Kannibalenfilm Produzent will Verbot in Karlsruhe anfechten

Die Produktionsfirma des Kannibalenfilms "Rohtenburg" geht mit allen juristischen Mitteln gegen das Verbot des Films in Deutschland vor. Der Anwalt der Firma kündigte an, die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt mit einer Verfassungsbeschwerde anzufechten. Das Urteil sei unhaltbar.


Berlin - Der Anwalt der Produktionsfirma "Atlantic Streamline", Helge Sasse, sagte der "Berliner Morgenpost", die Firma wolle gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main nicht nur in einem Hauptsacheverfahren, sondern auch mit einer Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorgehen. Sasse ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Filmverleihfirma Senator Entertainment AG.

Das Gericht hatte gestern wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte des "Kannibalen von Rotenburg", Armin Meiwes, ein Aufführungsverbot für den Film verhängt. Senator rechnet dem Bericht zufolge mit einem Gewinnausfall von bis zu einer Million Euro. Aus Sicht der Senator AG sei die Entscheidung der Frankfurter Richter völlig unhaltbar, sagte Sasse, der demnach davon ausgeht, dass der Film doch noch in Deutschland gezeigt werden kann. "Sollte ein Gericht wirklich endgültig entscheiden, dass 'Rohtenburg' die Persönlichkeitsrechte von Herrn Meiwes verletzt und der Film deshalb in Deutschland endgültig in der Schublade verschwinden muss, müsste der Produzent und nicht der Verleih den Schaden tragen", sagte Sasse.

Die Entlassung der Senator aus der Insolvenz am 31. März wegen des Filmverbots sei nicht in Gefahr, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Rolf Rattunde der Zeitung zufolge. "Senator ist der Verleiher und hat sich gegen ein solches Risiko abgesichert", betonte der Sprecher. In solchen Fällen gebe es einen Ausgleichsanspruch gegenüber dem Produzenten.

Meiwes hatte 2001 einen Bekannten mit dessen Einverständnis im nordhessischen Rotenburg getötet, zerlegt und weitgehend aufgegessen. Nach Überzeugung des Gerichts beruht der Psychothriller auf der Grundlage wesentlicher Lebensbilder und Persönlichkeitsmerkmale von Meiwes. Der Film mit dem Hollywood-Schauspieler Thomas Kretschmann in der Hauptrolle sollte am 9. März in den Kinos anlaufen.

ffr/reuters/AP/ddp



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