Jack Nicholson 70 Jahre und noch immer Haifisch

Was man von John Joseph "Jack" Nicholson, seit heute 70, so weiß - das hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können. Vielleicht braucht jemand Abgründe, um so abgründig zu spielen.

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Was Jack Nicholson in vielen seiner Filme eine so übermächtige Präsenz verleiht, ist seine Fähigkeit, den Zuschauer fühlen zu lassen, dass er jemanden beobachtet, der völlig anders tickt als er.

Denkt man an seine zahlreichen harten Rollen, ist man versucht zu sagen, zum Glück. Denkt man an seine Komödien, ist das nicht viel anders: Nicholsons Faszination fußt auf seinem irren Blick, seinem diabolischen Grinsen - und auf der stets präsenten kraftvollen Aura, die beständig "Jetzt gleich passiert was!" ruft. Auch und gerade, wenn nichts passiert.

Vieles davon ist Kunst. John Joseph Nicholson hat an sich und seiner Performance härter gearbeitet, als das in Zeiten präpubertärer Mega-Karrierefrühstarts noch üblich ist. Aus gelinde gesagt ungewöhnlichen Verhältnissen kommend (erzogen wurde er von seiner Großmutter, die bei seiner Geburt nur 17 Jahre junge Mutter hielt er für seine Schwester) ist Nicholson ein Selfmade-Man. Seinen ersten Schauspielunterricht finanzierte er durch eine Tätigkeit als Botenjunge in der Trickfilmabteilung von MGM.

Das war Mitte bis Ende der 50er, und dann ging es schnell, wenn auch nicht erfolgreich weiter: In seinem ersten Schauspieler-Jahrzehnt brachte es Nicholson auf 16 Filme, allesamt B-Movies, und etliche unter der Regie der Trash-Ikone Roger Corman. Für ihn schrieb Nicholson auch zwei Drehbücher und war angeblich drauf und dran, den Traum von der Schauspielerei an den Nagel zu hängen, als das Angebot für "Easy Rider" kam.

Der Film machte Nicholson zum Star und leitete eine Karriere ein, wie sie steiler kaum hätte verlaufen können. Bis heute verbucht Nicholson drei Oscars und dazu neun Nominierungen, alle entweder als bester Haupt- oder Nebendarsteller.

Heute gilt Nicholson als lebende Hollywood-Legende. Jenseits aller Kritik spielt er in Filmen, Öffentlichkeit und Privatleben den Jack Nicholson. Dem lässt man ungewöhnlich viel durchgehen, der lässt schon mal auf Preisverleihungen die Hose runter oder kauft sich das Anwesen seines - nach seiner eigenen Aussage - Vorbildes Marlon Brando, um es umgehend Planieren und zum Blumenbeet machen zu lassen. Nicholson: Selbstdarsteller, genialischer Mime, Egomane, Exzentriker?

Vielleicht tickt er einfach nur ein wenig anders. Vielleicht ist er, der sich erst durchbeißen musste, wirklich ein wenig Haifisch. Vielleicht muss man das, wenn man in seinen Rollen so gut sein will. Vielleicht führt er uns alle nur an der Nase herum. Es sagt viel über Nicholson, dass man alles für möglich hält.



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