Linda Hamilton über "Terminator"-Filme "Jeden Abend musste ich mir das Blut aus den Haaren waschen"

Nach 28 Jahren ist Linda Hamilton zur "Terminator"-Reihe zurückgekehrt. Warum der erste Teil der schwierigste war, welches Verhältnis sie zu Schwarzenegger pflegt und was sie gegen das Wort "Ikone" hat, verrät sie hier.

20th Century Fox

Ein Interview von


Zur Person
    Linda Hamilton, geboren 1956 in Maryland, wirkte vor allem in TV-Serien mit, bevor ihr 1984 mit "Terminator" der Durchbruch im Kino gelang. Zwischen 1987 und 1989 spielte sie in der Serienadaption von "Die Schöne und das Biest" mit, wofür sie zwei Mal für den Golden Globe nominiert wurde. 1991 übernahm sie wieder die Rolle der Sarah Connor in "Terminator 2 - Tag der Entscheidung", nun ist sie ab Donnerstag in "Dark Fate", dem sechsten Teil der Reihe, zu sehen.

SPIEGEL: Frau Hamilton, im Jahr 1984 wurden Sie mit dem ersten "Terminator" zum Star, 1991 folgte "Terminator 2 - Tag der Abrechnung". Warum hat es so lange gedauert, dass Sie erst heute als Sarah Connor auf die Leinwand zurückkehren?

Hamilton: Ich dachte lange, dass ich in dieser Rolle alles gesagt habe, was es zu sagen gibt. Und ließ mich dann irgendwann davon überzeugen, dass ich damit vielleicht falsch gelegen habe. So ist das nun einmal, wenn Zeit vergeht: Mit einem Mal interessierte mich eben doch, was wohl aus Sarah Connor geworden ist. Und die Außenseiterposition, die sie nun inne hat, weil sie einerseits zwar immer noch schwere Geschütze gegen die Maschinen aus der Zukunft auffährt, aber andererseits auch mit der Menschheit abgeschlossen zu haben scheint, fand ich spannend.

SPIEGEL: Wie wichtig war die Tatsache, dass James Cameron als Produzent zum Franchise zurückgekehrt ist, für Ihre Rückkehr?

Hamilton: Das war ganz entscheidend. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass die ersten beiden "Terminator"-Filme, die er verantwortete, eine ganze Ecke besser waren als die drei, die danach kamen und mit denen er nichts zu tun hatte. Jim ist als Filmemacher einfach visionär. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich erst einmal nicht ans Telefon ging, als er nun anrief, um mit mir über "Terminator: Dark Fate" zu sprechen.

SPIEGEL: Weil er Ihr Ex-Mann ist?

Hamilton: Nein, weil ich eigentlich nie rangehe. Und auch nicht wirklich zurückrufe. Zumindest nicht, wenn gerade "Hamiltime" angesagt ist, wie meine Freunde es nennen. Also wenn ich einfach mit mir selbst beschäftigt bin. Hatte gar nichts mit ihm zu tun. Nach dem dritten vergeblichen Anruf schrieb er dann eine Nachricht: "Es geht um einen Job!" Da griff ich dann doch mal zum Telefon...

SPIEGEL: Hatten Sie auch mit Arnold Schwarzenegger Kontakt gehalten?

Hamilton: Nicht wirklich, was vor allem daran lag, dass er in die Politik ging. "Stellen Sie mich zum Gouverneur durch!" Solche Anrufe hätte ich merkwürdig gefunden. Aber unser Wiedersehen war jetzt, als sei quasi keine Zeit vergangen. Wir konnten direkt an unsere lange gemeinsame Geschichte anknüpfen und hatten mehr Spaß denn je miteinander. Ich liebe Arnold wirklich aus tiefstem Herzen, das sage ich nicht leichtfertig dahin. Und ich fand es toll zu sehen, dass wir zwei alten Leute es immer noch draufhaben!

SPIEGEL: Was starke, selbstbestimmte und nicht zum Sexsymbol degradierte Frauen im Actionkino angeht, ist Sarah Connor - zusammen mit Ellen Ripley aus den "Alien"-Filmen - bis heute praktisch unerreicht. Wie gehen Sie mit diesem Status als Ikone um?

