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"Justice League": Marvelous, diese DC-Helden!

Foto: Warner Bros.

Kinospektakel "Justice League" Noch mal kurz die Welt retten

Bleiernes Desaster wie "Batman v Superman" oder inspirierter Neustart wie "Wonder Woman"? Weder noch. Warum DCs Superhelden-Spektakel "Justice League" vieles richtig macht und trotzdem nicht begeistert.

Vielleicht liegt es daran, dass die reale Welt zurzeit wie ein Comic wirkt, bevölkert von karikaturesken Bösewichten wie Donald Trump, Kim Jong Un oder Rodrigo Duterte. Wer braucht da noch mumiengesichtige Megaschurken wie den Steppenwolf?

Die archaische Alien-Bedrohung in Gestalt eines Hünenkriegers mit Hörnerhelm, 1972 von Comicgott Jack Kirby für die DC-Comic-Reihe "New Gods" erfunden, tritt im Superheldenfilm "Justice League" mit viel CGI-Brimborium und Getöse auf den Plan, um die Erde endlich einer vor Äonen bestimmten Apokalypse zuzuführen. Die Kreatur lässt einen ebenso kalt wie sein pompöses Untergangsszenario: Ja, gähn, seufz, ist schon in Ordnung: "Everybody knows the war is over/ Everybody knows the good guys lost", klagt auch die norwegische Sängerin Sigrid ganz müde schon über den ersten Szenen des Films. Die Zeilen stammen vom weisen Leonard Cohen.

Aber nein, zumindest im Kino muss die Welt gerettet werden! Noch haben die Guten den Kampf nicht verloren. Oder zumindest sehen sie es noch nicht ein. Batman, von Ben Affleck fast so lakonisch gespielt wie ein Cohen-Song klingt, trommelt ein Heldenteam zusammen, um das Monster zu stoppen: die Amazonengöttin Wonder Woman (Gal Gadot), den Atlantisprinzen Aquaman (Jason Momoa), den quirligen Teenager Flash (Ezra Miller) sowie den durch Alien-Technologie zu neuen Kräften erweckten Cyborg (Ray Fisher). Wer fehlt? Superman natürlich, aber der ist ja tot, weswegen auch so eine Katerstimmung auf Erden herrscht. Das strahlendste und stärkste aller Überwesen (zumindest im DC-Universum), starb in "Batman v Superman".

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"Justice League": Marvelous, diese DC-Helden!

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Nun muss also ausgerechnet Batman, der Nihilist und Einzelgänger, zum Teamplayer werden und die "Justice League" formieren, DCs Pendant zur Heldenriege "Avengers", die Erzkonkurrent Marvel bereits sehr erfolgreich ins Kino gebraucht hat. Von seiner Suche nach Kandidaten und der Einführung der neuen Figuren handelt ein Großteil des Films, der dann, mäßig spannend, im obligatorischen Endkampfbombast mündet.

Es ist schwer, "Justice League" nicht als Himmelfahrtskommando zu betrachten, diesseits wie jenseits der Leinwand. Denn mit Ausnahme des inspirierten und packenden "Wonder Woman"-Films von Regisseurin Patty Jenkins bestachen die Heldenfilme aus dem Hause DC/Warner Bros. bisher vor allem durch Bleiernheit, Pathos-Dröhnen, Überlänge und Hüftsteife. "Justice League", mit 121 Minuten überraschend kurz geraten, ist nun der Abschluss der von Regisseur und Drehbuchautor Zack Snyder entworfenen Trilogie, die mit "Man of Steel" begann und im überfrachteten Düstermurks von "Batman v Superman: Dawn of Justice" ihren vorläufigen Tiefpunkt fand.

Viel auf dem Spiel steht für Warner und DC dabei trotz aller Kosten und Mühen nicht mehr, vielleicht wirkt "Justice League" auch deshalb über weite Strecken wie eine Pflichtübung, die abgearbeitet und auf den Weg gebracht werden muss. Mit dem "Aquaman"-Film von James Wan ("The Conjuring"), dem "Wonder Woman"-Sequel von Jenkins und einem neuen "Batman" von "Planet der Affen"-Regisseur Matt Reeves warten bereits prestigeträchtigere (und interessantere) Projekte auf lukrativen Einsatz.


