Zur Ausgabe
Artikel 66 / 75
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kelvin Redvers Ansichtssache

aus DER SPIEGEL 23/2022
Foto:

Kelvin Redvers

Eigentlich wollte er nur den neuen Film von Valeria Bruni Tedeschi »Les Amandiers« bei der Premiere in Cannes sehen. Aber dann wurde der kanadische Filmproduzent Kelvin Redvers, 35, vom Sicherheitspersonal abgehalten, den berühmten roten Teppich zu betreten. Er dürfe zurückkommen, wenn er normale Schuhe anziehen würde. So berichtet es der indigene Redvers, der für das Festival seinen Smoking mit traditionellen Mokassins gepaart hatte. »Ich wollte etwas tragen, das in meiner Kultur als formell gilt, nämlich ein wunderschönes Paar Mokassins, das von meiner Schwester mit Perlen bestickt wurde«, sagte der Produzent dem Branchenmagazin »Variety«. Notgedrungen wechselte er die Schuhe. Diese Episode reiht sich in eine lange Geschichte des Filmfestivals ein, in der Menschen aufgrund ihrer Schuh- oder Kleiderwahl am roten Teppich abgewiesen wurden. So hält sich für Frauen hartnäckig eine High-Heel-Regel. Aus Protest dagegen zog Schauspielerin Kristen Stewart 2018 ihre Pumps aus und lief barfuß die berühmte Treppe zum Festivalpalast hinauf. Auf den Einladungen wird zwar um einen formellen Dresscode gebeten, was das genau bedeutet, bleibt dabei aber offenbar Ansichtssache. »Hätte ich die komplette traditionelle Kleidung getragen, hätten sie mich durchgelassen. Das ist interessant, weil diese Idee der formellen Kleidung auf eine vorgefasste – und westliche – Vorstellung beschränkt ist«, sagte Redvers. Einen Tag später versuchte er erneut, mit Mokassins Einlass zu erhalten. Diesmal mit Erfolg: Das Personal ließ ihn den roten Teppich abschreiten.

ipp
Zur Ausgabe
Artikel 66 / 75
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.