Kultur-Zensur im Libanon Trickfilm zwischen den Fronten

Radikale Islamisten fürchten die Folgen eines Zeichentrickfilms: Im Libanon wird die Oscar-nominierte Comic-Adaption "Persepolis" verboten. Der Film sei "anti-iranisch" und "islamfeindlich". Der Einspruch des Kulturministers gegen die Zensur zeigt, wie zerrissen das Land ist.


Beirut - In der westlichen Welt löste der Film Begeisterungsstürme aus und wurde für einen Oscar nominiert - jetzt ist der Zeichentrickfilm "Persepolis" im Libanon aus den Kinos verbannt worden. Die Regierung im Iran hatte den Film als "islamfeindlich" und "anti-iranisch" bezeichnet und nur eine zensierte Fassung erlaubt.

Selbstportrait der Autorin Marijane Satrapi: Als Kind erlebte sie die Islamische Revolution im Iran.
AFP

Selbstportrait der Autorin Marijane Satrapi: Als Kind erlebte sie die Islamische Revolution im Iran.

Der Kampf um die Entscheidung, den Film zu verbieten, bildet die Zwiespältigkeit ab, die in der Regierung vorherrscht. Seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Émile Lahoud im November vergangenen Jahres besteht ein Machtvakuum. Das Land ist durch pro-westliche und pro-syrische Bewegungen geteilt und gleicht einem Pulverfass. Wegen der Uneinigkeiten der Parteien wurde die Präsidentenwahl im Parlament inzwischen 17 Mal verschoben.

Schuld an dem Verbot von "Persepolis" ist offenbar die radikale pro-syrische Hisbollah-Bewegung. Aus Regierungskreisen im Libanon hieß es, der Chef der Sicherheitsdienste, Wafik Dschissini, stehe der islamistischen Organisation nahe und habe die Zensur veranlasst. Aus seiner Sicht vermittele der Film ein Bild vom heutigen Iran, das schlechter als zu Zeiten des Schahs sei.

Der pro-westliche libanesische Kulturminister Tarik Mitri hat sich für die Meinungsfreiheit ausgesprochen - seiner Ansicht nach gebe es keinen Grund für eine Zensur. Er forderte das Innenministerium auf, das Verbot zurückzunehmen.

Der Film "Persepolis" von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud beruht auf dem gleichnamigen Comic und erzählt von Satrapis Jugend und Kindheit im Iran. Politisches Engagement wurde mit Verfolgung, Gefängnis und Folter bestraft, Frauen mussten Kopftücher tragen, selbstständiges Denken war genauso verboten wie westliches Kulturgut. Ihr Film setzt sich kritisch mit der Zeit unter dem Schah und der Zeit nach der Islamischen Revolution 1979 auseiander. Heute lebt die Autorin in Paris.

sta/AFP



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