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"Kong: Skull Island": Breitbeinig auf der Monster-Insel

Foto: DDP/ INTERTOPICS/ LMKMEDIA Ltd./ Warner Bros

Actiondesaster "Kong: Skull Island" Mich graust der Affe

Wir haben erst März - doch der schlimmste Film des Kinojahrs 2017 steht schon fest. Hollywoods Riesenaffenklamotte "Kong: Skull Island" ist atemberaubend reaktionärer, menschenverachtender Schrott.

Kürzlich ging ich zur Planung unserer Filmberichterstattung die Starttermine der kommenden Wochen und Monate durch und fand für den 26. Oktober folgende Filme aufgelistet: "Fack ju Göhte 3", "Insidious: Chapter 4", "Thor 3: Ragnarok", "Saw 8: Legacy". Wenn man angesichts dieses Elends nicht den Glauben ans Kino verliert, wann dann?

Andererseits dauert das ständige Fortsetzen, Neuaufsetzen und Weiterspinnen erfolgreicher Filme nun bald ein ganzes Jahrzehnt an und ist damit überhaupt nichts Neues. Genauso gut ließe sich deshalb auch der 9. März zum schlimmsten Tag des Kinojahres ausrufen. An dem Tag kommt nämlich "Kong: Skull Island" in die Kinos, und der zeigt nicht in der Masse, sondern en détail, welchen politisch verkommenen und menschenverachtenden Schrott Hollywood mittlerweile routinemäßig produziert.

"Kong: Skull Island" ist zwölf Jahre nach Peter Jacksons unnötiger, aber immerhin halbwegs charmanter Neuverfilmung "King Kong" die nächste unnötige, nun aber gänzlich uncharmante Variation der Riesenaffen-Erzählung. Diesmal ist sie 1973 angesetzt, kurz nachdem Richard Nixon den Rückzug der amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam angekündigt hat. Ein Geologen-Team unter der Führung von Bill Randa (John Goodman) macht sich das Chaos der politischen Übergangszeit zunutze und ringt den zuständigen Behörden nicht nur Gelder für eine Expedition zu einer bislang unerschlossenen Insel im Südpazifik ab, sondern auch die Unterstützung einiger nun nicht mehr gebrauchter US-Einheiten aus Vietnam.

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"Kong: Skull Island": Breitbeinig auf der Monster-Insel

Foto: DDP/ INTERTOPICS/ LMKMEDIA Ltd./ Warner Bros

Unter dem Schutz von Major Preston Packard (Samuel L. Jackson) stellt Rada noch ein interdisziplinäres Team zusammen, zu dem die Fotoreporterin Mason Weaver (Brie Larson) sowie der Ex-Militär James Conrad (Tom Hiddleston) gehören. Dann geht es auch schon per Helikopter auf zum sturmumtosten Eiland, auf dem - so viel sei verraten - nicht nur ein Monsteraffe, sondern auch Monsterspinnen, -Büffel, -Ameisen und -Echsen hausen.

Gepfählt von einer Monsterspinne

Eine Erzählung ist in dem 190-Millionen-Dollar-Film nicht zu erkennen. Starbesetzung und Retro-Look sind nur dazu da, um vom Ideenbankrott ablenken. Ein Manöver, das bei Franchises dieser Größenordnung üblich und leider immer noch effektiv ist: Wenn Oscar-Gewinnerin Larson, Hiddleston, Jackson und Goodman dabei sind - dann müssen diese Leute doch etwas Neues, etwas Erzählenswertes in dem Projekt gesehen haben, oder? (Siehe auch Cate Blanchett als Bösewichtin in "Thor 3")

Gemäß den erprobten Franchise-Regeln steuert dann noch ein relativ unbekannter Regisseur, der allerdings mit seinem Debütfilm in Sundance begeistert hat, das Versprechen auf "indie sensibilities" bei (dabei wurde der Almost-No-Name Regisseur höchstwahrscheinlich nur angeheuert, weil er ein Viertel von einem Gore Verbinski oder Christopher Nolan kostet). Und irgendwie reicht es dann doch aus, um als Fan von Actionfilmen im nächsten Multiplex Platz zu nehmen und auf etwas mit Herz und Verstand zu hoffen.