Hamilton: Das Wort "Ikone" finde ich für mich persönlich schwierig. Neulich sollte ich einen Aufsager für das Werbematerial zu "Terminator: Dark Fate" aufnehmen. Den Satz "Ich habe die ikonische Sarah Connor gespielt" habe ich einfach nicht über die Lippen gebracht. Wenn jemand anderes mich so beschreiben will, meinetwegen.

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Linda Hamilton: Eine Klasse für sich

SPIEGEL: Aber welche Strahlkraft diese Figur bis heute hat, entgeht Ihnen doch sicherlich nicht?

Hamilton: Das natürlich nicht. Und ich freue mich ja auch darüber. Dass im Internet Memes wie "Be a Sarah Connor in a world of Kim Kardashians" die Runde machen, gefällt mir gut. Auch wenn ich es mir nicht auf die Fahne schreibe.

SPIEGEL: Hat Sie das Image der Actionheldin je gestört?

Hamilton: Es gab durchaus Fälle, wo es mir im Weg stand. Ich galt für viele Rollen plötzlich als "zu stark". Noch Jahre nach dem zweiten "Terminator" präsentierte mir ein Regisseur eine Rolle mit den Worten: "So etwas hast du noch nie gespielt." Was er damit meinte: eine ganz normale, durchschnittliche Frau. Das nervte mich mitunter schon. Vor allem, weil ja auch normale Frauen stark sein können. Dazu braucht es keine Muskelberge und Waffen. Und es spricht auch nichts dagegen, mal schwach zu sein.

SPIEGEL: Wie erinnern Sie sich eigentlich an die Arbeit damals an "Terminator 2 - Tag der Abrechnung"?

Hamilton: Vor allem weiß ich noch, wie körperlich anstrengend der Dreh war. Mein Trainer war mit am Set, und jedes Mal, wenn kurz die Kamera neu eingestellt wurde, arbeiteten wir weiter an meinen Armmuskeln. Ich war unglaublich erschöpft, aber es hat mir verdammt viel Spaß gemacht. Diese Selbstermächtigung zu spüren, die damit einherging, war fantastisch - kämpfen zu können und zu dürfen. Das war viel leichter auszuhalten als die Arbeit am ersten "Terminator".

SPIEGEL: Tatsächlich?

Hamilton: Oh ja, das war viel schwieriger. Einfach weil ich damals noch jung war und als unerfahrene Schauspielerin nicht wusste, wie ich mich schützen kann. Im ersten Teil ist Sarah Connor ja noch durch und durch ein Opfer. Natürlich konnte ich zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Trotzdem ging es nicht spurlos an mir vorbei, jemanden zu spielen, der die Mutter, den Geliebten und die Mitbewohnerin verliert. Jeden Abend musste ich mir das Blut aus den Haaren waschen! Nach dem Dreh war ich fast depressiv und träumte über Monate hinweg, vom Terminator verfolgt zu werden. Ich habe erst später gelernt, dass es möglich ist, im einen Moment eine tragische Todesszene zu spielen und im nächsten wieder herzhaft lachend man selbst zu sein.

Im Video: Der Trailer zu "Terminator 6: Dark Fate

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SPIEGEL: Trainiert man mit Anfang 60 eigentlich anders als in jüngeren Jahren?

Hamilton: Nicht per se. Aber man trainiert heute anders als in den frühen Neunzigerjahren. Das fängt schon mit der Ernährung an. Damals verzichteten wir auf Fett, schließlich begann gerade die fettfreie Ernährung zu boomen. Heute wissen wir es besser: Unser Gehirn und auch unsere Haut brauchen Fett, also ist es fatal, komplett darauf zu verzichten. Stattdessen musste ich nun ein ganzes Jahr lang die Finger von Kohlenhydraten und auch Obst lassen. Eigentlich gab es nur Fleisch und Gemüse, was furchtbar war, weil ich beides hasse. Und weil ich in New Orleans lebe, wo die Küche alles andere als schlicht, gesund und ungewürzt ist.

SPIEGEL: Leben Sie auch deswegen in New Orleans, weil Ihnen das Rampenlicht in Hollywood zu viel wurde?

