Katastrophen-Horror "The Crazies" Zombies im Popcorn-Look

Irgendwas mit Vietnam: "The Crazies", ein kruder Billig-Horrorfilm über wild gewordene Seuchenopfer, gilt heute als Genreklassiker mit sozialkritischer Relevanz. Auf die beruft sich nun auch ein Remake - und legt noch etwas Gefühlsduseligkeit oben drauf.

ddp images/Kinowelt

Von Andreas Banaski


Ein US-Militärflugzeug stürzt in der amerikanischen Provinz ab, an Bord ein biologischer Kampfstoff, der ins Grundwasser einer Kleinstadt sickert. Die kontaminierte Bevölkerung dreht durch, die Regierung verhängt den Ausnahmezustand, Streitkräfte rücken an und treiben das Volk zusammen. Am Ende stehen Bürgerkrieg und verbrannte Erde.

Laut Zombie-Erneuerer George A. Romero, der diese Geschichte 1973 unbehauen wie einen Studentenfilm inszenierte, "handelt 'The Crazies' von Vietnam". So was sagt man gerne, um den Trash, den man in jungen Jahren runtergedreht hat, nachträglich aufzuwerten. Hier passt es aber. Die Filmhelden, zwei Feuerwehrmänner auf der Flucht vor dem Militär, sind Veteranen eines Krieges, der Amerika zum Hals raushängt. Und an der zweiten, der Heimatfront, steht der innere Feind gegen das Establishment: Die durchgeknallt kichernden "Crazies" wirken wie zugedrogte Gegenkultur- und Aussteigertypen und ihr Irrsinn wie ein Happening, das aus den Fugen geraten ist.

So eine wahnwitzige Lässigkeit in Form und Inhalt hat die Neuauflage nicht zu bieten. Das Remake folgt der Originalgeschichte recht genau, allerdings lediglich aus der Perspektive der Geschädigten. Romero hingegen bot zusätzlich einen unbeholfen spröden Blick in die Schaltzentralen der Macht - und entging so der privaten Beziehungsduseligkeit, die das Remake durchzieht.

Mordgier, wo sie hingehört

Denn "soziale Relevanz" ist zwar das Firmenmotto des Co-Produzenten Participant, deren Chef sagt aber auch, manchmal müsse man eben "die Medizin im Popcorn verstecken". Die Medizin, das ernste Anliegen von Participant, die sonst vorwiegend Aufklärungsdokus wie "Eine unbequeme Wahrheit" mit Al Gore produzieren, sind Umweltzerstörung, soziale Erosion oder das Irak-Trauma als Vietnam-Analogie. Und das Popcorn ist die gute alte Mordgier, die da ausbricht, wo sie hingehört, im Herzland amerikanischer Werte.

Deshalb verlässt sich Regisseur Breck Eisner - ein braver Handwerker, der demnächst "Flash Gordon" und das Remake von John Carpenters "Escape from New York" drehen darf - nach uninspiriertem Beginn auf ein Potpourri beliebter Grusel- und Amokläufer-Effekte. Die spult er immerhin effektiv ab.

Und was hält Romero nun von der Neuverfilmung? Seinen Schmerzensgeld-Credit als "Ausführender Produzent" muss man nicht zu wörtlich nehmen. Er stänkerte, die Produzenten hätten seinen Film nicht richtig kapiert. "Im Original weißt du nie, wer eigentlich der Böse ist, wer die 'Crazies' sind." Im Remake stehe den Verrückten dagegen die Enthemmung mordlüsterner Zombies ins Gesicht geschrieben. Dass der Neuaufguss in den USA dennoch kommerziell wesentlich erfolgreicher war als sein Original, "pisst mich schon ein klein wenig an".


"The Crazies". Start: 27.5. Regie: Breck Eisner. Mit Timothy Olyphant, Radha Mitchell.



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noyse33 27.05.2010
1. im aktuellen Spiegel
hört sich die kritik unter Kino in Kürze aber ganz anders an. Dort wird der Film eigentlich empfohlen. na ja diese Diskrepanz kennt man ja aus Kulturspiegel vs. Spiegel: wenn in dem einen ein Film hochgelobt wird kann es schon sein dass im Spiegel derselbe Film "fertig gemacht" wird. Ich weiss unterschiedliche Autoren blablubb ;) Merkwürdig ist es trotzdem.
Peter Werner 27.05.2010
2. .
Ich halte das Original für sehr gelungen; das Remake werde ich mir wohl auch anschauen (sofern es denn irgendwo wohnortnah laufen sollte). Gemäß www.schnittberichte.com soll es uncut laufen (Zensurruinen sehe ich mir aus Prinzip nicht an); ebenso überwiegen die positiven Kritiken deutlich.
faustjucken_de 27.05.2010
3. .
Zitat von noyse33hört sich die kritik unter Kino in Kürze aber ganz anders an. Dort wird der Film eigentlich empfohlen. na ja diese Diskrepanz kennt man ja aus Kulturspiegel vs. Spiegel: wenn in dem einen ein Film hochgelobt wird kann es schon sein dass im Spiegel derselbe Film "fertig gemacht" wird. Ich weiss unterschiedliche Autoren blablubb ;) Merkwürdig ist es trotzdem.
das selbe habe ich beim Lesen auch gedacht. Also, taugt der Film jetzt oder nicht?
lalale 27.05.2010
4. äähhh
taugt der film jetzt oder nicht? gute frage... wird jeder für sich erst zufriedenstellend beantworten wenn er/sie den film selbst gesehen hat, oder? ansonsten ist es eh nur die subjektive ansicht des autors...
FastFertig, 27.05.2010
5. Das schöne an Zombie Filmen
Das schöne an Zombie Filmen ist, dass am Ende alle tot sind. Es also praktisch keinen 2. Teil mehr geben kann, da alle 2. Teile bekanntermassen nicht mehr so gut sind. Ja, auch Avatar 2 wird nicht mehr so gut sein. Und nicht mehr neu sind auch "die Crazies". Da sehe ich dann also keinen neuen Zombiefilm, sondern einen Film mit bekannter Handlung nur mit neuen Bildern. So wie Dawn of the Dead. Das Remake war wie ein zweiter Teil, einfach schlechter als das Original, nur dass man sich auch noch die Mühe gespart hat die Handlung fortzuspinnen und mir statt dessen das gleiche nochmal anders präsentiert. Und dann lese ich auch noch, dass ich mich auf Flash Gordon und die Klapperschlange freuen darf. Also statt langweiligen zweiten Teilen, bekomme ich neuerdings immer und immer wieder die gleichen Filme mit der gleichen Handlung vorgesetzt. Irgendwie begann das mit King Kong. Hallo? Wann kommt das Remake vom Murmeltier, indem jemand ins Kino geht und immer den gleichen Film zu sehen bekommt? Seit Weihnachten läuft durch die Bank nur uninspirierter Dreck im Kino. Und jetzt erfahre ich, dass es nicht besser wird. Das ist so frustierend.
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