Kino 2011 Diese Filme müssen Sie gesehen haben!

4. Teil: Meth-Mafia in Missouri


"Winter's Bone" von Debra Granik

Von Jörg Schöning

"Winter's Bone" (mit Jennifer Lawrence, l.): Garderobe aus lokalen Kleiderschränken
Ascot Elite

"Winter's Bone" (mit Jennifer Lawrence, l.): Garderobe aus lokalen Kleiderschränken

Ree ist gerade mal 17. Ihre Geschwister sind jünger, zwölf und sechs. Trotzdem bringt das Mädchen den beiden das Schießen bei. Mit einer doppelläufigen Flinte legen sie nicht nur auf leere Bierflaschen an. Auch Eichhörnchen müssen dran glauben. "Ich bringe ihnen bei, zu überleben", sagt Ree dazu nur.

"Winter's Bone" spielt in Missouri, das man zuletzt wohl auf der Leinwand sah, als John Wayne Rinder dorthin trieb. Inzwischen wird hier Crystal Meth gekocht, ein ganz übler, gefährlicher Stoff. Ree ist darüber der Vater abhanden gekommen. Zu einem Gerichtstermin ist er nicht erschienen. Nun droht die Kaution zu verfallen, für die aber hat er das Haus verpfändet. Taucht er binnen sieben Tagen nicht auf, haben Ree und die Kinder kein Dach mehr über dem Kopf.

Ist der Vater getürmt oder tot? Das möchte Ree von den Nachbarn erfahren, Kleinbauern und Tagelöhnern, die wie ihr Vater Drogengeschäfte am Laufen haben. Mit den meisten von ihnen ist Ree verwandt. Ihre Vorfahren haben sich noch mit Schwarzbrennerei über Wasser gehalten, Meth zu kochen aber ist ein Kapitalverbrechen. Und so gibt es in diesen Familien mafiöse Strukturen - und vor allem ein striktes Schweigegebot. Will Ree ihre Geschwister am Leben erhalten, muss sie es brechen.

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Meisterwerk "Winter's Bone": Nur das Banjo spendet Hoffnung
Dass die Geschichte der zu allem entschlossenen Tochter, die ihrem Vater schließlich näher kommt, als ihr lieb sein kann, so restlos überzeugte, ist Folge einer unbedingten filmischen Authentizität. Immer wieder habe sie sich mit den Einheimischen beraten, hat die Regisseurin Debra Granik berichtet. Folk-Sänger und Geschichtenerzähler gehörten ebenso dazu wie Volkskundler und Drogenberater. Was die Schauspieler tragen, stammt aus Kleiderschränken vor Ort. Viele der Mitwirkenden spielen sich selbst. So Marideth Sisco, eine tolle Sängerin aus den Ozarks, die einen langen, ungeschnittenen Auftritt hat. Aber auch Sergeant Russel A. Schalk, ein Rekrutierungsoffizier: Mit schlichten, ganz gewiss schon oft gebrauchten Worten bringt er Ree davon ab, zur Armee gehen zu wollen.

"Winter's Bone" gewann 2010 einen Preis beim Sundance-Festival, lief im Berlinale-Forum - und wäre wohl in der Versenkung verschwunden, hätte man die Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence (die 2012 in der Trilogie "Die Tribute von Panem" ganz groß herauskommen wird) nicht für einen Oscar nominiert. Es wäre ein Jammer gewesen! Denn der Film ist aus dem gleichen Stoff gemacht wie seine großartige Heldin. Sie sei "Bred and buttered", heißt es im Film einmal von ihr: aus echtem Schrot und Korn.

Enttäuschung des Jahres: "Joschka und Herr Fischer" - Kino als Hagiographie, überinszeniert und unkritisch. Schade.

Szene aus "Hell"
Paramount Pictures

Szene aus "Hell"

Entdeckung des Jahres: "Hell" - ein blendendes Debüt: Tim Fehlbaum, Schweizer Absolvent der Filmhochschule München, zeigte mit seinem Klimakatastrophen- und Kannibalen-Thriller, dass Genrekino auch in Deutschland geht. Es soll auch ganz phantastische Kurzfilme von ihm geben.

Eine Augenweide: "Melancholia" - Lars von Trier selbst mochte sich zwar bei einigen Bildern "gefährlich an Fernsehwerbung für Schoko-Pralinen oder ähnliches" erinnert haben, aber am Ende spendeten sie mit ihrer ausgesuchten Schönheit doch den größten Trost. Wenn schon Weltuntergang, dann bitte so.

Eine Frechheit: "Life in a Day" - "Der erste YouTube-Film" und hoffentlich auch der letzte. Man konnte nur Mitleid empfinden für die User, die sich hier zu Deppen machten im Dienst einer globalen Netz-Esoterik. Auch visuell einfach mies. Trash-TV für die Leinwand.

