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14. August 2012, 14:31 Uhr

Stripper-Film "Magic Mike"

Die Hintern haben Hirn

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Hollywood-Stars als Stripper? In den USA hat "Magic Mike" Kassenrekorde gebrochen. Mit Channing Tatum und Matthew McConaughey in den Hauptrollen bietet die Story über einen Auszieh-Club in Florida viel nackte Schauwerte - und malt auf smarte Art ein Sittengemälde.

Steven Soderbergh ist einer der gefragtesten Regisseure der Welt. Er hat einen Oscar und den Hauptpreis von Cannes gewonnen, er hat Blockbuster wie die "Ocean's"-Reihe gedreht und Stars wie Julia Roberts oder George Clooney zu noch größeren Stars gemacht. Doch auf dem Plakat zu seinem neuesten Film "Magic Mike" fehlt ein Verweis auf ihn.

Stattdessen leuchten die Namen der drei Hauptdarsteller auf. Darunter strecken die drei dem Publikum ihre nackten, muskelbepackten Oberkörper entgegen. Das Plakat muss man als charmante Mogelpackung verstehen, so wie den gesamten Film. Wo nicht Soderbergh drauf steht, ist nämlich jede Menge Soderbergh drin. Und "Magic Mike" ist auch kein Stripper-Film, sondern eine der besten Sozialkomödien, die das US-Kino in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.

Staunend fahren Adams Finger über die Armaturen des Autos. Alles ist noch mit der Schutzfolie beklebt, mit der der Wagen aus der Fabrik geliefert wurde. "Damit es aussieht wie neu und ich ihn später zu einem besseren Preis verkaufen kann", erklärt Mike (Channing Tatum) seinem Mitfahrer Adam die Folie. Mike muss so denken. Denn das Geld, das er schwarz auf dem Bau verdient, reicht nicht.

Später am Abend wird Adam erfahren, was Mike wirklich ein Auskommen beschert. Er wird ihm in den Club Xquisite in Tampa, Florida, folgen und sehen, wie sich Mike die Kleider vom Leib reißt, wie er seinen Unterkörper in die Luft stößt, wie die Frauen schreien. Und wie Mike mit einem Slip, aus dem die Ein- und Fünf-Dollar-Scheine quellen, in die Garderobe zurückkommen wird.

Der Rausch der Nacht

Kurz vor seinem 20. Geburtstag hat Hauptdarsteller Channing Tatum ("21 Jump Street") für ein paar Monate als Stripper gearbeitet. Zusammen mit dem Produzenten Reid Carolin, mit dem er die Produktionsfirma Iron Horse Entertainment leitet, hat er aus seinen Erlebnissen den Stoff für "Magic Mike" entwickelt und den Film auch produziert. Trotz des spektakulären Themas und einer hochkarätigen Besetzung - neben Tatum treten Matthew McConaughey ("Wie werde ich ihn los in 10 Tagen"), Alex Pettyfer ("Ich bin Nummer Vier") und Joe Manganiello ("True Blood") als Stripper auf - bekamen sie jedoch nur ein Mini-Budget von rund sieben Millionen US-Dollar zusammen.

Das sieht man dem Film aber nicht an. Wahrscheinlich hat es ihm sogar genutzt, denn "Magic Mike" kann auf ein Ensemble vertrauen, das merklich des Spaßes wegen dabei ist. Und auf eine Geschichte, die darauf drängt, erzählt zu werden. In den USA hat sich "Magic Mike" zu einem der größten Überraschungserfolge des Jahres entwickelt und sein Budget bereits über 16-mal eingespielt.

Der Einstieg in den Film ist simpel und leichtfüßig genug für einen Blockbuster: Mit Adam (Alex Pettyfer) erleben wir, was Mike einst ins Stripper-Business gebracht hat. Die Körper spannen sich, die Musik knallt an seinen ersten Abenden im Xquisit, die Drogen wirken, und am Ende sind immer ein, zwei hübsche Frauen da, die noch nicht nach Hause wollen. Obwohl Mike Adam ins Geschäft einführt und dieser schnell die richtigen Bewegungen und Blicke lernt, wird "the kid" schnell zu Mikes Negativ-Abgleich. Er erkennt, dass er sich schon zu lang durch den Rausch der Nächte von seinen eigentlichen Träumen hat ablenken lassen.

Als Schreiner arbeiten, mit selbstgebauten Möbeln Geld verdienen - das wünscht sich Mike. Im grauen Anzug und mit Brille taucht er in der Bank auf, um einen Anschubkredit zu beantragen. Die Angestellte stutzt kurz beim Anblick der Stapel Bargeld, die Mike in seinem Aktenkoffer mitgebracht hat, dann lehnt sie seinen Antrag ab - er sei ein Problemkunde. "Ich lese die Zeitung", bricht es aus Mike heraus. "Ich weiß, dass ihr die seid, die Probleme haben!"

Puffmutter oder Sexunternehmer?

Wie in den besten Tanzfilmen begeistern die Tanz- bzw. Strip-Szenen in "Magic Mike" unabhängig von der Rahmenhandlung. Channing Tatum hat eine großartige Bühnenpräsenz, trotz üppiger Muskeln tanzt er elegant und taucht nahtlos in die Musik ein. Wenn seine Nummern dran sind, wird klar, welch exaltierte Art von Eskapismus ein Abend im Strip-Club bietet. "Du strippst nicht einfach nur. Du erfüllst die wildesten Phantasien der Frauen. Du bist der Ehemann, den sie nie hatten. Du bist der Traumtyp, den sie nie getroffen haben", erklärt Mike einmal Adam seinen Ansatz.

Alex Pettyfer macht als Rookie Adam ebenfalls eine gute Figur. Letztlich muss er aber wie die anderen Darsteller auch Matthew McConaughey das Feld räumen. Als Besitzer des Strip-Clubs dreht McConaughey, der in den letzten Jahren zunehmend Geschmack an gewagteren Rollen gefunden hat, voll auf. Mit enger Lederhose und Kringellöckchen, die erst zum Nacken hin voller werden, gibt er mehr die Puffmutter als den knallharten Sex-Unternehmer.

Allein in dieser Figur kippt die feine Balance zwischen Camp-Vergnügen und Realismus in die harmlose Groteske. In seinen besten Momenten ist "Magic Mike" dagegen seinem großen Vorbild "Saturday Night Fever" sehr nah und wagt es zu erkunden, wo das stolze Ausstellen von Männlichkeit ins Gegenteil umschlägt und zur unbarmherzigen Verdinglichung der Männer wird. Mehrfach muss Mike erleben, dass auch die Frauen, die noch lang nach seinen Auftritten auf ihn warten, nur an einer weiteren Performance interessiert sind.

Auch wenn "Magic Mike" im Verlauf düsterer wird und Streit, Betrug und Absturz zusehends dominieren, bleibt ein buchstäblicher Hoffnungschimmer: Mike hat sich in Adams spröde Schwester Brooke (Cody Horn) verliebt. Sie, die in der Verwaltung eines Krankenhauses arbeitet, sehen wir nur tagsüber. Dann scheint die Sonne Floridas, und Steven Soderbergh, der auch die Kamera geführt hat, lässt sie besonders golden erstrahlen. Statt der Nacht entwickelt der Tag hier seinen Sog. Ganz langsam scheint Mike diesem Reiz zu unterliegen.

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