Bond-Kinostart erneut verlegt Stirb an einem anderen Tag

Der James-Bond-Thriller »Keine Zeit zu sterben« wurde ein weiteres Mal verschoben, diesmal in den Oktober. Darunter leidet die gesamte Branche. Und viele Zuschauer haben inzwischen das Gefühl, den Film schon zu kennen.
Daniel Craig, Ana de Armas in »Keine Zeit zu sterben«: »Wo zum Teufel stecken Sie?«

Daniel Craig, Ana de Armas in »Keine Zeit zu sterben«: »Wo zum Teufel stecken Sie?«

Foto: Nicola Dove / Universal Pictures

»Kommen Sie, Bond«, raunt Ralph Fiennes im Trailer von »Keine Zeit zu sterben«. »Wo zum Teufel stecken Sie?« Die Antwort ist recht einfach: im Lockdown. Das Hollywoodstudio MGM gab gerade bekannt, dass der neue Bond-Film »Keine Zeit zu sterben« nun erst am 8. Oktober in die Kinos kommen wird, zumindest in den USA. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Starttermin auch in Deutschland verschoben wird. Es wäre die dritte Verschiebung seit dem vergangenen Frühjahr.  

Für die gesamte Kinobranche ist dies ein weiterer Rückschlag. Nach dem katastrophalen Jahr 2020, in dem das weltweite Einspiel um über 70 Prozent einbrach, hätte »Keine Zeit zu sterben« die Blockbustersaison Ende März endgültig wiedereröffnen sollen. Doch bei der augenblicklichen Entwicklung der Pandemie ist unklar, wann die Kinos wieder öffnen und wann sie wieder ohne Einschränkungen spielen können. Wohl frühestens im Sommer dürfte es so etwas wie eine Normalisierung geben.

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Andere Studios wollen ihre Blockbuster ebenfalls verschieben oder digital auswerten, statt sie ins Kino zu bringen. Letzteres hatte zwischendurch offenbar auch MGM erwogen und mit Streamingdiensten wie Netflix und Apple über »Keine Zeit zu sterben« verhandelt. Von 600 Millionen Dollar war die Rede. Doch es kam zu keiner Einigung. Der letzte Bond-Film »Spectre« hatte allein im Kino knapp 900 Millionen eingespielt.

Größte Bond-Pause seit »Goldeneye«

Schon vor Beginn der Pandemie war der Starttermin von »Keine Zeit zu sterben« mehrfach geändert worden. Der 25. Film der Serie, der eigentlich im April letzten Jahres anlaufen sollte, hatte eine ziemlich rumpelige Entstehungsgeschichte. Der ursprünglich vorgesehene Regisseur Danny Boyle und sein Autor mussten gehen, weil ihr Konzept bei den Produzenten offenbar wenig Anklang fand, wie Boyle in einem SPIEGEL-Interview erzählte. Der Amerikaner Cary Fukunaga übernahm die Regie, doch dann verletzte sich Craig bei den Dreharbeiten.

Craig in »Keine Zeit zu sterben«: Abschiedsvorstellung als 007

Craig in »Keine Zeit zu sterben«: Abschiedsvorstellung als 007

Foto:

Nicola Dove / Universal Pictures

»Spectre« kam im November 2015 heraus. Einen so großen zeitlichen Abstand zwischen zwei Filmen der Serie gab es bislang nur einmal, als Pierce Brosnan 1995 in »Goldeneye« die Hauptrolle von Timothy Dalton übernahm. Bei einem Bond-Film ist eine Verschiebung gravierender als bei anderen Blockbustern. Denn 007 ist auch eine Art Markenbotschafter für Autos oder Uhren, die in den Filmen vorgestellt werden. Die Kampagnen für diese Produkte werden mit dem Kinostart koordiniert und sollen ihn pushen. Es fragt sich nun, ob »Keine Zeit zu sterben« wirklich die beste Art zu werben ist.

Gleich vier neue Modelle von Aston Martin, so liest man, sollen in »Keine Zeit zu sterben« aufs Äußerste strapaziert werden. Der kriselnde Automobilhersteller muss sich vorerst damit trösten, dass man schon in den Teasern und Trailern zum Film erahnen kann, wie widerstandsfähig und verblüffend fahrtüchtig selbst ein zu Klump geschossener Aston Martin ist. Der Champagnerhersteller Bollinger vermeldete gar, seine »Special Cuveé 007«-Edition sei »fantastisch« angekommen und habe sich gut verkauft. Möglicherweise haben viele Bond-Fans mit banger Miene auf die Zukunft ihres Helden angestoßen. 

Die beste Art zu werben?

Denn »Keine Zeit zu sterben« hat mit einem großen Problem zu kämpfen, das eine Folge der Verschiebungen ist: Man könnte beinahe glauben, den Film bereits gesehen zu haben. Mehrfach kamen neue Trailer heraus, die immer mehr von der Handlung preisgaben. Auf YouTube kann man sich vom Regisseur erklären lassen, wie er an Bond herangegangen ist und womit die Figur zu kämpfen hat. »Keine Zeit zu sterben« fühlt sich daher eher wie eine Pauschalreise an als wie ein Abenteuerurlaub: Wir kennen die Route und die einzelnen Ziele, vermutlich ab Oktober werden wir sie abklappern können.

Andererseits lautet das Motto der Serie: »You know the name, you know the number.« Die Plots von Bond-Filmen sind ja eher selten überraschend. Sie funktionieren ein wenig wie Zirkusprogramme, hier mal eine artistische Nummer, dort mal Komik, dann Kraftmeierei, ab und zu sogar wilde Tiere. Der Witz und der Charme der Filme liegt in den Variationen und den Details. In dieser Hinsicht hatte 007, wenn alle anderen ihre Munition bereits verballert hatten, immer noch eine Kugel im Lauf. Oder, wie Daniel Craig im Trailer voller Trotz mit malmendem Kiefer sagt: »Die Vergangenheit ist nicht tot.« Jedenfalls nicht die von 007.

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