Filmstarts der Woche Wohl bekomm’s

Karoline Herfurth legt nach »Wunderschön« die nächste Beziehungskomödie vor, Oscargewinner Alejandro Iñárritu verzweifelt am eigenen Ruhm, anderswo steht Klassenkampf auf dem Menü – das sind die Filmstarts der Woche.
Ulrike Kriener und Karoline Herfurth in »Einfach mal was Schönes«

Ulrike Kriener und Karoline Herfurth in »Einfach mal was Schönes«

Foto: Warner Bros.

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Seit 17. November im Kino:

»Einfach mal was Schönes«

Es kommt nicht oft vor, dass eine Regisseurin in einem Jahr zwei Filme ins Kino bringt, in denen sie auch noch Hauptrollen spielt. Karoline Herfurths Tragikomödie »Wunderschön« wurde schon 2019 gedreht, lief wegen der Pandemie aber erst in diesem Februar an und war ein großer Erfolg. Nun legt die 38-jährige Berlinerin mit »Einfach mal was Schönes« nach. Sie spielt darin eine Radio­moderatorin, die nach vielen Fehlschlägen die Hoffnung, den richtigen Mann zu finden, fast aufgegeben hat. Weil sie aber auf die 40 zugeht, die berühmte biologische Uhr tickt und sie ein Kind will, denkt sie über künstliche Befruchtung nach – was teilweise auf das Unverständnis ihrer Umwelt trifft. Und als wäre das noch nicht genug, läuft ihr ausgerechnet da ein echt netter Kerl (Aaron Altaras) über den Weg, der allerdings über zehn Jahre jünger ist als sie. Das alles stürzt sie in großes Gefühlschaos.

Herfurth, die an den Drehbüchern ihrer Filme immer mitschreibt, erzählt unterhaltsam und zugleich ernsthaft von Frauen und ihren Problemen dabei, in dieser Gesellschaft glücklich zu werden. Die Treffsicherheit, mit der sie Pointen oder Zwischentöne setzt, mit der sie ihr Publikum mal zum Lachen bringt und mal zu Herzen rührt, ist bewundernswert. In »Einfach mal was Schönes« mag der eine oder andere Gag etwas platt geraten sein. Doch die emotionale Tiefe, die sie in einigen Szenen erreicht, ist erstaunlich. Die von ihr verkörperte Figur nervt in ihrer Überdrehtheit zwar manchmal, aber man geht mit ihr durch alle Höhen und Tiefen. Lars-Olav Beier

»Einfach mal was Schönes«, Deutschland 2022. Regie: Karoline Herfurth. Drehbuch: Herfurth, Monika Fäßler, Tim Hebborn. Mit: Herfurth, Jasmin Shakeri, Nora Tschirner, Aaron Altaras, Herbert Knaup. 116 Minuten.

»Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten«

Es ist nicht leicht, ein erfolgreicher alternder Künstlermensch zu sein. Was viele Kinofans bislang wohl eher schulterzuckend geahnt haben, erzählt der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu gründlich und ein bisschen wehleidig am Beispiel eines Fernsehjournalisten. Der wird gespielt von dem hübschen, eitlen Schauspieler Daniel Giménez Cacho (»Zama«). Der grummelige Held verkörpert einen ehemaligen TV-Moderator, der als Dokumentarfilmer gerade einen tollen Preis bekommen hat, zeitweise in Kalifornien lebt und in eine tiefe Lebenskrise stürzt. Die Krise ist als surrealistische Traumreise inszeniert.

Daniel Giménez Cacho in »Bardo«

Daniel Giménez Cacho in »Bardo«

Foto: SeoJu Park / Netflix

Iñárritu hat einst mit »Birdman« (2014) einen Oscar für die beste Regie gewonnen und gleich danach noch einen für »The Revenant«, mit der Hauptfigur von »Bardo« meint er natürlich sich selbst. Der Film ist eine drei Stunden lange autobiografische Abrechnung des 59-jährigen Filmemachers mit sich selbst. Mal verwandelt sich der Held in einen Gnom, der dem längst gestorbenen eigenen Vater gegenübersteht. Mal schiebt er ein als Säugling gestorbenes gemeinsames Kind in den Bauch seiner Ehefrau zurück. So fantastisch dieser Reigen inszeniert ist, so ausufernd und selbstergriffen ist er auch. Und so könnte sich bei den Zuschauerinnen und Zuschauern der Verdacht regen, dass ein Regisseur hier eine Selbsterkundung betreibt, die er auch ganz gut für sich allein betreiben könnte. Wolfgang Höbel

»Bardo«, Mexiko 2022. Regie: Alejandro González Iñárritu. Buch: Nicolás Giacobone, Iñárritu. Mit: Daniel Giménez Cacho, Griselda Siciliani, Ximena Lamadrid. 159 Minuten.

»The Menu«

Wen hassen Sie mehr? Das gesetzte Bildungsbürgertum, das sich was auf seinen guten Geschmack einbildet, aber doch nur konsumiert, was exklusiv und teuer ist? Foodies, die ihr Essen lieber für Instagram fotografieren, als es zu genießen? Tech-Bros, die so viel arbeiten, dass sie in ihren wenigen Minuten Freizeit umso mehr und lauter ihr Geld raushauen? Oder doch eher die Gastrokritikerin, die so von der eigenen Expertise und Weltläufigkeit begeistert ist, dass sie gar nicht mehr offen für das Wesentliche ist – nämlich ob ein Essen sein Geld wert ist oder nicht? Bei Mark Mylods Lifestyle-Satire »The Menu« müssen Sie sich zum Glück nicht entscheiden: Sie können die ganze Bandbreite an Schnöseln und Snobs hassen. Er versammelt sie in einem Drei-Sterne-Lokal auf einer einsamen Insel und setzt sie den Launen von Starkoch Slowik (Ralph Fiennes) aus.

Ralph Fiennes in »The Menu«

Ralph Fiennes in »The Menu«

Foto: Eric Zachanowich / Disney

Worin diese Launen bestehen, inszeniert Mylod, bislang erfolgreich als TV-Regisseur von Serien wie »Succession« , ähnlich wie ein Tasting-Menü: Er fährt lauter kleine Ideen und Überraschungen auf, die jede für sich genommen nicht sättigen, aber in der temporeichen Abfolge viel Spaß machen. Der Schluss gerät Mylod und den Drehbuchautoren Seth Reiss und Will Tracy gesellschaftspolitisch dann nicht so gehaltvoll, wie sie vielleicht meinen. Dafür muss man »The Menu« nicht mühsam verdauen, sondern kann schlicht goutieren, dass das Unterhaltungskino gerade wieder politischer wird und Gesellschaftskonflikte zuspitzt, anstatt sie zu verharmlosen. Hannah Pilarczyk

»The Menu«, USA 2022. Regie: Mark Mylod, Buch: Seth Reiss, Will Tracy. Mit: Anya Taylor-Joy, Ralph Fiennes, Hong Chau, Nicholas Hoult, Janet McTeer. 106 Minuten.

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