Stripper-Film "Magic Mike XXL" Für jede was dabei

Jung, alt, schwarz, weiß, homo, hetero: In "Magic Mike XXL" haben die Stripper für alle ein aufmunterndes Wort und einen aufreizenden Hüftschwung parat. Eine grandiose Nummernrevue, die durch tolle Auftritte, aber auch klugen Witz besticht.
Stripper-Film "Magic Mike XXL": Für jede was dabei

Stripper-Film "Magic Mike XXL": Für jede was dabei

Foto: Warner Bros.

Kurz vor ihrem allerletzten Auftritt auf der Stripper-Convention von Myrtle Beach finden sich die Tänzer um Magic Mike zu einem Kreis zusammen. Die Hände sind schon in die Mitte gestreckt, um sie sogleich gemeinsam jubelnd in die Höhe zu reißen, da raunzt sie ihr MC an: "It's not bro-time, it's showtime!" Dabei ist doch das Tolle an den "Magic Mike"-Filmen, dass sich showtime und bro-time bei ihnen eben nicht ausschließen, dass fürs Rumkumpeln genauso viel Platz ist wie fürs Klamotten runterreißen.

Im ersten Teil von 2012, noch unter der Regie von Steven Soderbergh und mit Matthew McConaughey an Bord, lag der Fokus noch stärker auf der sanften Sozialkritik. Auf der Höhe seines Ruhms als Stripper wollte Mike (Channing Tatum, der mit dem Film seine eigene Vergangenheit als "male entertainer" aufarbeitete) aufhören, auf Schreiner umsatteln, eine Familie gründen. Doch Banken, falsche Showbiz-Freunde und Frauen, die sich für ihn nur nachts und nackt interessierten, wollten diesen Sinneswandel nicht mitmachen. Erst ausziehen, dann aufsteigen - das war in der neo-feudalen Unterhaltungsindustrie die eine wirklich obszöne Begierde.

Den Trip nach Myrtle Beach nutzen Mike (Channing Tatum) und Ken (Matt Bomer) für lange Gespräche darüber, was sie von ihrem Leben wollen

Den Trip nach Myrtle Beach nutzen Mike (Channing Tatum) und Ken (Matt Bomer) für lange Gespräche darüber, was sie von ihrem Leben wollen

Foto: Warner Bros.

Die Fortsetzung "Magic Mike XXL", bei der Soderberghs Assistent Gregory Jacobs die Regie übernommen hat, setzt drei Jahre nach dem ersten Teil ein. Mike scheint seinen Traum von damals nun zu leben: Er wohnt in einem schönen, selbstgestalteten Haus, die Werkstatt für die eigenen Möbel ist gleich angeschlossen. Doch seinem einzigen Angestellten kann Mike die Krankenversicherung nicht bezahlen, und von der Frau, die er heiraten wollte, ist nur ein Post-it im Eisfach übrig geblieben. Als ihn die Stripper-Truppe von damals (u.a. mit Matt Bomer, Joe Manganiello und Kevin Nash) unter einem Vorwand zu einer Poolparty lockt, erscheinen ihm die Exzesse von einst noch fremd.

Später am Abend, als er zu Hause wieder in der Werkstatt steht, stellen sich die Dinge schon anders da. Dann erklingen aus dem Radio die ersten Takte von Ginuwines "Pony", dem Song, zu dem Mike einst strippte. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, er dreht ein paar Pirouetten, setzt ein Rohr in Hüfthöhe auf, ahmt das Bespringen seiner Werkbank nach - und sowohl Mike als auch dem Kinopublikum ist klar: Dieser Mann muss mit auf die Abschiedstour der alten Stripper-Kollegen.

Auf ihrer Reise machen die Stripper Stopp in einer Drag-Queen-Show und lassen es sich nicht nehmen, auch kurz zu tanzen

Auf ihrer Reise machen die Stripper Stopp in einer Drag-Queen-Show und lassen es sich nicht nehmen, auch kurz zu tanzen

Foto: Warner Bros.