"Justice League"

USA 2017
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Chris Terrio, Joss Whedon
Darsteller: Ben Affleck, Gal Gadot, Henry Cavill, Ezra Miller, Jason Momoa, Ray Fisher, Ciarán Hinds, Amy Adams, Jeremy Irons, J.K. Simmons, Diane Lane, Billy Crudup
Produktion: Cruel & Unusual Films, Warner Bros., DC Comics, Atlas Entertainment
Verleih: Warner
Länge: 121 Minuten
FSK: ab 12
Start: 16. November 2017



Zudem traf ausgerechnet DC-Vordenker Snyder mitten in der Produktion von "Justice League" ein Schicksalsschlag. Seine 20-jährige Tochter brachte sich im vergangenen März um; Snyder entschied sich, für seine Familie da zu sein. Joss Whedon, der bei Marvel nach zwei "Avengers"-Filmen erschöpft seinen Abschied genommen hatte und für DC nun einen "Batgirl"-Film macht, übernahm die Regie, schrieb Teile des Skripts um und ließ Branchenberichten zufolge bis zu 20 Prozent des Films neu drehen.

Die tragische Wendung erweist sich - makabererweise - als Glücksfall für "Justice League", denn während sich das Doomsday-Dräuen um den erschreckend lächerlichen Steppenwolf in dramaturgischer Langeweile mit einer Schnitzeljagd nach drei sogenannten Mother-Boxen hinzieht, die mit Vernichtungsenergie geladen sind, ist das Zusammenspiel der Helden erstaunlich unterhaltsam. Plötzlich knistert erotische Spannung zwischen Batman und Wonder Woman, gibt es selbstironischen Schabernack, übermütiges Kräftemessen und amüsante Slapstick-Einlagen, vor allem von Flash, dem "Spider-Man" der DC-Heroen.

Gal Gadot, die einzige Frau mit einer Hauptrolle, überzeugt erneut als zwischen Übermut und Verzagtheit zerrissene Wonder Woman und stiehlt fast jede Szene, in der sie zu sehen ist; Jason Momoa (Dothraki-König Drogo in "Game of Thrones") empfiehlt sich für seinen kommenden Soloeinsatz als grobschlächtiger, aber sympathischer Aquaman. Und selbst Henry Cavills Superman (er ist im Film zu sehen, sagen wir so viel), bekommt seine Eindimensionalität ausgetrieben.

"Justice League" - Kino-Trailer ansehen:

Verantwortlich dafür sind Whedons Gespür für Ensembledynamik und gewitzte Dialoge. Dabei entsteht ein seltsames Hybrid im Genre der Superhelden-Blockbuster. Der lähmende Weltschmerz des DC-Kinouniversums wird ein wenig von der anarchischen Leichtfertigkeit der Marvel-Filme durchdrungen. Das lässt den Film nicht weniger klobig wirken, macht ihn aber viel erträglicher als seine Vorgänger, allen voran die missratene "Suicide Squad".

Egal bleibt er trotzdem. Denn als Antwort auf die Frage, die DC und Marvel immer wieder in ihren Übermenschen-Spektakeln stellen, nämlich die, ob die Welt angesichts überdimensionaler Übel solche Superhelden braucht und nach welchen Regeln sie ihre Kräfte walten lassen dürfen, wird im metaphysischen Actiongetriebe von "Justice League" obsolet. Die eine Alibiszene, in der den Helden plötzlich mitten im Armageddon einfällt, dass auch noch mal eben schnell eine Kleinfamilie im Pick-up-Truck vor den Lavaströmen des sich ausbreitenden Bösen bewahrt werden muss, gehört zu den - unfreiwillig - komischsten des ganzen Films.

Das einzige, was diese grotesken Götter mit ihrem Gedöns wirklich retten, everybody knows, ist nicht die Welt, sondern das DC-Universum - in eine vorläufig sichere Kinozukunft.

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