Kirchen-Thriller Muslime protestieren gegen "Da Vinci Code"

Kurz vor der Weltpremiere der Bestseller-Verfilmung "The Da Vinci Code – Sakrileg" erhält die Katholische Kirche Unterstützung von ungewohnter Seite: Indische Muslime bezeichnen den Film als Gotteslästerung.

Paris/Mumbai - Boykott-Aufrufe, gerichtliche Schritte, scharfe Kritik: Seit Wochen debattiert die Katholische Kirche darüber, wie sie auf die Verfilmung des Bestsellers "Sakrileg"  reagieren soll.

In einem französischen Radiointerview  erklärte der Präsident des Päpstlichen Rates für Kultur, Kardinal Paul Poupard, nun halbwegs diplomatisch, er habe eigentlich gar nichts gegen den Film. Dennoch sehe er eine große Gefahr: Der Zuschauer könnte meinen, die Geschichte sei authentisch und keine Fiktion. Viele Zuschauer würden das nicht durchschauen.

"The Da Vinci Code - Sakrileg" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dan Brown. Er stellt die These auf, Jesus habe mit Maria Magdalena ein Kind gezeugt, dessen Nachfahren bis heute leben. Die Auflage des Buchs liegt bei über 40 Millionen Exemplaren. Im Film spielen Hollywoodstar Tom Hanks und die französische Schauspielerin Audrey Tautou ("Amélie") die Hauptrollen.

Auf die Frage, ob der Kulturminister einen Boykott des Films wünsche, antwortete der Kardinal: "Solange klar ist, dass das alles nichts mit der Realität zu tun hat und amüsant ist, warum sollte man sich den Film nicht anschauen?"

Er selbst plane nicht, sich den Film anzusehen: "Das Leben ist kurz und ich habe viele Dinge zu erledigen. Viele Freunde haben mir diesen Unsinn bereits beschrieben, daher habe ich keine Zeit dafür."

Kritik an den Medien: Lüsternes Vergnügen

Direkte Kritik richtete der vatikanische Kulturbeauftragte an die Medien: Die Popularität des "Da Vinci Codes" sei ein schockierendes Anzeichen dafür, dass die Medien ein "lüsternes Vergnügen" daran hätten, Werke ohne Wahrheitsgehalt zu hypen. Und zugleich ein Hinweis auf die "Unwissenheit der Massen."

Während sich der Vatikan also allmählich zu beruhigen scheint, regt sich in Indien jetzt religiöser Widerstand gegen den Film, der am Mittwoch bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt wird und Ende der Woche weltweit in den Kinos anläuft. Bisher waren in Indien die Proteste gegen den Film wenig ausprägt. Wenige Tage vor der Premiere haben dort nun mehrere katholische Gruppierungen Demonstrationen gegen die Vorführung des Films angedroht. Am liebsten möchten sie auch die Kinos schließen, in denen der Kirchenthrillergezeigt werden soll.

Ausgerechnet Muslime wollen die Katholiken in Indien bei ihrem Protest unterstützen: Der "Da Vinci Code" sei Gotteslästerung und verbreite Lügen über Jesus Christus. "Der Koran erkennt Jesus als Prophet an. Das Buch beleidigt Christen und Muslime gleichermaßen" sagte Maulana Mansoor Ali Khan, Generalsekretär eines Dachverbands für Muslime in Indien. "Die Muslime in Indien werden ihren christlichen Brüdern im Protest gegen diesen Angriff unseres Glaubens helfen."

Am vergangenen Samstag trafen sich katholische und islamische Führer im indischen Mumbai mit Politikern und der Polizei, um die Veröffentlichung des Films zu unterbinden.

"Wenn die Regierung nichts unternimmt, werden wir unseren eigenen Weg finden, die Vorführung des Films zu verhindern", kündigte Syed Noori an, Präsident der Raza Academy. Die Raza Academy ist eine muslimische Organisation in Mumbai. "Wenn es nötig ist, sind wir auch auf gewaltsame Proteste vorbereitet."

In Indien leben etwa 1,3 Milliarden Menschen, die meisten sind Hindus. Muslime machen Schätzungen zufolge rund 13 Prozent aus, Christen ein bis zwei Prozent.

abr/reuters

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