50 Jahre James Bond Gimmickshow zum Goldenen

Scharfe Waffen, raffinierte Accessoires, vergoldete Girls: Zum 50-jährigen Dienstjubiläum von James Bond zeigt eine Londoner Ausstellung den britischen Geheimagenten als Mode-Ikone. Eine neue Eskalationsstufe der Martini-Glas-Verehrung ist erreicht.

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Um den Pokertisch sind Schaufensterpuppen in Smokings und Abendkleidern gruppiert. Dazwischen steht ganz allein ein Martini-Glas - in einer zylinderförmigen Vitrine aus Plexiglas. Ein Schild verrät, dass es sich bei diesem Kleinod nicht um ein gewöhnliches Glas handelt, sondern um ein echtes "Bond Martini-Glas", das als "Hand Action Prop", als Handrequisite, in dem Film "Ein Quantum Trost" (2008) zum Einsatz kam.

Nun kann man argumentieren, dass das Martini-Glas zu James Bond gehört wie der Aston Martin und das Bond-Girl. Nirgends fühlt 007 sich so wohl wie im Casino, mit einem Drink in der Hand und einer schönen Begleiterin am Arm. Aber verdient ein einfaches Glas deshalb gleich eine Präsentation wie die Kronjuwelen? Es ist fraglos eine neue Eskalationsstufe in der Fetischisierung des britischen Geheimagenten.

Und es ist nicht das einzige Stück in der neuen Ausstellung "50 Years of Bond Style - Designing 007" im Londoner Kunstzentrum Barbican, das eher zweifelhaften Ausstellungswert hat. Echte Fans werden sie natürlich trotzdem genießen, die unzähligen Kostüme, ausgefallenen Waffen und Filmset-Accessoires aus den Archiven der Produktionsfirma.

Zu sehen sind originale Storyboards von "Octopussy" und "Golden Eye", Bleistiftskizzen der Filmsets von Produktionsdesigner Ken Adam, Kostümentwürfe von Beatrice Dawson und ein architektonisches Modell der Büroflucht im Hauptquartier des Auslandsgeheimdienstes MI6, in dem Bond-Boss M residiert.

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Doppelnull-Design: James Bonds coolste Accessoires
Die Ausstellung zum 50. Jahrestag des ersten Bond-Films "James Bond jagt Dr. No" behandelt den Geheimagenten als Stil-Ikone. In den fünf Jahrzehnten habe die Filmreihe ein ganz eigenes Design entwickelt, sagt Kuratorin Bronwyn Cosgrave. Gleich am Eingang lehnt eine lebensgroße Sean-Connery-Puppe am silbernen Aston Martin DB5 aus "Goldfinger". Bond, wie man ihn kennt, lässig im grauen Anzug, der Inbegriff des britischen Gentlemans.

Die Ausstellungsmacher porträtieren 007 als Trendsetter, von dessen Leben andere Menschen träumen. "Alles, was Bond anfasst, wird begehrenswert", sagt Cosgrave. "Er ist zwar Brite, aber er strahlt einen kontinentalen Exotismus aus."

Den Auslandserfahrungen des Vielfliegers ist ein eigener Raum gewidmet. "Der Geist des Eskapismus, der Bond auszeichnet, hat Millionen dazu gebracht, die Welt zu bereisen", heißt es am Eingang. Bei jedem neuen Film fragten sich die Produzenten: "Wo war Bond noch nicht?" Dann suche man neue Orte "mit einer geheimnisvollen Aura".

Daniel Craigs himmelblaue Badehose

Nicht alle Kritiker können mit dem Leitmotiv der Ausstellung etwas anfangen. "Die Filme waren ungefähr so stilvoll wie eine alte Martini-Werbung, in der mediterrane Playboys auf Yachten mit ihren blonden Gespielinnen relaxten", giftete der "Independent". Und: "James Bond war nie cool."

Tatsächlich wirkt das Design-Motto etwas bemüht. Aber unterhaltsam ist die Anhäufung aller denkbaren Bond-Memorabilien allemal. Zu sehen sind auch die Abendroben der Bond-Girls Elektra King und Vesper Lynd, die Kleidung der Bond-Bösewichte Dr. No, Elliot Carver und Karl Stromberg sowie Roger Moores weißer Smoking aus "Octopussy".

Auch die Kontinuitäten in der Bademode werden thematisiert: Der legendäre Bikini, in dem Ursula Andress im ersten Bond-Film dem Meer entstieg, tauchte 2002 in "Stirb an einem anderen Tag" mit Halle Berry wieder auf. Beide Originale sind im Barbican zu sehen, ebenso wie Daniel Craigs himmelblaue Badehose aus "Casino Royale".

In keiner Bond-Ausstellung dürfen die Spielzeuge fehlen, die MI6-Tüftler Q seinem Lieblingsagenten bastelt. Auch im Barbican nehmen sie einen ganzen Raum ein. Zu sehen sind originale Produktionszeichnungen, etwa von der silberfarbenen Thermoskanne mit der Handgranate im Boden aus "Goldfinger". Auch einige der amüsanteren Bond-Gadgets sind vertreten: Der goldene Colt von 1974, der aus einem Stift, einem Zigarettenetui und Manschettenknöpfen zusammengesetzt wurde, die Polaroid-Kamera mit Röntgenblick, das Gipsbein mit eingebauter Rakete.

Wer allerdings die Autos von James Bond sucht, der wird im Barbican nicht fündig. Die stehen derzeit fast alle im National Motor Museum in Beaulieu - zwei Stunden von London entfernt. Dort läuft noch bis Dezember die Schau "Bond in Motion".


Designing 007 - 50 Years of Bond Style, Barbican Centre, London, 6. Juli bis 5. September 2012

insgesamt 2 Beiträge
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jackmcbeer 06.07.2012
1. Bild 4
ist keine umgebaute Filmkamera, sondern eine Hasselblad, also ein Mittelformatfotoapparat.
Peter Werner 07.07.2012
2.
Schade, dass es James Bond nicht mehr gibt. Connery hatte Ausstrahlung, Moore einen einzigartigen britisch-/snobistischen Charme verbunden mit feiner Ironie, Brosnan war immerhin noch solider Durchschnitt. Craig jedoch hat nichts von alle dem. Keinerlei Ironie, keinerlei Charme. Die alten Bonds sehe ich immer wieder gerne, wenn sie im Fernsehen wiederholt werden. Seit Craig ist dies anders.
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