Strache-Skandal Jan Böhmermann arbeitet an Spielfilm über Ibiza-Affäre

Österreich arbeitet noch immer die Folgen der Ibiza-Affäre um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf. Jan Böhmermann und Regisseur David Schalko wollen dieses "Waterloo der Politik" jetzt verfilmen.

Screenshot aus dem Ibiza-Video mit Heinz-Christian Strache (r.): Spielfilm kommt
Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa

Screenshot aus dem Ibiza-Video mit Heinz-Christian Strache (r.): Spielfilm kommt


Der Satiriker Jan Böhmermann arbeitet an einer Verfilmung der Ibiza-Affäre, die in Österreich im Mai zum Ende der rechtskonservativen Regierung geführt hat. Die Produktion des Spielfilms habe bereits im November begonnen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Böhmermann werde das Projekt gemeinsam mit dem österreichischen Regisseur David Schalko (46, "M - Eine Stadt such einen Mörder") umsetzen. Schalko bestätigte die Meldung auf SPIEGEL-Anfrage.

Das Ibiza-Video hatte im Mai ein politisches Erdbeben in Österreich ausgelöst. Die heimlich erstellten Aufnahmen aus dem Sommer 2017 zeigen den damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der im Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte anfällig für Korruption wirkt. Strache musste nach der Veröffentlichung des Videos als Parteichef und Vizekanzler zurücktreten, die Regierungskoalition von konservativer ÖVP und rechter FPÖ zerbrach. Gegen Strache wird inzwischen ermittelt, weil er sich Parteigelder in die eigene Tasche gesteckt haben könnte. Der 50-Jährige weist die Vorwürfe vehement zurück.

"In Österreich verdichtet sich aufs Komischste, was sich auch in vielen anderen liberalen Gesellschaften in Europa und der Welt vollzieht. Ibiza ist eine irre Parabel auf Politik in Zeiten des politischen Verfalls", zitierte die APA Böhmermann. "Als Radikaldemokrat und Verehrer Österreichs halte ich es für meine heilige Pflicht, dass David und ich uns jetzt - Zack, zack, zack! - daran machen, Ibiza international zu erzählen und für die Nachwelt zu konservieren."

Böhmermann kannte das Ibiza-Video bereits vor der Veröffentlichung. Der 38-Jährige hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Als das Video dann am 17. Mai veröffentlicht wurde, twitterte der Satiriker einen Link zum Vengaboys-Lied "We're Going to Ibiza" - und lieferte damit quasi den Soundtrack zur Affäre.

"Ibiza wird sich ähnlich wie Cordoba in die österreichische Identität einbrennen. Nur eben als Waterloo der Politik", sagte David Schalko gegenüber der APA über das Projekt. "In besoffener Kelleratmosphäre wurde ans Licht gebracht, was dieses Land im Innersten zusammenhält. Jan und ich haben beschlossen, diesem denkwürdigen Umstand ein zeitloses, filmisches Denkmal zu setzen," so der Filmemacher und Autor.

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