"Spectre"-Stars Craig und Waltz "Wir alle kriegen manchmal das große Kichern"

Im neuen Bond-Film "Spectre" spielen Daniel Craig und Christoph Waltz Erzfeinde, die ein dunkles Geheimnis verbindet. Auch privat und am Set entdeckten die Schauspieler viele Gemeinsamkeiten. Andreas Borcholte hat sie zu einem kurzen Gespräch getroffen.

Schauspieler Waltz, Craig: "Wir haben uns durchaus besser kennengelernt, ja"
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Schauspieler Waltz, Craig: "Wir haben uns durchaus besser kennengelernt, ja"


SPIEGEL ONLINE: Mr. Craig, Herr Waltz, in "Spectre" (unsere Filmkritik lesen Sie hier) gibt es eine enge Verbindung zwischen Ihren Filmcharakteren, haben Sie sich beim Dreh auch persönlich ein bisschen kennengelernt?

Waltz: Daniel ist bis heute wie ein Fremder für mich.

Craig: Ach, wirklich?

Waltz: Ich betrachte Daniel sogar als ein größeres Phänomen als James Bond.

Craig: Ein Enigma?

Waltz: Ja!

SPIEGEL ONLINE: Mr. Craig, möchten Sie das Kompliment erwidern?

Craig: Wir haben uns durchaus besser kennengelernt, ja. Dass Christoph überhaupt in Erwägung gezogen hat, diese Rolle zu spielen, ist wundervoll. Und darüber hinaus hatten wir sehr viel Spaß miteinander.

Waltz: Wir haben buchstäblich einen gemeinsamen Hintergrund: das Theater. Dort entwickelst du einen besonderen Modus der Kommunikation. Man verbringt ein paar Wochen mit den Proben, man hat die Gelegenheit, sich kennenzulernen, das ergibt eine gewisse Psychologie. Und wenn du jemanden findest, der diese mit dir teilen kann, dann fühlt man sich sehr verbunden.

SPIEGEL ONLINE: Das hört sich sehr komfortabel an.

Craig: Es fühlte sich sehr normal an, mit Christoph zu spielen. Ich wünschte, ich könnte Ihnen jetzt ein paar außerordentliche Geschichten erzählen, aber wir haben schlicht gut miteinander funktioniert, vom ersten Tag an.

Waltz: Wir beide arbeiten sehr effizient und pragmatisch beim Drehen, zum einen, weil wir irgendwann auch gerne mal nach Hause wollen, zum anderen, weil wir uns nicht mit typischen Schauspieler-Exzessen aufhalten wollen…

Craig: Zumindest nicht, bis wir zu Hause sind.

SPIEGEL ONLINE: Von Professionalität mal abgesehen: In "Spectre" gibt es viele überdramatische Szenen, in einer müssen Sie, Herr Waltz, Bond foltern. Welche Methoden gibt es, bei so etwas ernst zu bleiben?

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Bond-Film "Spectre": Ein Craig für alle Fälle
Waltz: Für mich ist das nicht so schwierig. Ich habe keinen Sinn für Humor.

SPIEGEL ONLINE: Wir hörten davon.

Craig: Es ist tatsächlich nicht so schwer. Zusammen sitzen hier mindestens 60 Jahre Schauspielerfahrung, wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt. Das Lachen, das Sie meinen, kommt manchmal gegen 3 Uhr morgens, wenn du 12, 13 Stunden am Stück gearbeitet hast und einfach nur noch hysterisch bist. Wir alle kriegen manchmal das große Kichern. Aber das ist nicht, was du willst. Du willst die Szene in den Kasten kriegen und weitermachen.

SPIEGEL ONLINE: Der Laie stellt sich vor, es hilft, an etwas Schauderhaftes zu denken…

Craig: So etwas wie: Himmel, war das Mittagessen heute scheußlich? Nein, so einfach ist das nicht. Ich weiß nicht, wie Christoph arbeitet, aber mir hilft es meistens, meinen Kopf so leer wie möglich zu machen. Man denkt nicht an bestimmte Dinge. Am besten, man denkt an nichts.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch ist "Spectre" ein sehr düsterer, ernsthafter Film geworden - im Gegensatz zu den eher draufgängerischen Bond-Filmen früherer Zeiten. Warum, glauben Sie, ist das die richtige Tonalität für James Bond in unserer Zeit?