Szenenapplaus: Für den irren Moment, als der Detektiv in Woody Allens Zeitreise-Film "Midnight in Paris" am Königshof von Versailles auftaucht. (Man muss auch mal was zu lachen haben).

insgesamt 17 Beiträge
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berlinspandau 30.12.2011
1.
Tree of Life war für mich einer der stinklangweiligsten Filme des Jahres 2011. Ich frag mich, was die Rezensenten wohl geraucht haben als sie sich den Film angesehen haben.
eifelzweifel 30.12.2011
2. tree of life - nein, aber BULLHEAD
Zitat von berlinspandauTree of Life war für mich einer der stinklangweiligsten Filme des Jahres 2011. Ich frag mich, was die Rezensenten wohl geraucht haben als sie sich den Film angesehen haben.
war der Film wirklich so langweilig, ich kann es leider :-) nicht beurteilen, bin nach ca. 30 Minuten aus dem Kino gegangen. Nach dieser Szene mit dem Babydino habe ich geglaubt, ich bin in einer Neuverfilmung von Bamby. Für mich war BULLHEAD, der erste Film des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskam einer der wichtigen Filme in diesem Jahr. Toller Thriller mit klasse Schauspielern. Lief bei uns leider nur ein paar Tage.
serchingNews 30.12.2011
3. wer schreibt diese Rezension?
ganz einfach aus purem Hass, möchte ich den Verfasser dieses Artikels in eine Kinovorführung von Transformers 1, 2 und 3 schicken. Einfach nur, um diesem Verfasser Schmerzen zuzufügen. Wer sich scheinbar bei Melancholia einen runterholt und daher ihn gleich zweimal in die Liste setzt, gehört für mich geohrfeigt. Ich bin kein Fan von Listen oder "must seen", aber was mir hier geboten wird, grenzt geradezu an ein Pflichtprogramm für alle selbstverliebten Filmkritiker, die sich selbst zur selbsternannten Upperclass zählen. Ich möchte kotzen, wenn ich diese "Kritiken" lese. Das man bei Filmen wie der Harry Potter-Reihe, die Twilight-Reihe oder auch nur mal Kings-Speach die Nase rümpft, gut. Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden. Aber dieser Artikel macht mich wütend. Sehr geehrter Autor: Schauen Sie bitte die Filme, die Sie sehen möchten. Aber lassen Sie uns mit Ihren Meinungen bitte in Ruhe. Danke
kroetilein 30.12.2011
4. Einigkeit und Kunstverstand
Zitat von sysopPolizisten am Rande des Nervenzusammenbruchs, Überlebenskämpfe im Knast und im US-Niemandsland, Klone auf der Suche nach*ihrem wahren Ich*- solche Geschichten erzählt nur das Kino? Stimmt. Die Lieblingsfilme der SPIEGEL-ONLINE-Kritiker, Teil zwei! http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,806076,00.html
Geschmäcker sind verschieden? Die der Herren Kritiker (weibliche Rezensenten scheint's beim SPON nicht zu geben, oder sie werden nicht befragt) sind so verschieden nicht. Eigentlich herrscht, im Gegenteil, eine wonnige Einigkeit der Filmkunstsachverständigen. Vielleicht sollten sie sich einfach in einem angenehmen Gespräch ihre Meinungen gegenseitig bestätigen. Wir gucken uns inzwischen den Popcorn-Schund an.
Grestorn 30.12.2011
5.
Zitat von serchingNewsganz einfach aus purem Hass, möchte ich den Verfasser dieses Artikels in eine Kinovorführung von Transformers 1, 2 und 3 schicken. Einfach nur, um diesem Verfasser Schmerzen zuzufügen. Wer sich scheinbar bei Melancholia einen runterholt und daher ihn gleich zweimal in die Liste setzt, gehört für mich geohrfeigt. Ich bin kein Fan von Listen oder "must seen", aber was mir hier geboten wird, grenzt geradezu an ein Pflichtprogramm für alle selbstverliebten Filmkritiker, die sich selbst zur selbsternannten Upperclass zählen. Ich möchte kotzen, wenn ich diese "Kritiken" lese. Das man bei Filmen wie der Harry Potter-Reihe, die Twilight-Reihe oder auch nur mal Kings-Speach die Nase rümpft, gut. Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden. Aber dieser Artikel macht mich wütend. Sehr geehrter Autor: Schauen Sie bitte die Filme, die Sie sehen möchten. Aber lassen Sie uns mit Ihren Meinungen bitte in Ruhe. Danke
Es handelt sich um verschiedene Autoren, jede Seite ist von einem eigenen Autor geschrieben. Daher auch die doppelte Nennung eines Films. Eigentlich recht offensichtlich. Grundsätzlich - und das gilt für alle Arten der Rezension - nervt es mich auch, dass auf erfolgreiche Mainstreamfilme generell herabgeblickt wird. Je abgedrehter und anstrengender die Filme sind, desto größer ist die Chance, dass sich ein "seriöser" Rezensent daran aufgeilt, um zu beweisen wie toll alternativ und nicht-mainstream er doch ist.
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