"Kong: Skull Island"

USA 2017
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly
Darsteller: Samuel L. Jackson, Brie Larson, Tom Hiddleston, John Goodman, John C. Reilly, Corey Hawkins, Tian Jing
Produktion: Legendary Entertainment, Warner Bros.
Verleih: Warner Bros.
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 118 Minuten
Start: 9. März 2017


Das bisschen Hoffnung wird bei "Kong" aber so vollständig und nachhaltig zunichte gemacht, wie man es schon lang nicht mehr erlebt hat. Das instrumentelle Verhältnis, das der Film zu seinen Stars und zu seinem zeitgeschichtlichen Setting hat, erstreckt sich nämlich auch auf seine Figuren. Von denen schickt er etliche mit, man muss es so nennen, Häme in den Tod.

Als ein Soldat von den Beinen einer Riesenspinne erwischt wird, trifft es ihn nicht irgendwo am Körper, sondern direkt in den Mund, weshalb er wie gepfählt in den Boden gerammt wird. Ein anderes Mal stürzt ein Mann in den Schlund einer Riesenechse, doch bevor er ganz verschwindet, wird schon auf den Mund eines Kollegen geschnitten, der am anderen Ende der Insel nichtsahnend in einen Sandwich beißt. Warum die Filmemacher das tun? Weil sie es können.

Jurassic Park Now

Am schlimmsten ist die Prinzipienlosigkeit der Filmemacher aber, wenn es um die politische Kontextualisierung geht. Vietnamkrieg und Richard Nixon werden in "Kong" als zeithistorische Chiffren den Rocksongs gleichgesetzt, die dauernd auf dem Soundtrack erklingen; mehr als ein "Ach, damals!" soll nichts davon triggern. Auf den Dashboards der Hubschrauber, die sich auf den Weg auf die Insel machen, sind Wackelfiguren von Nixon platziert, die lustig mit dem Kopf wackeln, wenn es in den Sturzflug geht. Und am Boden wird jetzt blaues Gas statt Agent Orange versprüht.

Etliche Motive sind dabei direkt Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" entnommen, immer wieder bildet ein gelber Sonnenball in leuchtend rotem Himmel den Hintergrund, vor dem sich die Hubschrauber abzeichnen. Solche Bilder werden allerdings nahtlos mit "Jurassic Park"-Motiven und generischen Schlachtfeldbildern verbrämt - als würden Abenteuer-, Kriegs- und Antikriegsfilme einen einzigen Bilderfundus bilden, aus dem man sich wahllos bedienen kann.

Alle Widersprüche einer Epoche, ihre Bilder und Gegenbilder gleichzusetzen, ist atemberaubend reaktionär, denn so werden alle politischen Kämpfe und ihre Opfer auf ihr anekdotisches Potenzial reduziert. Man kann sich schon vorstellen, wie in 20 Jahren eine Wackelfigur von Donald Trump in den Hubschraubern von "Kong: Legacy" steht. "Ach, damals!"

Weiße Hotties unter sich

Das heißt aber nicht, dass in "Kong" letztlich alles möglich und offen ist, von wegen. Sexuell wird wie eh und je segregiert: Es rotten sich die "white hotties" Larson und Hiddleston zusammen, während die "ethnic nerds", der Afroamerikaner Corey Hawkins und die Chinesin Tian Jing, einander als Witzfiguren Beistand leisten müssen.

Innerhalb dieser Konstellationen sind die Geschlechterrollen natürlich auch fix: Hiddleston steht auch in größten Gefahrensituationen breitbeinig da - als würde er die Anweisung vom letzten "GQ"-Shooting nicht mehr aus dem Kopf bekommen, dass so seine Hose am vorteilhaftesten überm Hintern spannt. Und Larson kann, so oft sie nur will, ihre Kamera vor sich halten und so tun, als wäre sie rein beruflich hier: Zum Schluss muss sie sich doch in Hiddlestons Arme werfen und ein Tränchen vergießen.

Man könnte meinen, das wäre alles schon grauenhaft genug, doch "Kong: Skull Island" soll zusätzlich noch auf "Godzilla: King of Monsters" hinführen, den siebten Echsenfilm, der fürs Frühjahr 2019 angesetzt ist. Und der soll selber wiederum auf das Monster-Gipfeltreffen "Godzilla vs. Kong" hinführen, das 2020 kommen soll.

Der 9. März ist wirklich der schlimmste Tag des Kinojahres.

Im Video: Der Trailer zu "Kong: Skull Island"

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