"Kick It Like Beckham!" Multikulturelles Dribbling

Amüsant, aber nicht der Kick: Gurinder Chadhas Fußballkomödie "Kick It Like Beckham" dribbelt zwischen Adoleszenzdrama und interkultureller Comedy hin und her.
Von Daniel Haas

"Bend It Like Beckham" heißt der Film im Original, und "to bend", englisch für biegen, bezieht sich auf die Spielkunst von Englands beliebtestem Fußballsuperstar David Beckham und seine Fähigkeit, dem Ball einen faszinierenden, jedes Hindernis überwindenden Drive zu geben.

Die Metapher macht Sinn in einem Film der von Fußball handelt und vom Zusammenspiel zweier Kulturen: der der angelsächsischen und der indischen. Sie sind nicht immer teamfähig, die beiden Gruppen, auch wenn sie in derselben Gesellschaft zu Hause sind. Man braucht viel Sportsgeist und die Kraft, den persönlichen Spielraum auszudehnen, wenn man wie die Inderin Jess (Parminder Nagra) in England aufwächst und Fußballstar werden will.

Sie kickt wie ein angehender Profi, diese 17-Jährige; im Park, beim Spiel mit ihren Kumpels, dribbelt sie den Jungs davon. Kein Wunder also, dass Jules (Keira Knightley) sich für sie begeistert: Die ebenfalls 17-Jährige spielt in einer Damenfußballmannschaft, trainiert von Ex-Profi Joe (Jonathan Rhys Meyers). Ein kickendes Mädchen kommt für die traditionell lebende Familie von Jess aber natürlich nicht in Frage, zumal ihre ältere Schwester bald heiraten soll. Was sollen die Schwiegereltern über so eine Verwandte denken?

Im Feld der Adoleszenz und ihrer Konflikte sind damit Spieler und Gegenspieler aufgestellt: Hier die konservativen Eltern, um Ruf und Tradition besorgt. Dort die aufmüpfige Tochter mit einem Lebenstraum - zu spielen wie Meister Beckham selbst. Gemäß der Logik solcher Auseinandersetzungen gibt es Konfrontation, Rebellion und Entzweiung, schließlich Versöhnung und Happy End. Regisseurin Gurinder Chadha hat mit viel Verve dieses Match der Generationen und Kulturen bebildert und lässt ihre Heldin durch zahlreiche kleine und große Krisen stürmen.

Über dem thematisch ergiebigen Kontrast von englischer und indischer Mittelschicht verliert sich "Kick It Like Beckham" jedoch gegen Ende in gefälligen Gags und inszenatorischen Routinen. Wie jedes Fußballmatch braucht auch ein Film ein Mindestmaß an strategischer Innovation. "Kick It..." verlässt sich hingegen ganz auf die Manöver der Kömödie und verspielt sein Potenzial auf kritischere, differenzierte Töne.

Vor allem in der Zeichnung von Jess' und Jules' Familien disqualifiziert der Film sein eigenes Projekt: Zu skurril, zu komisch sind diese weißen und indischen Eltern, als dass man sie als Gegenspieler auf Dauer ernst zu nehmen hätte. Wo der ethnische Background jedoch nur noch als Kolorit fungiert, der kulturelle Habitus zur klamaukigen Staffage gerät, verlässt das Interesse an den Figuren und ihrem Drama den Platz.

Dieses inszenatorische Eigentor wiegt nur deshalb nicht so schwer, weil Hauptdarstellerin Parminder Nagra mit viel Elan und Ausdauer ihren Charakter immer wieder nach vorne spielt. Auch in einem dramaturgisch mäßigen Film kann man sich gekonnt bewegen - man muss es nur hinbiegen wie Beckham.

"Kick It Like Beckham!" ("Bend It Like Beckham!"). Regie: Gurinder Chadha. Buch: Paul Mayeda Berges, Guljit Bindra, Gurinder Chadha. Darsteller: Parminder Nagra, Keira Knightley, Jonathan Rhys-Meyers, Anupam Kher, Archie Panjabi, Frank Harper, Juliet Stevenson. Produktion: Road Movies, Kintop Pictures, Bend It Films, Roc Media. Verleih: Highlight. Länge: 112 Min.; Start: 3.10.2002

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