Spike Lee zur Gewalt gegen Afroamerikaner In der Schleife des immer gleichen Polizeiterrors

Das Luftabschneiden als einstudierter Gewaltakt: In einem Kurzfilm zum Fall George Floyd zeigt "Malcolm X"-Regisseur Spike Lee den Griff an die Kehle als eiskalte Polizeiroutine.
Regisseur Spike Lee (hier im Januar 2019): Neuer Kurzfilm "3 Brothers"

Regisseur Spike Lee (hier im Januar 2019): Neuer Kurzfilm "3 Brothers"

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ANGELA WEISS/ AFP

2020, 2014, 1989. Minneapolis, Staten Island, Brooklyn. Ein Polizist kniet sich auf den Hals eines Schwarzen. Eine Gruppe von Polizisten würgt einen Schwarzen. Ein Polizist drückt einem Schwarzen seinen Schlagstock an die Kehle. Die Uniformen der Angreifer ändern sich je nach Zeit und Ort, aber die Taten ähneln sich frappierend. Und der Ausgang ist immer derselbe: Das Opfer der Polizeigewalt stirbt.

Zwei der Szenen dieses zurzeit bei Twitter rumgehenden Videos sind real, eine ist fiktional. Die von 2020 zeigt die Tötung von George Floyd in Minneapolis, die von 2014 die von Eric Garner in Staten Island, New York.

Die dritte stammt aus dem Film "Do The Right Thing", den der afroamerikanische Regiestar Spike Lee 1989 in die Kinos gebracht hat. Er handelt von der rassistisch aufgeladenen Stimmung vor einer Pizzeria im New Yorker Stadtteil Brooklyn, die brutal eskaliert. Auch da würgt ein Polizist einen Schwarzen, bis der erstickt.

"3 Brothers" - getötet von weißen Polizisten

Am Sonntag veröffentlichte Lee nun einen Kurzfilm mit dem Titel "3 Brothers". Das Werk war zuerst bei CNN anlässlich einer Sondersendung mit dem Titel "I Can't Breath: Black Men Living and Dying In America" zu sehen gewesen, anschließend verbreitete der Regisseur es über einen Tweet. Lees Schnitt ist so simpel wie bestechend: Immer wieder gehen weiße Beamte ihren schwarzen Opfern wortwörtlich an die Kehle. Eine Schleife des institutionalisierten Terrors.

Lee ist einer der wichtigsten politischen Regisseure der USA. Von "Malcolm X" (1992) bis "BlacKkKlansman" (2018) thematisierte er immer wieder die Geschichte und die Gegenwart des Rassismus in den USA sowie den Widerstand dagegen; seine ästhetischen Strategien sind so radikal wie seine Statements zu den Kampfzonen des Landes.

Erstaunlich, wie er nun für "3 Brothers" in knappen 1:35 Minuten aufs Wesentliche der Polizeigewalt zusteuert: In seiner Montage, bei der er Bilder aus den authentischen Handyfilmen und die inszenierte Gewalt aus seinem hoch erhitzten Nachbarschaftsdrama ineinander verschränkt, wirkt das Luftabwürgen der Polizisten wie ein abgestimmter, eiskalter und vor allem immer gleicher Handlungsakt.

Entlarvend in den von Lee montierten Bildern: Es geht den Sicherheitskräften ganz offensichtlich nicht darum, den Festgenommenen, von dem sie angeben, ihn als Bedrohung zu empfinden, einfach nur festzusetzen - sie wollen ihn ausschalten. In der Unübersichtlichkeit der Handgreiflichkeit, wie sie Lee zeigt, erscheint das Luftabschneiden durch Knie, Arm oder Schlagstock wie eine choreografierte Abfolge von eingeübten Griffen.

Tatsächlich gehört der "neck restraint", die gewaltsame, riskante Fixierung des Halses und des Nackens, offenbar zu einer gängigen Praxis bei amerikanischen Sicherheitskräften. Wie der US-Sender NBC News festgestellt hat , sind dabei allein im US-Bundesstaat Minnesota, in dem Minneapolis liegt, seit 2015 insgesamt 44 Festgenommene bewusstlos geworden, drei Fünftel davon sollen Afroamerikaner gewesen sein. Das Todesrisiko ist also eingepreist, die Opfer sind zumeist schwarz.

Ob sich daran nach dem Tod von George Floyd und den daraus resultierenden Unruhen etwas ändert? "Will History Stop Repeating Itself?", fragt denn auch Spike Lee auf einer Schrifttafel am Anfang von "3 Brothers". So wie wir das Würgen in seinem Film als ewig wiederkehrenden Gewaltakt sehen, braucht es mehr als ein paar warme Worte, um dieses tödliche Kontinuum zu unterbrechen.

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