Hamilton: Zu viel Rampenlicht war nie das Problem am Leben in Los Angeles. Auch dort konnte ich ungestört sein, wenn ich das wollte. Mein Leben war toll, und ich habe gerne meine Kinder dort großgezogen. Aber ich bin einfach ein Kind der Mittelschicht, und je länger ich in L.A. lebte, desto weniger authentisch erschien es mir dort. Jetzt wohne ich in New Orleans in einer Nachbarschaft, wo ich nach vier Jahren engere Kontakte zu meinen Mitmenschen habe, als ich es in 30 Jahren Hollywood je hatte. Man weiß, wer gestorben ist und wer ein Kind bekommen hat. Man kennt die Hunde und Katzen der Nachbarn, und Fremde sprechen dich mit "Baby" an. Einen schöneren Ort zum Leben kann ich mir nicht vorstellen.

insgesamt 26 Beiträge
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krautrockfreak 26.10.2019
1. Auch hier gilt: unnötig wie ein Kropf! Viele dieser unsäglichen
Versuche, an alte Erfolge anzuknüpfen nervt nur noch. Was soll das? Nur noch Fortsetzungen, Prequels, Sequels, Spin offs etc., immer mit der Prämisse, noch mehr Kohle rauszuschinden. Terminator 1 und 2 waren damals sensationell und mit Teil 2 war auch schon gut. Alles danach war ein müder Abklatsch einer abgeschlossenen Story. Star Wars, genau dasselbe, nur noch Abklatsch auf Abklatsch... Fehlt nur noch "Zurück in die Zukunft Teil 4, 5,6 ..." .
KnallerKnalleffekt 26.10.2019
2. Cameron ruiniert sein größtes Werk
Der erste und zweite Termintor waren einfach nur toll, es gibt keinen größeren Fan als mich. Danach wurde es schwach und schwächer. Cameron konnte sich rausreden, dass er mit diesen FIlmen nichts zu tun hatte, bis jetzt. Denn wenn man nach dem Trailer urteilen darf, dann ist dieser Film mit Abstand der schwächste der sechs Filme. Man erkennt dass man zu hundert Prozent auf die feministische Karte gesetzt hat, was einen Film nur ruinieren kann. Und dass Linda Hamilton sich dafür einspannen lässt, ist einfach enttäuschend. Im Original hatte es ja durchaus was eine kämpferische Frau zu sehen, jetzt sieht er nur noch peinlich aus wenn man das auf diese feministische Weise macht.
TOKH1 26.10.2019
3. Tolle
Frau. Toller Fortsetzung. Lange darauf gewartet mit LH. Eine bessere Besetzung gibt es nicht. Sollte jetzt dann auch gut sein.
Bell412 26.10.2019
4. @#1, Krautrockfreak:
Passen Sie auf, es geht noch besser: Demnächst gibts dann noch "Titanic 2, Jetzt erst Recht!" und "Titanic 3: The Next Generation"
petro28 27.10.2019
5. die 80er
Wenn es in Hollywood an neuen Ideen fehlt und man sich gute Einnahmen an den Kinokassen erhofft reitet man die Kultfilme der 80er und 90er mit überflüssigen Remakes und Fortsetzungen tot. Leider sind diese Filme ohne eine wirklich gute Story, nur Geballere, Action, Computeranimation, kurzweiliges Popcornkino unglaubwürdig und ohne cineastischen Wert. Ganz übles Beispiel sind auch die letzten Filme von Sylvester Stallone. Ob man sich Rambo oder Expendables anguckt, immer das gleiche Geballere. Wenn 75Jährige uns vor Terminatoren oder die mexikanischen Drogenkartelle retten, ist das einfach unrealistisch und peinlich. Genau wie, wenn im Zuge der metoo-Debatte auf einmal Frauen zu Waffen greifen um die Welt zu retten oder vor Geistern. (Ghostbusters) Es tut auch weh, wenn man seine Helden der 80/90er heute sieht, die sich anscheinend nicht weiterentwickelt haben. Jetzt soll auch eine Fortsetzung zu "Shining" kommen...WTF soll das?
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