Kino-Rebell Ehren-Oscar für Robert Altman

Späte Ehre für Robert Altman. Der Regisseur, der einst in der Ära des New Hollywood mit den Regeln der Filmindustrie brach - und Rebellen wie Martin Scorsese und Peter Bogdanovich den Weg ebnete, erhält in diesem Jahr den Ehren-Oscar.


Los Angeles - Sieben Mal war Altman, 80, bereits für einen Oscar nominiert, fünf Mal als Regisseur, zwei Mal als Produzent. Bekommen hat er ihn nie, eine dauerhafte Rache der Oscar-Academy an einem Filmemacher, der nie nach den Regeln spielen wollte.

Filmemacher Altman: Ewiger Systemgegner
AP

Filmemacher Altman: Ewiger Systemgegner

1970, als Hollywoods Goldene Ära zu Ende ging und junge Kino-Rebellen nach neuen Stoffen und unorthodoxen Ansätzen suchten, war Altman eigentlich schon ein alter Hase. Seinen ersten Spielfilm hatte der frühere Dokumentarfilmer 1957 gedreht: "The Delinquents" erzählte die Geschichte einer Bande marodierender Jugendlicher, die für Furore sorgte. Altmans Eintrittskarte nach Hollywood. Doch das System konnte den Querdenker nicht vereinnahmen. Zeit seiner Karriere blieb Altman stets ein Independent-Filmer, der mit der Industrie auf Kriegsfuß stand - und auch heute noch steht. 1970 griff er den neuen Kino-Geist von "Easy Rider" und "Bonnie & Clyde" auf, um mit "M.A.S.H" eine bitterböse Satire über den Koreakrieg zu drehen. Ein Jahr später besetzte er den Star des New-Hollywood-Kinos, Warren Beatty, in dem Western "McCabe & Mrs. Miller", der konsequent mit allen Genre-Regeln brach.

So ebnete Altman mit seiner Erfahrung und seinem Renommee den Weg für mutige Regisseure wie Martin Scorsese, Peter Bogdanovich oder Terrence Malick, die sich - nach dem Vorbild der französischen Nouvelle Vague - eher als Autorenfilmer denn als Regisseure sahen. Diese so genannten "maverick directors" veränderten Hollywood innerhalb von zehn Jahren nachhaltig.

Altman blieb aktiv und drehte unterschiedlichste Filme mit durchaus wechselnder Qualität. Zu seinen bekanntesten Spätwerken gehört die Hollywood-Satire "The Player" (1992), der Episodenfilm "Short Cuts" (1993) sowie das amüsante Gesellschaftspanorama "Gosford Park" (2001). Der Vielfilmer Altman führte bei insgesamt 86 Filmen Regie, produzierte weitere 39 und schrieb für 37 Filme die Drehbücher. Oft musste er das Geld für seine unabhängig produzierten Projekte mühsam zusammenkratzen.

Nun soll ihm am 5. März bei der 78. Oscar-Verleihung doch noch die wichtigste Kinotrophäe Hollywoods verliehen werden. Altman bekommt den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk, meldete die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (Ampas) heute. Altman sei "ein Meister des Filmgeschäfts und ihm gebührt die Ehre", sagte Akademie-Präsident Sid Ganis. Mit dem Oscar werde eine Karriere gewürdigt, in der Altman die Filmkunst mehrfach neu erfunden und sowohl Filmemacher als auch Zuschauer immer wieder inspiriert habe, sagte Ganis.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.