»Einer flog über das Kuckucksnest« Louise Fletcher ist tot

Im Kinoklassiker »Einer flog über das Kuckucksnest« bekriegte sie sich in der Rolle der diabolischen Schwester Ratched mit Jack Nicholson. Jetzt ist die US-Schauspielerin Louise Fletcher im Alter von 88 Jahren gestorben.
Louise Fletcher, Jack Nicholson bei den Dreharbeiten von »Einer flog über das Kuckucksnest« (1975)

Louise Fletcher, Jack Nicholson bei den Dreharbeiten von »Einer flog über das Kuckucksnest« (1975)

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mptv / ddp

Die Oscar-Preisträgerin Louise Fletcher ist tot. Die US-Schauspielerin, die 1976 für ihre Rolle als fiese Oberschwester Ratched im New-Hollywood-Klassiker »Einer flog über das Kuckucksnest« mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden war, starb im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus in Südfrankreich, wie US-Medien am Freitag unter Berufung auf ihren Agenten berichteten.

Fletchers Schauspielkarriere erstreckte sich über mehr als sechs Jahrzehnte. Sie spielte in zahlreichen Filmen und Fernsehserien mit, hatte eine wiederkehrende Rolle in der Science-Fiction-Serie »Star Trek: Deep Space Nine« als Kai Winn Adami und wurde für ihre Gastrollen in den Serien »Picket Fences – Tatort Gartenzaun« und »Die himmlische Joan« 1996 und 2004 für den Emmy nominiert.

Ihre größte Rolle aber blieb jene Schwester Ratched genannte Aufseherin in einer psychiatrischen Klinik in »Einer flog übers Kuckucksnest«, den Regisseur Milos Forman 1975 ins Kino brachte. Basierend auf dem gleichnamigen Gegenkultur-Bestseller von Ken Kesey liefert sich Fletchers Ratched einen erbitterten Kampf um Gehorsam und Fügsamkeit mit dem aufmüpfigen Psychiatrie-Insassen McMurphy (Jack Nicholson), der versucht, die anderen Patienten zum Widerstand zu animieren. Ratched lässt ihn einer Elektroschock-Therapie und letztlich einer Lobotomie unterziehen.

Der tschechische Regisseur Milos Forman, der seiner Karriere mit dem systemkritischen Drama den entscheidenden Anschub gab und später Filme wie »Amadeus« und »Larry Flynt« drehte, hatte zuvor bereits Stars wie Anne Bancroft, Geraldine Page und Ellen Burstyn für die Rolle begeistern wollen, doch alle lehnten ab: Ihnen war der Part der eiskalten Krankenschwester zu teuflisch. In einer Nebenrolle in Robert Altmans »Diebe wie wir« entdeckte Forman dann die noch unbekannte Fletcher – und machte sie in seinem Film zu einer der markantesten Kino-Schurkinnen.

Fletcher als »Nurse Ratched«: Eine der ikonischsten Kino-Schurkinnen

Fletcher als »Nurse Ratched«: Eine der ikonischsten Kino-Schurkinnen

Foto: Courtesy Everett Collection / ddp

Auf seiner Liste der 100 größten Film-Bösewichte platzierte das American Film Institute Schwester Ratched im Jahr 2003 auf Platz fünf, hinter Hannibal Lecter, Norman Bates, Darth Vader und der Wicked Witch of the West aus dem »Zauberer von Oz«. Sarah Paulson ließ die ikonische Figur vor Kurzem in einer Netflix-Serie von Ryan Murphy auferstehen, die Mildred Ratcheds Vorgeschichte erzählt.

Fletcher war 1934 als Tochter gehörloser Eltern in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama geboren worden. In ihrer Dankesrede für den Oscar dankte sie 1976 ihren Eltern in Gebärdensprache für deren Unterstützung. Nachdem sie von Charles Bronson auf die Bühne gerufen worden und ihre Oscar-Trophäe in Empfang genommen hatte, sagte Fletcher: »Nun, es sieht so aus, als ob ihr mich alle so sehr gehasst habt, dass ihr mir diesen Preis dafür gegeben habt – und ich genieße jede Minute. Ich kann nur sagen, ich habe es geliebt, von euch gehasst zu werden.«

Ihre letzte Rolle spielte sie laut der Filmdatenbank IMDB 2017 in der Netflix-Serie »Girlboss«.

mwo/AFP
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