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Magier-Film "Die Unfassbaren": Die ganz große Show

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Magier-Film "Die Unfassbaren" Die Kraft von Glitzer

So unterhaltsam wie nervtötend: Im amerikanischen Überraschungs-Kinohit "Die Unfassbaren" beklaut eine Zauberer-Truppe böse Banken und Versicherungen - und macht daraus eine große, bunte Show.

Kino und Zauberei vertragen sich eigentlich nicht besonders. Eine gute Magier-Show lebt davon, die Zuschauer im Dunkeln zu lassen, sie zum Staunen zu bringen, ohne auch nur einen Trick zu verraten. Das Kino bringt sein Publikum zwar auch gern zum Staunen, leidet aber unter zwanghaftem Erklärungsdrang. Filme dürfen nur rätselhaft sein, wenn bis kurz vor Schluss alle Rätsel gelöst sind. Wer der Mörder war, wie der Bankraub wirklich funktioniert hat, was Traum und was Wirklichkeit war - am Ende muss jedes Geheimnis enthüllt sein. Genau das, was einem Magier nie passieren darf.

So sind auch die Zauberer in Louis Leterriers neuem Film "Die Unfassbaren" von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es sind vier, die von einem mysteriösen Gönner zusammengeführt und dann unter dem Namen "The Four Horsemen" ("Die vier Reiter") berühmt werden: der arrogante Illusionist Atlas (Jesse Eisenberg), der abgerockte Hypnotiseur McKinney (Woody Harrelson), die in erster Linie hübsche Entfesslungskünstlerin Reeves (Isla Fisher) und der begeisterungsfähige Taschendieb Wilder (Dave Franco). Am Ende wird ihre Magie als Schwindelei enttarnt sein, jeder Trick durcherklärt, keine Frage offen. Es kann nur darum gehen, den Zuschauer auf dem Weg dahin so lange wie möglich bei Laune zu halten.

Moderne Robin Hoods oder einfache Betrüger?

Dabei schlägt sich das Quartett aber ganz ordentlich, denn es hat tatsächlich ein paar spektakuläre Coups auf Lager. In ihrer ersten großen Las-Vegas-Show holen die vier einen unbedarften Franzosen auf die Bühne, um ihn in den Tresorraum einer Bank in Paris zu beamen und die dort bereitliegende Beute einzusammeln. Am Ende der Vorstellung regnet es tatsächlich Dollarscheine auf das Publikum herab und der Tresor in Frankreich ist wirklich leer. Was einen FBI-Agenten (Mark Ruffalo), eine Interpol-Kollegin (Mélanie Laurent) und einen professionellen Zaubertrick-Enthüller (Morgan Freeman) auf den Plan ruft, die den Reitern fortan verlässlich immer genau einen Schritt hinterherhinken. Allerdings spielt auch nicht jeder Verfolger immer mit ganz offenen Karten.

Die interessanteste Idee und gleichzeitig das größte Problem an "Die Unfassbaren" ist dessen Weigerung, eindeutige Helden zu präsentieren. Die Magier rauben zwar nur böse Banken und Versicherungen aus, wollen aber auch keine modernen Robin-Hood-Wohltäter sein. Damit ihre wahren Absichten nicht zu früh verraten werden, dürfen wir die vier auch nicht besonders gut kennenlernen, das Gleiche gilt für die Ermittler. Es gibt keine eindeutige Identifikationsfigur. Jeder könnte der oder die Böse sein.

Aber selbst das ist am Schluss auch eher egal, denn hier zählen keine Menschen, hier geht es nur um die Show. "Die Unfassbaren" funktioniert da lange nicht anders als eine typische Las-Vegas-Revue: so laut und bunt und knallig wie möglich. Und manchmal genauso nervtötend. Regisseur Leterrier ("Kampf der Titanen") hat ein Händchen für Tempo und Spektakel und nicht viel Interesse an Herz und Verstand. Kein Problem, wenn die Hauptfiguren eigenschaftslose Schablonen bleiben oder die großen Enthüllungen am Ende bei etwas näherer Betrachtung nicht auch nur einen Funken Sinn ergeben - Hauptsache, es glitzert.

Was ja nicht schlimm sein muss. "Die Unfassbaren" war in den USA einer der großen Überraschungshits der Saison, sehr viele Leute haben sich offenbar gut unterhalten gefühlt. Unterschätze nie die Kraft von Glitzer.


Die Unfassbaren. Start: 11.7. Regie: Louis Leterrier. Mit Mark Ruffalo, Mélanie Laurent, Jesse Eisenberg.