Hollywood-B-Filme Regisseur Larry Cohen ist tot

Er drehte Blaxploitation-Filme und versuchte sich an Politdramen - vor allem aber machte sich Larry Cohen als Horror-Experte einen Namen. Nun ist der Regisseur und Drehbuchautor gestorben, er wurde 77 Jahre alt.

Szene aus "American Monster" ("Q - The Winged Serpent")
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Szene aus "American Monster" ("Q - The Winged Serpent")


Den " Rainer Werner Fassbinder des Zweitliga-Horrorfilms" nannte ihn Genre-Experte Harald Keller in der "taz" einmal: Larry Cohens rund 50 Jahre lange Karriere in Hollywood und im US-Fernsehen ist nicht unbemerkt geblieben, auch wenn sein Name dem großen Publikum vielleicht eher wenig sagt.

Larry Cohen (1941-2019)
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Larry Cohen (1941-2019)

Der gebürtige New Yorker Cohen arbeitete nach dem Filmstudium zunächst fürs Fernsehen, schrieb Folgen für "The Fugitive" ("Auf der Flucht"), erdachte die Science-Fiction-Serie "The Invaders", die 1970/71 im ZDF unter dem Titel "Invasion von der Wega" lief.

Szene aus "Godfather of Harlem - Der Pate von Harlem" ("Black Caesar")
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Szene aus "Godfather of Harlem - Der Pate von Harlem" ("Black Caesar")

Seinen Einstand als Kinoregisseur gab er 1972 mit "Bone", stärker im Gedächtnis blieben aber sein Blaxploitation-Film "Black Ceasar" ("Der Pate von Harlem", 1973) und der Horrorschocker "It's Alive" ("Die Wiege des Bösen", 1974) um ein mordendes Monsterbaby, zu dem Cohen noch zwei Fortsetzungen schrieb und inszenierte. Über "God Told Me To" (1976) schrieb der "Tagesspiegel", dagegen sei sogar Polanskis "Rosemaries Baby" "nicht mehr als ein handzahmes Stubenkätzchen".

Szene aus "Die Wiege des Bösen"-Fortsetzung "Die Wiege des Satans" ("It's Alive Again")
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Szene aus "Die Wiege des Bösen"-Fortsetzung "Die Wiege des Satans" ("It's Alive Again")

Gerade als Horror-Könner etabliert, drehte Larry Cohen seinen großen Politfilm "The Private Files of J. Edgar Hoover". Der biografische Film über den FBI-Boss war allerdings ein Flop, dessen Wert erst Jahre später anerkannt wurde, so bei einer großen Cohen-Retrospektive bei der Viennale 2010.

Also konzentrierte sich Larry Cohen in der Folge wieder vor allem auf Horrorfilme, drehte Werke wie "Full Moon High" ("Ein Werwolf beißt sich durch", 1981), "Q - The Winged Serpent" ("American Monster", 1982), "Stuff" (1985), "Salem II" (1987) oder "The Ambulance" (1990).

Noch einmal ins Rampenlicht der filminteressierten Öffentlichkeit kam Larry Cohen Anfang der Nullerjahre: Joel Schumacher inszenierte den Thriller "Phone Booth" ("Nicht auflegen!") nach einem Drehbuch, das Cohen 30 Jahre zuvor zu schreiben angefangen hatte - auf Anregung von Alfred Hitchcock, der die Idee geäußert hatte, einen Film komplett in einer Telefonzelle spielen zu lassen. Der Filmstart wurde nach 9/11 und einer realen Sniper-Mordserie in Washington mehrfach verschoben, der Film wurde dann aber 2003 mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle zum kommerziellen Erfolg.

2017 wurde Larry Cohen selbst zur Hauptfigur eines Films: Im Dokumentarfilm "King Cohen" spricht er selbst über seine Karriere, aber auch über Weggefährten wie Martin Scorsese, John Landis oder Fred Williamson. Wie die "Los Angeles Times" und der "Hollywood Reporter" melden, ist Cohen am Samstag in Los Angeles verstorben. Er wurde 77 Jahre alt.

feb

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