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Komödie "3faltig": Zwischen Erotikclub und Apocalypse

Foto: MR-Film / Petro Domenigg

Kinoklamauk "3faltig" Auf unterem Falco-Niveau

Totgeglaubte blödeln länger: Die Witze in der Weltuntergangskomödie "3faltig" mit Christian Tramitz und Matthias Schweighöfer sind so alt, dass sie fast schon wieder Museumswert haben. Nur verständlich, dass man das Werk aus dem Weihnachtsgeschäft gezogen hat.
Von Andreas Banaski

Hage (verkniffen: Christian Tramitz) ist gefrustet. Der menschgewordene Heilige Geist wandelt schon seit mehr als 2000 Jahren auf Erden, hat es aber auf keinen grünen Zweig gebracht. Sein Handel mit klerikalen Fanartikeln wie Bewegungsmeldern in Mariengestalt oder "Bloody Mary", der Blut weinenden Mutter Gottes, läuft auch im alpenländischen Weihnachtsgeschäft nicht recht. Seine letzte Hoffnung: Silvester will er im Erotikclub seines Kumpels Friedl (cholerisch: Roland Düringer) als Musicalheld abheben.

Matthias Schweighöfer

Doch auch der Herrgott (schweigsam: Michael Schweighöfer) ist ungehalten. Darüber, dass sich seine Schöpfung als Fehlplanung rausgestellt hat. Also will er reinen Tisch machen und schickt Hage am Heiligabend Christl, seinen Sohn (staunend: , auch im wirklichen Leben Sohn von Michael), auf den Hals, um die Apokalypse zu verkünden. Uraufführung: ebenfalls Silvester.

Bei so einer Interessenkollision bleiben natürlich humoristische Verwicklungen nicht aus. Hage spielt sich plötzlich zum Advokat der Menschheit auf, doch der alte Rauschebart bleibt bockig. Christl soll den "Papa", wie er ihn treuherzig nennt, milde stimmen. Versucht er gerne, denn Gottes Spross, allem Irdischen entwöhnt und von naiver Schlichtheit, ist sofort dem Reiz des Sinnlichen, der Striptänzerin Mona, verfallen. Aber leider fährt er, auch im Straßenverkehr tollpatschig, Hages Hauptdarstellerin aus Versehen tot. Nun haben die beiden göttlichen Tölpel eine Leiche an der Backe, die Christl nach alter Väter Sitte, aber etwas aus der Übung, wiedererwecken soll. Derweil der Nachtlokalbetreiber, seiner Attraktion verlustig, mit der Haushälterin des Heiligen Geistes und osteuropäischen Hupfdohlen... und so weiter und so weiter.

Unvermeidlich wie Weihnachten: der Kurzauftritt von Christian Ulmen

Was wohl als absurde Satire oder wenigstens freche Farce wie beim frühen Mel Brooks angedacht war, ist nach endlosem Hin und Her doch wieder nur piefig geworden. Statt des Irrsinns von Monty Python wird hier schlichter Schmäh auf unterem Falco-Niveau aufgetischt. Der unvermeidliche Christian Ulmen hat einen Kurzauftritt als Hanswurst in der Tradition von Chris Howland oder Eddi Arent. Die Kalauer sind naheliegend: Statt "Jesus Christ Superstar" heißt das Musical eben "Holy Spirit Megastar".

Die österreichisch-deutsche Co-Produktion sollte eigentlich bereits am 25. November starten, hätte die christliche Toleranz in der Adventszeit aber wohl mehr strapaziert als nun in den tollen Tagen des Faschings. Auf Narrenfreiheit bei der Kritik konnte das Werk dennoch nicht hoffen. "Leider nur verschoben. '3faltig' kommt doch noch ins Kino", ätzte critic.de.

Da wollen wir mal barmherzig sein und es mit einem Lob versuchen: Diese krude Mixtur aus "Bullyparade", Ösi-Gespöttel, angestaubtem Studentenulk und Uropas Klamotte, wahrscheinlich eine Folge von Sozialisationsdefekten der Macher Christian Tramitz (geboren 1955, Idee, Co-Drehbuch) und Harald Sicheritz (Ex-Rockmusiker, geboren 1958, Regie, Co-Drehbuch), hat fast schon musealen Wert. Und immerhin: Ganz so läppisch und fade wie die letzten Kinofilme von Tramitz ("Jerry Cotton") und Schweighöfer ("Friendship!") ist "3faltig" dann doch nicht.


3faltig. Regie: Harald Sicheritz. Mit Christian Tramitz, Matthias Schweighöfer, Roland Düringer, Adele Neuhauser, Julia Hartmann. Start: 17.2.