Schwarzenegger in "The Last Stand" Er ist zurück - leider

Arnold Schwarzenegger zeigt wieder Muskeln: In "The Last Stand" spielt er seine erste Hauptrolle seit dem Abtritt als Politiker. Dabei macht er eine ziemlich zweifelhafte Figur. Er verbreitet die Botschaft der US-Waffenlobby und miesen Humor.
Schwarzenegger in "The Last Stand": Er ist zurück - leider

Schwarzenegger in "The Last Stand": Er ist zurück - leider

Foto: 20th Century Fox

Ja, so sieht Amerikas Südwesten aus in den Träumen des konservativen US-Establishments - und in den Alpträumen alteuropäischer Gutmenschen: Weite Maisfelder, hingetupfte Provinzkaffs, kerzengerade Straßenschnüre. Hier frühstückt man im Diner auf der Main Street, je fettiger, desto besser, der Kaffee wird dabei gratis nachgeschenkt. Und Arnold Schwarzenegger ist der Sheriff im Ort.

Genau so sieht "The Last Stand" aus. Schwarzenegger wacht als Sheriff Owens über Sommerton, ein Kaff im sonnendurchtränkten Arizona. Er passt auf, dass niemand sein Auto ins Halteverbot stellt und Randalierer wenigstens eine Nacht im Kittchen verbringen. Doch dann geschieht der erste Mord seit Menschengedenken, und Sheriff Owens hat plötzlich das FBI an der Strippe, diese Anzugshülsen aus dem dekadent glitzernden Las Vegas. Das kann kein Zufall sein, folgert er messerscharf.

Alte Helden in Ironie-Kulissen

Wenn man von Gastauftritten für Sylvester Stallone und Simon West in den "Expendables"-Spektakeln absieht, dann markiert "Last Stand" die Rückkehr des womöglich größten Action-Stars der Kinogeschichte in sein angestammtes Genre. Doch Arnies neue Arbeit kann nicht wirklich an die "Terminator"-Reihe oder an ernsthafte Kracher wie "Collateral Damage" anschließen. Kasse macht Hollywood heute mit Hobbits, romantischen Blutsaugern und Comic-Superhelden. Der einsame Rächer mit der Pumpgun ist dagegen ein wandelnder Anachronismus.

Kulturell mag man diese Verlagerung erklären mit der Entdeckung der Verletzlichkeit - und Grausamkeit - im Zuge des 11. September und des "War on Terror". Vielleicht auch mit dem Einzug eines smarten Afroamerikaners ins Weiße Haus, der die Neocons von den Schalthebeln der Macht vertrieben hat. Die harten Männer von früher jedenfalls sind alt geworden. Verschwunden sind sie aber nicht - sie treiben sich nur in mehr (R.E.D.) oder weniger gelungenen (eben der zweite "Expendables"-Film) selbstironischen Plots herum.

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"The Last Stand": Arnie zurück in Action-Land

Foto: 20th Century Fox

Und witzig sein, das kann Schwarzenegger ja eigentlich. Der große Komödien-Handwerker Ivan Reitman hat diese Facette in "Twins" oder "Der Kindergarten-Cop" schon aus ihm heraus gekitzelt, als mancher aus der Zielgruppe von "Last Stand" noch gar nicht geboren war. Der Rückschritt, den der neue Film aber vollzieht, ist die Besinnung auf den verknappten Kommentar, der sich an seiner eigenen scheinbaren Coolness ergötzt. "Willkommen in Sommerton", sagt Schwarzenegger, nachdem er mit einer automatischen Waffe gerade ein Heer von Gangstern niedergemäht hat. Und als er einmal durch eine Scheibe kracht und nach seinem Befinden gefragt wird, fällt ihm nur ein: "Alt".

Die Pinselstriche, mit denen der koreanische Regisseur Kim Jee-woon ("I Saw the Devil") und das Drehbuchteam um Andrew Knauer Handlung und Figuren ausmalen, fallen ohnehin arg dick aus. So dick, dass der Film bisweilen die Grenze zur Selbstparodie überschreitet. Der Bösewicht, ein Drogenboss namens Cortez (Eduardo Noriega), wirkt zum Beispiel ein wenig zu charismatisch, seine Flucht aus den Fängen des FBI ein wenig zu genialisch und sein 1000-PS-Chevy-Prototyp, mit dem er nach Mexiko fliehen will, ein wenig zu fetischistisch, als dass dies alles ernst gemeint sein könnte.

Nimmt der Film sich selbst ernst?

Zwischen Cortez und seiner gelobten Heimat Mexiko steht bald - natürlich - nur noch Sommerton. Und dort wird nicht gezaudert, sondern gehandelt: Ein paar Delinquenten werden im Handumdrehen zu Deputies umfunktioniert, und seine Ausrüstung bezieht das hektisch zusammengestellte Team aus dem Waffenmuseum, mit dem der örtliche "gun nut" (Johnny Knoxville) sein Hobby rechtfertigt. Soll er doch kommen, der Drogen-Bubi!

So verstreut Kim immer wieder komödiantischen Zuckerguss. Der verhindert aber gerade, dass die Geschichte noch einen Rest Charme behält - B-Movies sollten sich ja selbst ernst nehmen, um ironisch goutiert werden zu können. Andererseits stören die humorigen Nadelstiche das große reaktionäre Ganze nicht genug. Man mag schmunzeln über die Omi, die einem Drogendealer in den Rücken schießt, als der sie beim Tee stört. Und vielleicht finden manche den aufdringlich bekloppt gezeichneten Charakter von Johnny Knoxville und dessen Schießprügelnarretei witzig. Solche Schnörkel verhindern aber nicht, dass "Last Stand" über weite Strecken aussieht wie ein Werbefilm für die Waffenlobby NRA - und das, obwohl die deutsche Kinofassung im Vergleich zum Original sogar um einige Sekunden gekürzt wurde, um eine lukrativere Freigabe ab 16 Jahren zu erhalten.

So ist der Film eher als kulturelles Symptom interessant - als halbherziger Versuch einer Distanzierung, der keine Distanzierung ermöglicht. Wie soll man als Zuschauer wissen, ob man einen Film ernst nehmen soll, der das selbst nicht weiß?

Immerhin lässt sich in "Last Stand" ein wirklich großer Schauspieler wiederentdecken: Forest Whitaker, dessen Rollenwahl nach dem Oscar für "Der letzte König von Schottland" ein wenig glücklos ausfiel, spielt hier einen ebenso glücklosen FBI-Agenten, der dem Top-Verbrecher hinterherjagt. Und er tut das wach, klug kombinierend und zugleich hektisch und hilflos, die Stimme hechelt, die Arme fliegen aufgeregt hier hin und dorthin. Ein Verlierer, aber keine Knallcharge. Und gänzlich unironisch.

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