Craig: Ich stimme Ihnen da überhaupt nicht zu! Ich finde, dieser Bond vereint alle diese Aspekte. Mir ging es nie darum, einen bestimmten Bond zu erschaffen, ich wollte erforschen, wer diese Person ist, was sein realer Kern ist. Aber: Es ist ein Bond-Film! Und ich finde, wir haben diesen Film, anders als die vorherigen, auf sehr erfreuliche Art und Weise geöffnet. Es gibt genug Raum für Licht und Schatten. Aber man kann es nicht jedem recht machen. Es gibt viele, die mich nicht in dieser Rolle mögen. Es wird mir nie gelingen, diese Leute glücklich zu machen, weil ich nun einmal nicht ihrem Ideal von Bond entspreche.

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"Spectre"-Premiere in Berlin: Wie aus der Pistole geschossen
Waltz: Aber das ist ja gleichzeitig das Tolle an James Bond. Und an DVDs. Denn der alte Bond ist ja nicht für immer verschwunden, man kann ihn sich ja jederzeit wieder ansehen. Was mir so gut daran gefällt: Jeder Bond ist ein Kind seiner Zeit. Es wäre eine verpasste Chance, und man würde seine Verantwortung missachten, wenn man heute, im 21. Jahrhundert, Filme über Themen machen würde, die in den Siebzigern relevant waren. Das wäre ein schwerer Fehler! Ein Grund, warum diese Figur jetzt schon über 50 Jahre im Kino überlebt hat, ist doch gerade, dass sie sich immer mit den Problemen der jeweiligen Gegenwart befasst.

SPIEGEL ONLINE: In "Spectre" spielen Sie einerseits verwandte, andererseits sehr gegensätzliche Figuren, hätte es Sie gereizt, die Rollen zu tauschen? Der Gute spielt den Bösen und umgekehrt?

Waltz: Oh, das wird am Theater ziemlich oft gemacht, und wissen Sie was? Es funktioniert nie!

Craig: Eine schreckliche Sache, klappt wirklich nie.

Waltz: Weil es komplett willkürlich ist. Kann man das machen? Offensichtlich, ja. Hat es irgendeinen Sinn? Ebenso offensichtlich nicht!

SPIEGEL ONLINE: Wird man Sie beide erneut zusammen sehen, vielleicht sogar im nächsten Bond?

Craig: Ich würde mit Christoph gleich morgen wieder zusammenarbeiten. Egal an was. Ob es ein Bond-Film sein wird, das weiß ich noch nicht.

Waltz: Wir werden etwas am Theater zusammen machen.

Craig: Das wäre schön. Ein Musical vielleicht.

Sehen Sie hier den Trailer zum 24. Bond-Film "Spectre":

Video-News: Royale Premiere von "Spectre" in London:

DPA/ Sony Pictures

Das Interview mit Daniel Craig und Christoph Waltz führten wir in der vergangenen Woche anlässlich der Deutschland-Premiere von "Spectre" in Berlin.



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Seite 1
CommonSense2006 04.11.2015
1. Respekt
ich mag beide Schauspieler: Unaufgeregte, bodenständige Typen, die trotz ihrer großen Bekanntheit und hohen Gagen immer noch wissen, dass das nur ein Job ist: Filme zu machen, um Menschen ein wenig zu unterhalten. Schön, wenn sie dann auch noch Spaß an ihrer Arbeit haben.
jujo 04.11.2015
2. ...
Zitat von CommonSense2006ich mag beide Schauspieler: Unaufgeregte, bodenständige Typen, die trotz ihrer großen Bekanntheit und hohen Gagen immer noch wissen, dass das nur ein Job ist: Filme zu machen, um Menschen ein wenig zu unterhalten. Schön, wenn sie dann auch noch Spaß an ihrer Arbeit haben.
Ich stimme Ihnen zu, mit einer Einschränkung. Ich halte beide als Schauspieler für überbewertet. Das ist aber Geschmackssache über die man nicht streiten kann.
titoandres 04.11.2015
3. @CommonSense
Na,bodenständig ist Waltz nicht wirklich. Das muss er aber auch nicht sein.
viconia 04.11.2015
4.
"Wird man Sie beide erneut zusammen sehen, vielleicht sogar im nächsten Bond?" vielen Dank für diesen unangekündigten Riesenspoiler!
joboxer 04.11.2015
5. Zwei Fragen ...
... bewegen mich: 1) warum taucht Jeremy Renner ("The Hurt Locker") nicht auf der Liste möglicher Craig-Nachfolger auf? 2) Gilt die "staatlich ungebundene Gruppe" namens SPECTRE eigentlich schon als "NGO"?
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