Kritiker-Bestechung Bürger verklagen Hollywood-Studios

Lug und Trug in der Traumfabrik: Eine Bürgerinitiative fühlt sich durch die großen Studios betrogen und verklagt zehn große Filmfirmen, darunter Disney und Warner, wegen irreführender Werbung und unlauterem Wettbewerb.


Verklagt: Hollywood-Studio Warner Bros.

Verklagt: Hollywood-Studio Warner Bros.

Los Angeles - Sony, Warner, Disney, DreamWorks, fast alle großen Hollywood-Studios wurden am Montag von der Vereinigung "Bürger für ehrliche Filmreklame" verklagt. Laut "Daily Variety" wird den Filmfirmen in der Sammelklage vorgeworfen, die Öffentlichkeit zu betrügen, indem sie Kritiker dazu verführten, lobend über neue Produktionen zu schreiben.

Die Filmkritiker würden bei aufwendigen Presseterminen und Vorführungen üppig bewirtet, mit Geschenken überhäuft und und in teure Hotels eingeladen, heißt es in der Klage weiter. Später würden die Studios dann die ob der guten Behandlung lobpreisenden Zitate der Journalisten in ihrer Filmwerbung verwenden. Wegen unlauterem Wettbewerb und irreführender Reklame fordern die Kläger Schadenersatz und ein Verbot dieser Werbepraktiken.

Die Einladung der Kritiker zu Pressevorführungen und die Übernahme von Kost und - gegebenenfalls - Logis durch die Studios ist seit Jahrzehnten und nicht nur in den USA Praxis. Bei der Übernahme lobender Zitate einzelner Kritiker in die Filmwerbung scheint allerdings durchaus eine Grauzone entstanden zu sein. Erst kürzlich flog die unglaubliche Reklamestrategie der amerikanischen Sony-Studios auf. Die Hollywood-Bosse hatten wohlwollende Zitate eines Journalisten benutzt, der gar nicht existierte, sondern von Studio-Mitarbeitern frei erfunden worden war.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.