Nesthocker-Komödie mit Jason Segel Cool, der wohnt im Keller

Slacker oder Spießer? In der Indie-Komödie "Jeff, der noch zu Hause lebt" geraten zwei sehr verschiedene Brüder aneinander. "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel spielt den Titelhelden gewohnt liebenswert, und der Film überrascht mit einer sanft subversiven Botschaft.

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Männer, die nicht kochen können; Männer, die zu viel fernsehen; Männer, die dreckige Unterhosen tragen; Männer, die Schwierigkeiten haben, mit Frauen zu reden; Männer, die dauernd kiffen; Männer, die ihre Wohnung nicht aufräumen: In amerikanischen Komödien ist der Mann, der nicht erwachsen werden will, mittlerweile eine standardisierte Figur - und ebenso die Frau, die ihn mit Anstand, Charme und Pragmatismus dann doch ins Erwachsenenleben lockt.

"Jeff, der noch zu Hause lebt" ließe sich ebenfalls in das Genre der Geläuterter-Kindskopf-Komödie einreihen - wenn der Film nicht plötzlich innehalten und die einfache Frage stellen würde: Was genau ist noch mal so erstrebenswert am Erwachsenenleben?

Jason Segel ("How I Met Your Mother") spielt den titelgebenden Jeff, der noch zu Hause lebt. Mit einem alten Fernseher und einer Wasserpfeife hat es sich der 30-Jährige im Keller des Hauses seiner Mutter so bequem gemacht, dass er die Welt vergessen zu haben scheint. Eines Morgens locken ihn zwei Telefonanrufe dann doch heraus: Seine Mutter bittet ihn, eine neue Lamelle für eine Schranktür zu besorgen. Der andere Anrufer hat sich verwählt und fragt vergebens nach einem Kevin. Doch für Jeff hat irgendwie alles einen Sinn, und so erkennt er auch im zweiten Anruf eine Botschaft. Nur was sie zu bedeuten hat, muss er noch herausfinden. Und dies wird er im Verlauf eines turbulenten Tages, so viel sei verraten, auch tun.

"Von Brüdern kann man sich nicht scheiden lassen"

"Jeff, der noch zu Hause lebt" ist der vierte Spielfilm, den die Brüder Jay und Mark Duplass zusammen geschrieben und gedreht haben. Gleich mit ihrem ersten Film, der Komödie "The Puffy Chair" (2005), etablierten sie sich als zwei der sympathischsten, aber auch latent harmlosesten Vertreter einer neuen Generation von Independent-Filmern, die mit wenig Geld viele Dialoge auffahren. Seitdem haben die Duplass-Brüder auch separat gedreht. Mark ist mittlerweile ein gefragter Hauptdarsteller ("Humpday", "Your Sister's Sister"), Jay arbeitet verstärkt als Produzent. Dennoch finden sie immer wieder für gemeinsame Filme zusammen. "Brüder sind interessant, weil man sich von ihnen nicht scheiden lassen kann", sagt Jay, der Ältere. "Man führt eine Intimbeziehung, die man nie beenden kann."

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"Jeff, der noch zu Hause lebt": Nesthocker-Komödie mit Jason Segel

In "Jeff, der noch zu Hause lebt" wird die Beziehung zwischen zwei Brüdern auch zum Thema vor der Kamera. Jeffs Tag außerhalb seines Kellers gerät nämlich auch deshalb so turbulent, weil er seinem Bruder Pat (Ed Helms) über den Weg läuft. Der hat zwar Gattin/Wohnung/Job, ist aber so verspannt, dass er seine Frau Linda (Judy Greer, "The Descendants") in die Arme eines anderen zu treiben scheint. Im Moment seiner größten Verzweiflung spannt er Jeff kurzerhand ein, um Linda und ihrem potentiellen Liebhaber quer durch die ganze Stadt zu folgen.

Slackertum oder Spießertraum?

Etwas zu schematisch fällt die Gegenüberstellung der grundverschiedenen Brüder aus, und etwas zu routiniert gehen die Hauptdarsteller ihre Rollen an, um wirklich frisch zu wirken. Jason Segel hat man seinen supergemütlichen Jeff schon in etlichen Reinkarnationen spielen sehen. Am meisten variiert dabei noch sein Bekleidungsgrad - komplett nackt in "Nie wieder Sex mit der Ex" oder im zeltartigen Hoodie wie jetzt in "Jeff". Und Ed Helms' borderline-aggressive Nervosität hat ihn bereits durch zwei "Hangover"-Filme getragen.

Trotzdem geben Jeff und Pat ein schönes odd couple ab, denn genau das bleiben sie bis zum Schluss: ein Paar, das nichts gemeinsam hat außer den Eltern und einigen im selben Haus verbrachten Kindheitsjahren. Voneinander zu lernen gibt es da kaum etwas. Statt einer sentimental journey treten sie einfach eine slapstick-durchwirkte Hetzjagd durch die Stadt an. Zu einem Ziel führt diese sie dennoch - nämlich in ihre alten Leben zurück. Das ist paradoxerweise die fortschrittliche Botschaft des Films: Slackertum wird nicht gegen Spießertraum ausgespielt. Und auf den Trichter, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, müssen die Männer schon selber kommen.

Noch schöner wird diese Moral anhand von Pat und Jeffs Mutter erzählt. Susan Sarandons Sharon sitzt im Büro, während ihre Söhne durch die Stadt toben. Ruhig geht es bei ihr dennoch nicht zu, ein heimlicher Verehrer umwirbt sie zaghaft. Erst überfordert sie das Verlangen des Fremden, doch langsam erkennt sie, dass es einem tief und lang verborgenen Wunsch von ihr entspricht. Als sie ihre alten Bedürfnisse neu entdeckt, kann sie ihr Leben auch intensiver genießen - selbst wenn dazu Jeff gehört, der noch zu Hause lebt.



insgesamt 3 Beiträge
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Der Meyer Klaus 07.08.2012
1.
Der Film ist total langweilg. Dafür im Kino Geld auszugeben ist wahre Verschwendung. Bin froh im Flugzeug nichts dafür bezahlt zu haben. Grausam.
Whoop84 07.08.2012
2. Fahnenträgeralarm
Zitat von sysopParamount PicturesSlacker oder Spießer? In der Indie-Komödie "Jeff, der noch zu Hause lebt" geraten zwei sehr verschiedene Brüder aneinander. "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel spielt den Titelhelden gewohnt liebenswert, und der Film überrascht mit einer sanft subversiven Botschaft. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,848420,00.html
Zwei Kugeln standardtsiert, mit ohne Standarte, bitte. Sogar die Rechtschreibprüfung des Forums meckert ...
oni73 07.08.2012
3. jason segel
Kann mir bitte jemand erklären, warum der Jason so oft Hauptrollen bekommt? Ich kann da beim besten Willen irgendeine Begabung noch eine Aura bei Ihm erkennen, IMHO.
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