Liebesdrama "Freier Fall" Auch geplatzte Träume können schön sein

In Stephan Lacants Kinodebüt "Freier Fall" verliebt sich ein Polizist und werdender Vater in einen Kollegen. Was wie ein Problemfilm daher kommt, entwickelt eine ungeahnte Leichtigkeit - auch dank der wie befreit aufspielenden drei Hauptdarsteller.
Liebesdrama "Freier Fall": Auch geplatzte Träume können schön sein

Liebesdrama "Freier Fall": Auch geplatzte Träume können schön sein

Foto: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Wenn Marc Borgmann (Hanno Koffler) ein Spießer ist, dann wenigstens ein glücklicher. Er hat einen soliden Job bei der Bereitschaftspolizei, seine Bettina (Katharina Schüttler) erwartet das erste Kind, die Eltern finanzieren die Doppelhaushälfte. In diesem perfekten Leben hat jemand wie Kay Engel (Max Riemelt) keinen Platz. Kay ist ein merkwürdig rebellischer Kollege, den Marc bei einer Fortbildung kennenlernt. Er bietet ihm erst einen Joint an, dann seine Freundschaft und dann sein ganzes Herz. Irgendwann stehen die beiden im Wald und küssen sich. Marc spürt, dass ihm sein Leben entgleitet. Und krallt sich doch daran fest, solange es geht.

Zwei traurige Helden müssen ihre Liebe vor dem heterosexuellen Establishment verbergen - schwule Problemfilme sind etwas aus der Mode gekommen, seit sie 2006 mit "Brokeback Mountain" ihren König gefunden haben und Filmemacher wie Andrew Haigh ("Weekend") und Ira Sachs ("Keep the Lights on") heutzutage für ihre entspannten schwulen Alltagsgeschichten gefeiert werden. Stephan Lacants Spielfilmdebüt "Freier Fall" wirkt da mit seinem schicksalsschwangeren Ansatz fast wie aus der Zeit gefallen.

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Kinostart "Freier Fall": Festkrallen ans alte Leben

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Wackliges Lügengerüst

Verbotene Liebe, heimliche Treffen, eine zunehmend misstrauische Partnerin, homophobe Kollegen, verständnislose Eltern, ein Gerüst aus Lügen, je größer, desto wackeliger - das sind keine neuen, unkonventionellen Themen. Aber sie bieten trotzdem Stoff für eine spannende, sogar bewegende Geschichte, wenn sie so behutsam und ehrlich angegangen werden wie in "Freier Fall". Die große Stärke dieses Films liegt darin, wie wahr die Beziehung von Marc und Kay wirkt; dass ihre Annäherung bei aller Vorsicht und Unsicherheit so zwingend scheint, wie es das Leben eben vorschreibt, wenn man verliebt ist. Und ebenso sehr glaubt man Marc, dass er auch seine Frau liebt, das gemeinsame Kind, sein altes Leben. Er ist so schlecht darin, Bettina zu belügen, als würde er fast mutwillig Hinweise streuen, damit sie ihm endlich auf die Schliche kommt. Aber sie liebt ihn und hat keinen Plan B für eine andere Zukunft. Sie muss ihm seine Lügen glauben, weil sie keine andere Wahl hat.

Man kann nicht genau sagen, ob "Freier Fall" nur so gut ist, weil Hanno Koffler, Max Riemelt und Katharina Schüttler so gut sind, oder ob sich die drei deshalb so spektakulär freispielen können, weil ihnen der Film die Möglichkeit dazu gibt. Fakt ist jedenfalls, dass man Schauspieler selten so sehr in Einklang erlebt, gerade im deutschen Kino, so echt und unangestrengt und unmittelbar.

Problemfilme müssen nicht anstrengend sein, wenn sie mit so viel Leichtigkeit erzählt werden wie dieser. Lacant versucht keine Abhandlung zu "Homosexualität im Polizeimilieu" - vielmehr erzählt er wertfrei, aber liebevoll von drei Menschen, die den unmöglichen Traum vom Glück träumen: Kay wünscht sich nur einen anständigen Freund, Bettina eine heile Familie und Marc alles zusammen. "Freier Fall" lässt ihre Träume platzen. Und hält es trotzdem nicht für ausgeschlossen, dass es sich zu träumen lohnt.


"Freier Fall". Start: 23.5. Regie: Stephan Lacant. Mit Hanno Koffler, Max Riemelt, Katharina Schüttler.

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