Liebesfilm "The Future" Erklär mir das Leben, Katze!

Eine sprechende Katze? Ein T-Shirt, das kriecht? In ihrem Film "The Future" fährt die Allround-Künstlerin Miranda July allerlei magische Tricks auf. Dabei erzählt sie im Grunde eine einfache Geschichte über ein Paar, das keine Antwort auf die Frage weiß: Wollen wir zusammen alt werden?
Liebesfilm "The Future": Erklär mir das Leben, Katze!

Liebesfilm "The Future": Erklär mir das Leben, Katze!

Foto: Alamode Film

"In fünf Jahren werden wir 40 sein." "40 ist im Grunde doch 50. Und nach 50 ist alles nur noch Klimpergeld." Nicht nur die Protagonisten von Miranda Julys zweiten Spielfilm haben ein eher loses Verhältnis zur Zeit. Auch der Film selbst wird in seinem Verlauf Tage und Jahre durcheinander wirbeln, mal wird die Zeit angehalten werden, mal werden die Jahre wie Staub von den Figuren fallen. Aber dafür heißt er ja auch angemessen großspurig "The Future".

Sechs Jahre ist es her, dass Miranda July mit "Ich und du und alle die wir kennen" ihren Debütfilm vorstellte und sich damit, trotz ihrer diversen anderen Projekte, trotz Büchern, Performances und Videos, sofort als Filmemacherin etablierte - so souverän fügte sie ein disparates Ensemble und einige wilde Geschichten zu einem hinreißenden Film über die Unwahrscheinlichkeiten von Liebe und Begehren zusammen. Selbst eine Episode über einen Siebenjährigen und seine sexuellen Phantasien fügte sich nahtlos ein.

In "The Future" wählt July nun den umgekehrten Weg und nimmt sich einer vermeintlich naheliegenden, sicheren Konstellation an: Im Mittelpunkt steht ein Paar Mitte 30, das nicht weiß, ob es sich ewig aneinander binden kann und will. Wem das als Ausgangssituation zu banal erscheint, kann beruhigt sein: Eine sprechende Katze und ein T-Shirt, das kriechen kann, übernehmen ebenfalls wichtige Rollen.

Schreit! Und streckt die Hände in die Luft!

Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) sind seit vier Jahren ein Paar. Sie teilen sich eine Einzimmerwohnung in L.A., eine Frisur und eine gewisse Schlaffheit, was das Leben betrifft. Er arbeitet lustlos bei einer Technik-Hotline, sie fühlt sich als Tanzlehrerin für Grundschüler unterfordert, aber beide ändern daran nichts. Ihr ehrgeizigstes Projekt ist die Aufnahme einer todkranken Katze aus dem Tierheim, der sie ein paar schöne letzte Wochen bereiten wollen. Doch dann informiert sie die Tierärztin, dass sie noch einen Monat warten müssen, bis sie die Katze mit nach Hause nehmen können.

Ein Monat, bevor die Verantwortung für ein anderes Wesen beginnt: Für Sophie und Jason bringt dieser Termin eine ungekannte Dringlichkeit in ihr Leben. Sie beschließen, bis dahin alles zu tun, was sie schon immer tun wollten. Und plötzlich steht alles auf dem Prüfstand - nicht nur ihre Jobs, sondern auch ihre Liebe.

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"The Future": Alles, was wir nicht voneinander wissen

Foto: Alamode Film

Der Großteil des Drehbuchs von "The Future" basiert auf einer Performance, die Miranda July 2007 aufführte. Diesen Ursprung merkt man dem Film mit all seinen theatralischen Momenten an: Da werden Tänze aufgeführt und Posen eingenommen, Schreie ausgestoßen und Hände zum Himmel gestreckt. In entsättigten Braun- und Gold-Tönen fotografiert, nimmt Kameramann Nikolai von Graevenitz diesen Szenen jedoch das Aufgeregte und fügt sie in eine nachmittäglich-melancholische Grundstimmung ein.

Denn auch wenn in "The Future" viel passiert: Es sind die Momente, in denen Blicke ins Leere gleiten und die Musik von John Brion und Beach House den Raum füllt, die das Gerüst des Films bilden. So hat sich Sophie vorgenommen, in dem Monat, bis die Katze kommt, jeden Tag einen neuen Tanz einzustudieren und Videos davon auf YouTube hochzuladen. Doch schon der erste Tanz will nicht gelingen. Was genau an ihr ist es wert, anderen präsentiert zu werden? Ratlos bleibt sie inmitten ihrer Wohnung stehen, während die Sonne von Los Angeles fahle Strahlen in das Zimmer wirft.

Die Stimmen bleiben leise, die Farben gedeckt

Mit wenigen Worten und Bildern skizziert July so das Dilemma von Mitdreißigern, die sich in ihrem Leben nicht zu Hause fühlen, aber gleichzeitig von der ständigen Arbeit an der eigenen Identität erschöpft sind. Kann ich nicht ein Leben übernehmen, in dem jemand die großen Entscheidungen schon getroffen hat? Nicht zufällig begegnen Sophie und Jason getrennt voneinander jeweils einem älteren Mann, aus dessen Perspektive sie ihr Leben neu beurteilen und schließlich anfangen, Konsequenzen zu ziehen.

So präzise solche Begegnungen auch konstruiert sind und sich magische Momente mit ruhig-assoziativen verweben, fehlt es "The Future" doch an Substanz. Kein Gefühl ist hier groß genug, um nicht mit einem leichten Ausfallschritt umtanzt zu werden. Die Stimmen bleiben leise, die Farben gedeckt. Dabei hat ausgerechnet Julys Ehemann Mike Mills in diesem Jahr mit "Beginners" einen Film gemacht, in dem sich eine schwere und eine leichte Liebesgeschichte so verschränken, dass sie sich gegenseitig stützen.

In "The Future" übernimmt den Part der schweren Liebesgeschichte die Katze. Mit brüchiger Stimme lässt July eine struppige Tierpuppe zwischendurch immer wieder laut über Freiheit und Geborgenheit nachdenken. Dieser Verfremdungseffekt geht auf, denn die Katzenmonologe berühren tatsächlich. Die Distanz, die das zum übrigen Geschehen schafft, ist dem Film aber eher nicht dienlich. Warum realistische Figuren zeichnen, mit wiedererkennbaren Leben und Problemen, wenn eine Puppe ungleich eindringlicher davon sprechen kann?

Als Beleg einer einzigartigen Phantasie und eines großen Einfühlungsvermögens beeindruckt "The Future". Als Film verflüchtigt er sich in der Erinnerung jedoch schneller, als bei einem so großen Thema zu erwarten wäre.

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