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Ausbrecherfilm "I Love You, Phillip Morris“: Für immer frei

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Komödie "I Love You, Phillip Morris" Ausbrecherkönig aus Liebe

Epische schwule Liebesgeschichte und überdrehte Gaunerfarce - die US-Komödie "I Love You Phillip Morris" mit Jim Carrey und Ewan McGregor will beides sein und ist keines wirklich.

Manche Menschen machen Sachen, die müssen einfach verfilmt werden. Steven Russell zum Beispiel. Der war einst ein braver US-Kleinstadtbürger, verheiratet und eine Tochter, Polizist sogar, von seinen Adoptiveltern zu konservativen christlichen Werten erzogen. Entschließt sich dann aber doch, seine Homosexualität zu akzeptieren, die Familie zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen.

Freiheit, Spaß und Luxus sind ihm wichtig, und weil das ziemlich teuer ist, fängt er mit kleineren Betrügereien an, die bald so groß werden, dass er im Knast landet. Wo er sich unsterblich in seinen Mithäftling Phillip Morris verliebt, dem er ein ehrliches gemeinsames Leben nach der Entlassung verspricht. Weil das aber auch ziemlich teuer ist, fängt er in der Freiheit als Finanzchef bei einer großen Versicherung an, dazu muss er nur seinen Lebenslauf ein bisschen frisieren. Dass er nebenbei hunderttausende Dollar Firmengeld auf sein Konto abzweigt, merkt lange niemand, irgendwann aber muss er wieder ins Gefängnis.

Ausbrecherkönig aus Liebe

Weil er nicht mehr ohne Phillip Morris leben kann, bricht er aus. Betrügt weiter und bricht wieder aus. Und wieder. Und wieder. Er muss nicht mal Gewalt anwenden, irgendwie schafft er es immer, dass man ihm die Tür aufmacht und er einfach rausspazieren kann. Ein Ausbrecherkönig. Aus Liebe.

Jim Carrey

Der Journalist Steve McVicker hat über diese absurde und sympathische Geschichte ein Buch geschrieben. Dass es jetzt einen Film gibt, ist nur konsequent. John Requa und Glenn Ficcara, die Drehbuchautoren der entzückend respektlosen Weihnachtsfarce "Bad Santa", haben daraus ihr Regiedebüt gemacht - vielversprechend genug - und konnten für die Hauptrollen auch noch zwei Stars verpflichten: als Betrüger zum Liebhaben und Ewan McGregor als Liebhaber. Das weckte Hoffnung auf den ersten großen, schwulen Mainstream-Filmerfolg seit Ang Lees "Brokeback Mountain".

Stattdessen fand "I Love You, Phillip Morris" nach seiner Premiere beim Sundance-Festival im Januar 2009 erst einmal gar keinen Verleih und wurde danach wieder und wieder verschoben. Manch einer interpretierte das als Feigheit angesichts des immer noch einigermaßen brisanten Themas. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass der Film einfach nicht besonders gut ist.

Dabei kann man einige erfreuliche Dinge berichten: Tempo hat das Ganze, auch Charme. Es gibt ein paar überaus witzige Szenen - vor allem immer dann, wenn sich Jim Carrey mit beiläufiger Selbstverständlichkeit gerade wieder mit einer neuen spektakulären Betrügerei oder einem genialen Ausbruchsversuch als Komiker ausleben kann. Jemand, der aus dem Gefängnis entkommt, weil er über Monate hinweg grüne Stifte aus dem Kunstkurs stiehlt, damit sein weißes Gefängnisoutfit in der Zellentoilette zu einem grünen Krankenpfleger-Dress färbt und dann einfach nach draußen geht. Das hat was.

Wer liebt schon eine zappelnde Cartoonfigur?

Doch immer dann, wenn die absurde Ausbrecher-Farce gerade richtig in Gang kommt, schalten die Regisseure um auf romantische Liebesgeschichte. Tief und ehrlich soll das Verhältnis zwischen Russell und Morris dann rüberkommen, aber das klappt nicht, wenn alles andere drumherum zur Karikatur verzerrt ist. Carrey ist souverän als verschlagener Lügner, aber ratlos, wenn es darum geht, die großen Gefühle gegenüber seinem Film-Traummann sichtbar zu machen. Auch in den ruhigen Szenen kann er sich seine Grimassen nicht verkneifen, als flüchte er ins Unbestimmte, wenn es ums Eingemachte geht. McGregor ist deutlich ernsthafter, was es aber auch nicht glaubwürdiger macht, dass er einer zappelnden Cartoonfigur verfallen sein soll.

Es ist ein bisschen so, als erzählten die Regisseure einfach drauf los, statt dem Film einen Rahmen oder eine Struktur zu geben. Hier ein bisschen Abenteuer, da etwas Satire und zwischendurch Herzschmerz. Das wird irgendwann zu einem Brei, der viele Zutaten hat und trotzdem nach nichts schmeckt.