Kinobetreiber unter Druck "Hulk" eröffnet den Preiskampf

Der Muskelprotz "Hulk" wird sich ab Donnerstag nur auf äußerst wenigen deutschen Kinoleinwänden austoben können. Viele große Kinobetreiber verweigern Ang Lees Comicverfilmung den Eintritt. Der Grund: Verleiher United International Pictures macht mit Preiserhöhungen Druck.

Von Susanne Polig


Gedämpfte Vorfreude: Muskelprotz "Hulk" wird ab Donnerstag in vielen Kinos nicht zu sehen sein
Reuters

Gedämpfte Vorfreude: Muskelprotz "Hulk" wird ab Donnerstag in vielen Kinos nicht zu sehen sein

Hamburg - "Wir werden 'Hulk' morgen nicht zeigen", sagte Arne Schmidt, Sprecher der Cinemaxx-Gruppe, am Mittwoch. Damit steht die zweitgrößte deutsche Multiplex-Kette mit ihren 49 Filmtheatern keineswegs allein auf weiter Flur. Auch einige andere große Kinobetreiber, zum Beispiel Kinopolis Deutschland, die Cineplex- und die Union-Gruppe lassen ihre Türen für Ang Lees Comicverfilmung verschlossen.

Für die Vergabe des Monster-Films hat sich Verleiher United International Pictures (UIP) einen besonderen Deal ausgedacht. Die Kinos dürfen "Hulk" zu etwas günstigeren Konditionen zeigen als sonst, wenn sie dafür im Mai nächsten Jahres für den noch in Produktion befindlichen Dracula-Streifen "Van Helsing" einen Leihmietensatz von 55 Prozent zahlen. "Leihmietensatz" bezeichnet den Anteil, den die Kinos pro verkaufter Eintrittskarte an den Verleiher abführen müssen.

Aus der Reihe tanzen kann unter Deutschlands größten Kinobetreibern lediglich Marktführer Cinestar, der Anfang des Jahres die insolvente Ufa geschluckt hatte. In dessen 97 Filmpalästen wird die quietschgrüne Wut ab Donnerstag toben. "Wir konnten uns mit der UIP einigen", sagte Pressereferentin Katrin Pehle.

Offene Türen für Preiserhöhungen vermeiden

"Ein Leihmietensatz von 55 Prozent sprengt alle Rahmen", erklärt Sprecher Schmidt den Rückzug von Cinemaxx. "Dazu kommt, dass wir 'Van Helsing' schlecht einschätzen können." Eine Erfolgsgarantie gebe es nicht, schließlich sei Dracula nicht Harry Potter.

Cinemaxx-Kino in Würzburg: "Wir werden 'Hulk' morgen nicht zeigen"
DPA

Cinemaxx-Kino in Würzburg: "Wir werden 'Hulk' morgen nicht zeigen"

Im Moment liegt der Höchstmietsatz für Spitzenfilme bei einem Anteil von 53,5 Prozent pro verkaufter Eintrittskarte. Für weniger populäre Filme zahlt Cinemaxx Schmidt zufolge 49 Prozent - "wenn wir Glück haben." Die Cinemaxx-Kette und ihre Mit-Verweigerer fürchten, dass preislichen Höhenflügen nach einer Unterzeichung des UIP-Deals keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Der dritte Teil der "Herr der Ringe"-Saga zum Beispiel, der im Dezember in die Kinos kommen soll, könnte dann Gefahr laufen, zum kostspieligen Vergnügen zu werden. Wenn sie jetzt den 55-Prozent-Satz an UIP zahlen, könnten die Kino-Betreiber dem "Herr der Ringe"-Verleiher Warner unmöglich einen genauso hohen Leihmietensatz verweigern, glaubt Schmidt.

UIP bewahrt Stillschweigen

Warum Filmverleiher UIP sein Preissystem unbedingt umkrempeln will, darüber möchte die Geschäftsleitung auch einen Tag vor der geplanten "Hulk"-Premiere keine Auskunft geben. "Wir stehen noch in Verhandlungen. Vor Abschluss des Prozesses geben wir keinen Kommentar ab", hieß es.

Zwar hatte "Hulk" in den USA an seinem ersten Wochenende mit einem Umsatz von 62,1 Millionen Dollar einen beeindruckenden Start hingelegt, doch nur eine Woche später sanken die Einnahmen aus dem vermeintlichen Kassenschlager um 70 Prozent. Für deutsche Kinos ist die grüne Kreatur also eine wackelige Investition. Und selbst wenn der Film erfolgreich sein sollte: "Künftige Höchstsätze von 55 Prozent machen auch mögliche 'Hulk'-Einnahmen nicht wett", sagt Schmidt.

Invasion der Spitzenfilme

"Jeder Cent mehr tut weh", erklärt der Sprecher. Bei höheren Kosten sähe sich die Kinokette gezwungen, ihre Eintrittspreise noch weiter zu erhöhen. "Wir wollen unseren Kunden das aber nicht zumuten. Die Preise haben jetzt schon eine Grenze erreicht, die wir nicht überschreiten wollen."

Ende der neunziger Jahre hatte es schon einmal eine Diskussion über eine Preiserhöhung für Spitzenfilme gegeben, die damals auch durchgesetzt wurde. Laut Schmidt liegt das Kosten-Problem zusätzlich darin, dass es damals "zwei bis drei, vielleicht vier Spitzenfilme pro Jahr gegeben hat. Heute sind es 60 bis 80." Auch darüber, welche Kriterien einen Film bei UIP zum Spitzenfilm machen, hüllt sich die Geschäftsleitung in Schweigen.



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