Jury-Protest auf der Berlinale Rossellini fordert Freiheit für Panahi

Sein Platz bleibt demonstrativ leer - falls der regimekritische iranische Regisseur Jafar Panahi doch noch freikommt. Auch wenn es dafür wenig Hoffnung gibt, forderte Isabella Rossellini, Jury-Vorsitzende der Berlinale, zur Eröffnung des Festivals das Mullah-Regime zum Einlenken auf.

Regisseur Jafar Panahi: Sein Sitz in der Berlinale-Jury wird freigehalten
DPA

Regisseur Jafar Panahi: Sein Sitz in der Berlinale-Jury wird freigehalten


Hamburg/Berlin - Die Vorzeichen, dass die diesjährige Berlinale zur politischsten Ausgabe seit Jahren wird, scheinen sich zu bestätigen. Gleich zum Auftakt des Festivals forderte die internationale Jury unter Vorsitz von Isabella Rossellini die Freilassung des iranischen Regisseurs Jafar Panahi: "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er noch kommen kann und seinen Platz in der Jury einnimmt", sagte Rossellini am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. "Die Meinungs- und Redefreiheit ist die Grundlage des Filmemachens."

Der regimekritische Regisseur war unlängst in seiner Heimat von den Mullahs zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden und konnte deshalb bisher nicht nach Berlin reisen. Sein Platz bei der Eröffnungskonferenz der Jury blieb demonstrativ leer. Derweil reiht sich Solidaritätadresse an Solidaritätsadresse: Der einflussreiche indische Schauspieler und Produzent Aamir Khan ("Im Sturm der Liebe") appellierte an die Regierung in Teheran, Panahi schnellstmöglich ausreisen zu lassen: "Er ist ein guter Botschafter der persischen Kultur."

Am Freitag wird auf der Berlinale in einer feierlichen und prominent platzierten Veranstaltung noch einmal Panahis Film "Offside" gezeigt, für den er 2006 in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Und überall im Festivalprogramm werden solidarische Aktivitäten für Panahi und weitere verfolgte iranische Filmschaffende stattfinden.

So eloquent die Juryvorsitzende Rossellini für ihren verfolgten Kollegen eintrat - nach welchen Kriterien sie und die anderen Juroren die Filmbewertung in den nächsten Tagen vornehmen werden, konnte und wollte sie noch nicht verraten: "Oh Gott, das weiß ich noch nicht. Das große Vergnügen liegt doch gerade in den Überraschungen, die auf uns warten."

cbu/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.