Shootingstar Hailee Steinfeld "Liebesszenen sind jedem peinlich"

Oscar-Nominierung mit 14, Traumrolle als Shakespeares Julia mit 16: Hailee Steinfeld startet eine ganz große Kinokarriere. Jetzt ist sie im Science-Fiction-Film "Ender's Game" zu sehen, demnächst in der Klassikerverfilmung "Romeo und Julia" - bei der sie sich für die Intimszenen Mut zusprechen musste.
Shootingstar Hailee Steinfeld: "Liebesszenen sind jedem peinlich"

Shootingstar Hailee Steinfeld: "Liebesszenen sind jedem peinlich"

Foto: © Mario Anzuoni / Reuters/ REUTERS

SPIEGEL ONLINE: Miss Steinfeld, Ihr erster Film war der Western "True Grit", für den Sie eine Oscar-Nominierung erhielten. Jetzt sind Sie in dem Science-Fiction-Film "Ender's Game" zu sehen. Aus der Prärie ins All: Wie spielt es sich vor einer komplett virtuellen Umgebung?

Steinfeld: Bei "True Grit" habe ich gelernt, die für die Zeit spezifischen Kostüme und Requisiten zum Spielen zu benutzen. Und nun gab es plötzlich nichts als diesen riesigen Greenscreen, die anderen Schauspieler und mich selbst. Das war sehr merkwürdig und extrem schwierig, aber es hat auch großen Spaß gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Viele Szenen spielen in einem sogenannten Battle Room, in denen Sie und Ihre Kollegen sich schwerelos Kampfsportduelle liefern müssen. Kommt man sich dabei nicht total albern vor?

Steinfeld: Auch der Battle Room war natürlich nicht real. Wir wurden also an der Hüfte in ein Geschirr geschnallt und an Drähten durch die Gegend gezogen. Das war sehr lustig, aber es gab so viele technische Dinge, die wir beachten mussten - und obendrein musste ich ja auch noch meinen Text behalten. Puh! Es war auf jeden Fall das körperlich Anstrengendste, das ich bisher bei einem Dreh gemacht habe.

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Hailee Steinfeld: Der etwas andere Teenie-Star

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SPIEGEL ONLINE: Auch Ihr nächster Job ist nicht ohne: Sie spielen die Hauptrolle in einer Neuverfilmung der berühmtesten Liebesgeschichte der Welt: "Romeo und Julia". Sie sind 16 Jahre alt, hatten Sie keine Angst vor den Liebesszenen?

Steinfeld: Als ich das Buch zum ersten Mal las, dachte ich viel darüber nach, was für eine unfassbar große Rolle das ist, was ich in bestimmten Szenen würde machen müssen und wie ich mich dazu verhalten würde. Das hat mich schon eingeschüchtert. Ich wusste aber, dass ich mich dazu bringen musste, zu bestimmten Herausforderungen sagen zu können: Du schaffst das!

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Steinfeld: Viele Szenen sind sehr intim. Nicht nur zwischen Romeo und Julia, sondern zum Beispiel auch zwischen Julia und ihrem Vater.

SPIEGEL ONLINE: In den USA ist "Romeo & Juliet" gerade angelaufen, gedreht haben Sie den Film aber bereits vor einem Jahr, Sie waren also sogar noch jünger als jetzt.

Steinfeld: Ja, ich war gerade 15. Aber ich hatte zum Glück eine Menge Leute um mich herum, die mir über meine Verlegenheit hinweggeholfen haben. Es sind ja nicht nur die Liebesszenen, bei denen man sich geniert. Ich denke bei jeder intensiven Szene: Okay, das ist jetzt peinlich. Dann schaue ich, wie sich die anderen verhalten - und stelle fest, dass es jedem so geht, egal wie alt. Das beruhigt mich.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie sich Ihren Romeo selbst aussuchen durften?

Steinfeld: Ganz so war es nicht, aber meine Meinung hatte Gewicht bei der Auswahl. Damit die Geschichte von Romeo und Julia funktioniert, muss ich einen Draht zu meinem Romeo habe.

SPIEGEL ONLINE: Die Rolle ging an den noch recht unbekannten Briten Douglas Booth. Hätten Sie nicht lieber einen bekannten Teenieschwarm wie Robert Pattinson gehabt?

Steinfeld: Hihi, nein! Ich glaube, wir haben da schon den Richtigen ausgesucht. Es ist ein wundervoller Film geworden, und ich hoffe, dass meine Generation ihn als ihren annimmt.

SPIEGEL ONLINE: Baz Luhrmanns sehr moderne Verfilmung von "Romeo und Julia" kam in Ihrem Geburtsjahr 1996 in die Kinos. Ihr Film ist, wie man hört, sehr traditionell und folgt in Sprache und Setting treu dem Shakespeare-Original. Ist das einem eher konservativen Zeitgeist geschuldet?

Steinfeld: Ich finde unseren Film nicht weniger radikal als Baz Luhrmanns Version, das ist ja das Schöne an Shakespeares Geschichte, dass sie in jeder Zeit relevant ist.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Steinfeld: Einige Themen des Films sind universell, auch wenn es heute vielleicht weniger Situationen gibt, die derart extrem sind. Aber es gibt immer noch arrangierte Ehen. Oder was ist, wenn deine Eltern deinen Freund nicht mögen, weil er aus dem falschen Stadtteil kommt oder älter ist? Das sind dieselben inneren Konflikte, über die du mit niemanden reden kannst und die du vor deinen Eltern geheim halten musst.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihren Entdeckern, den Coen-Brüdern, die Sie damals für "True Grit" engagiert haben?

Steinfeld: Wir schicken uns E-Mails. Die beiden sind so cool! Ich weiß noch, dass damals jeder zu mir gesagt hat, wie viel Glück ich habe, in einem Coen-Film mitspielen zu dürfen. Ich habe mich dann immer artig bedankt und fand es auch großartig. Begriffen, was für ein großes Glück das wirklich war, habe ich aber erst heute.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie von den Coens für Ihre Schauspielerei gelernt?

Steinfeld: Es war extrem wertvoll, dass sowohl Ethan als auch Joel sich immer die Zeit genommen haben, mir genau zu zeigen, wie sie sich diese oder jene Szene vorgestellt haben. Ich habe unglaublich viel Feedback und Zuspruch von den beiden bekommen. Nichts ist hilfreicher, als dass jemand die Geduld hat, dir zu erklären, was er will, besonders, wenn du noch ganz am Anfang deiner Karriere stehst. Ich schulde ihnen sehr viel.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben die vergangenen beiden Jahre komplett durchgearbeitet, sind Teil der Showbranche geworden, arbeiten auch als Model für Modefirmen. Schaffen Sie es, nebenbei trotzdem noch eine ganz normale 16-Jährige zu sein?

Steinfeld: Ich habe im Moment eine ganz gute Balance gefunden zwischen dem ganzen verrückten Kram, wie um die Welt zu reisen und Stars zu treffen, und Zeit mit meinen Eltern und meinen Freunden zu verbringen. Ich bin sehr gerne zu Hause.

SPIEGEL ONLINE: Und was machen Sie da so?

Steinfeld: In letzter Zeit backe ich sehr gerne. Ich suche mir online Rezepte heraus und fange meistens ganz einfach an, zum Beispiel mit Schoko-Keksen. Und am Ende streue ich die verrücktesten Sachen drauf oder denke mir abgefahrene Verfeinerungen für den Teig aus. Das macht mir großen Spaß. Wahrscheinlich ist es was Therapeutisches.


"Ender's Game" startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.
Für "Romeo & Juliet" gibt es noch keinen deutschen Starttermin.

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