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Gestorben Jean-Louis Trintignant, 91

aus DER SPIEGEL 26/2022
Foto: Bridgeman Images

Die besten Schauspieler seien diejenigen, »die am meisten fühlen und am wenigsten zeigen«, fand der Südfranzose. Er selbst war ein Meister der zurückhaltenden Mimik; und wenn Jean-Louis Trin­tignant doch einmal lächelte, wirkte es wie ein Faustschlag. Er kam 18-jährig nach Paris und wollte in der Schauspielschule vor allem seine Schüchternheit überwinden, berühmt sein wollte er nie. Doch schon sein dritter Film brachte ihn in die Klatschpresse: In »… und immer lockt das Weib« spielte er Brigitte Bardots Ehemann – und hatte zudem eine Affäre mit ihr. Er bezeichnete sich selbst als Verführer, dreimal war er verheiratet. Der Durchbruch als Filmstar kam 1966 mit Claude Lelouchs Liebesfilm »Ein Mann und eine Frau«. Als Trintignant sich die Rollen aussuchen konnte, ignorierte er Hollywood und drehte mit den Größen des europäischen Auto­renfilms. Eindringlich und ohne Effekthascherei spielte er einen Faschisten für Bertolucci, einen unbeirrbaren Ermittler für Costa-­Gavras, einen moralischen Katholiken für Rohmer. Tragödien prägten sein Privatleben: 1969 erlag seine Tochter Pauline dem plötzlichen Kindstod, 2003 wurde ihre Schwester Marie getötet. Es dauerte lange, bis er »ein Leben ohne Trost« erlernte, wie er es mal ausdrückte. 2012 gelang ihm in Michael Hanekes »Liebe« ein triumphales Spätwerk. Jean-Louis Trintignant starb am 17. Juni im südfranzösischen Collias.

FEB
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