Was dann folgt, lässt sich schwerlich als Handlung qualifizieren. Vielmehr reiht sich auf der Reise von Tampa, Florida, nach Myrtle Beach, South Carolina, Begegnung an Begegnung - sowohl mit verflossenen Lieben und neuen Flirts als auch mit Kollegen, von denen sich die Jungs noch ein paar Moves abschauen können. Doch wie bei jeder Nummernrevue ist nicht entscheidend, wie überzeugend die Rahmenhandlung ist, sondern wie gut die einzelnen Nummern sind. Und die sind bei "Magic Mike XXL" wirklich top.

Strip für die Tankstellen-Kassiererin

Channing Tatum ist ein grandioser Tänzer, dem zu Recht die meisten und längsten Auftritte zufallen. Er verbindet Kraft, Akrobatik und Geschmeidigkeit, auf dass man nur staunen kann. Gleichzeitig ist er nicht mehr das emotionale Zentrum des Films, sondern lässt seinen Kollegen, allen voran Joe Manganiello ("True Blood") den Vortritt, um als Tänzer und Schauspieler zu brillieren. Manganiello gehört denn auch eine wunderbare Szene, in der er eine trübsinnige Tankstellen-Kassiererin aufzuheitern versucht. Er entledigt sich seines T-Shirts, räkelt sich an einem Kühlschrank, gießt sich lasziv Wasser über den Kopf - doch die einzige Reaktion, die er erhält, ist der Jubel seiner Kollegen, die von draußen seinen Auftritt verfolgen.

In dieser Szene zeigt sich der kluge Witz der "Magic Mike"-Filme besonders gut: Die Klischees männlicher Hetero-Erotik werden in ihrer Überhöhung offengelegt. Gleichzeitig wird aber weder Performer noch Publikum der Spaß an eben deren Inszenierung genommen. So entsteht ein Raum für aufgeklärte Freude darüber, was man so alles nur mit einem goldenen Lamé-Slip bekleidet anstellen kann.

Spiel mit den Klischees: Auf der Stripper-Convention inszeniert Richie (Joe Manganiello) für eine Zuschauerin eine Hochzeit

Spiel mit den Klischees: Auf der Stripper-Convention inszeniert Richie (Joe Manganiello) für eine Zuschauerin eine Hochzeit

Foto: Warner Bros.

Noch schöner ist, dass die "Magic Mike"-Macher den Raum so groß aufziehen, dass er wahrhaftig vielfältig ist - innerhalb wie außerhalb der Filmerzählung. Mit Donald Glover und Jada Pinkett Smith sind zwei Schwarze in schön saftigen Rollen zu sehen. Der homosexuelle Matt Bomer spielt einen Hetero-Herzensbrecher, die bisexuelle Amber Heard spielt eine Bisexuelle, die gerade nicht auf Männer steht ("Not in my boy phase right now, sorry"). Und die Jungs um den magischen Mike lassen es sich eh nicht nehmen, im Drag-Queen-Club genauso ausgelassen zu feiern wie im Haus einer vornehmen Ü-50-Dame.

Am Ende, als die Stripper-Truppe nur noch in Unterhose auf der Bühne in Myrtle Beach steht, bricht der herbeigesehnte "Dollar-Tsunami" über sie herein. Als Publikum ist man dagegen mitgerissen von der Großherzigkeit, mit der "Magic Mike XXL" Spaß und Begehren verbindet.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Magic Mike XXL":

Magic Mike XXL

USA 2015

Regie: Gregory Jacobs

Drehbuch: Reid Carolin

Darsteller: Channing Tatum, Matt Bomer, Joe Manganiello, Amber Heard, Donald Glover, Jada Pinkett Smith

Produktion: Warner Bros., Iron Horse Entertainment

Verleih: Warner Bros.

Länge: 115 Minuten

Start: 23. Juli 2015

FSK: ab 12 Jahren

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