sie Angst, dass Sie nun wieder reduziert werden auf das Image des kleinen süßen Jungen, der bei Echt gesungen hat und sich nun als Schauspieler versucht?

Regisseur Haußmann (r.), Darsteller Frank: "Der Junge will da nicht hin"
DDP

Regisseur Haußmann (r.), Darsteller Frank: "Der Junge will da nicht hin"

Frank: Generell sind die Menschen sehr oberflächlich. Ich habe schon ein bisschen Angst, dass Journalisten wieder versuchen zu demontieren, wo es nichts zu demontieren gibt. Oder etwas interessanter zu machen, als es eigentlich ist. Ich habe jetzt diesen Film gemacht. Er ist meiner Meinung nach toll geworden. Ich würde mir wünschen, dass die Leute mich darüber wahrnehmen, dass sie sagen: "Mensch, das ist aber ein schöner Film." Oder dass sie sich die Platte anhören.

SPIEGEL ONLINE: Als Sänger treten Sie jetzt alleine auf, Ihr Soloalbum soll im Frühjahr erscheinen. Wie haben Sie sich musikalisch entwickelt?

Frank: Die Platte ist natürlich auf Deutsch. Auch wenn man niemals nie sagen soll: Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer anderen Sprache zu singen. Nicht zurückhaltend, nicht zerbrechlich, nicht melancholisch, sondern große Gefühle. Teils rockig, teils poppig, auf jeden Fall gitarrenlastig.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gesagt, Ihr Album werde etwas, das Deutschland so noch nicht gehört hat. Was soll man sich darunter vorstellen?

Frank: Was ich in Deutschland immer noch vermisse, ist ein internationaler Sound. Wenn man mich fragen würde, wer meine Helden sind, dann fallen mir amerikanische und vor allem englische Künstler ein. Deutsche Vorbilder habe ich eigentlich nur wegen ihrer Texte.

SPIEGEL ONLINE: Was fehlt denn in der deutschen Musik?

Frank: Zu einem tollen Text und einem tollen Sänger fehlt ein wirklich tolles Playback! Ein Sound, der sich messen kann mit allem, was aus England kommt. Viele englische Bands werden hier produziert, wir könnten es doch!

Rockband Pink Floyd: "Meine Güte, das sind Opis, die ihrer Zeit nachtrauern!"
DPA

Rockband Pink Floyd: "Meine Güte, das sind Opis, die ihrer Zeit nachtrauern!"

SPIEGEL ONLINE: Und das wollen Sie ändern?

Frank: Ich werde einfach versuchen, anspruchsvolle Musik zu machen. Ich kann es nicht anders beschreiben: "Anspruchsvoll" ist mein Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gerade ihre Vorbilder angesprochen. Können Sie uns ein Beispiel geben?

Frank: Die größte Band aller Zeiten ist Pink Floyd. Der Sänger David Gilmore ist mein absoluter Held.

SPIEGEL ONLINE: Nick Mason, der Drummer von Pink Floyd bringt ja gerade ein Buch heraus...

Frank: Ach Gott, die Typen sollen sich mal zurückhalten! Meine Güte, das sind Opis, die ihrer Zeit nachtrauern. Ich kenne sie ja nicht persönlich, aber ich finde, David Gilmore ist der einzige, der es lässig nimmt. Der ist mit Würde gealtert.

SPIEGEL ONLINE: Wenn man einen Film über Sie drehen würde, welchen Titel sollte er tragen?

Frank: Eigentlich würde ich mir wünschen, dass es einen solchen Film nicht gibt. Obwohl: Ich habe mal eine zeitlang mit einer Videokamera gefilmt. Wenn ich mir das ansehe, denke ich oft: So viel kann man doch nicht an einem Tag erleben! Vielleicht wiederhole ich das noch mal und daraus könnte man so eine Art Doku machen. Das wäre aufregend, weil man mich nicht die ganze Zeit sieht.

SPIEGEL ONLINE: Und der Titel?

Frank: "Aus meiner Sicht" vielleicht...

Das Interview führte Jürgen Schmieder



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