Malala-Doku Die lächelnde Heilige

Sie hegt keine Rachegedanken, da ist nur Reinheit: Eine neue Dokumentation porträtiert Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Kann ein Mensch so gut sein wie diese 18-Jährige? Sie kann.
Malala-Doku: Die lächelnde Heilige

Malala-Doku: Die lächelnde Heilige

Foto: 20th Century Fox

Beim Armdrücken gewinnt sie fast immer. Wenn Malala Yousafzai, heute 18 Jahre alt und seit einem Jahr jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte, mit ihren beiden Brüdern die Kräfte misst, behält sie meist die Oberhand. In Davis Guggenheims Dokumentation "Malala - Ihr Recht auf Bildung" wirken diese Siege wie ungebührliche Beweise der Stärke. Denn der Film feiert die geradezu übermenschliche Sanftmut einer jungen Frau.

Malala wuchs im pakistanischen Swat-Tal auf. 2007 drangen die Taliban in diese Gegend ein, brachten sie unter ihre Kontrolle, untersagten Mädchen die Schulbesuche und stellten Tanzen unter Strafe. 2008 nahm ein BBC-Reporter mit Malalas Schule Kontakt auf. In einem Blog berichtete Malala in den kommenden Jahren von den Verhältnissen in ihrer Heimat. 2012 überlebte sie ein Attentat der Taliban mit knapper Not.

Guggenheim, der Malala über einen Zeitraum von 18 Monaten begleitete, rekonstruiert die Lebensgeschichte seiner Heldin und zeigt gleichzeitig, wie sie heute mit ihren Eltern und Brüdern in Birmingham lebt. Es sind Bilder eines geradezu grotesk glücklichen, unbeschwerten Familienlebens. So ein Zuhause wünscht sich jeder. Wer hier nach Brüchen oder Rissen sucht, ist am völlig falschen Ort.

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"Malala - Ihr Recht auf Bildung": Der Lebensweg einer modernen Heiligen

Foto: 20th Century Fox

Natürlich ist dieser Film eine Hagiografie. Obwohl er sich durchaus Mühe gibt, es nicht zu sein. Mehrfach fragt Guggenheim nach, ob Malala denn nicht auf Rache sinne. Schließlich haben ihr die Taliban in den Kopf geschossen und zwei ihrer Freundinnen verletzt. Nein, beteuert sie, solche Gefühle seien ihr gänzlich fremd. Sie lächelt. Dieses Lächeln ist schief. Seit dem Attentat ist Malalas linke Gesichtshälfte gelähmt.

Diese Passagen sind schwer zu ertragen. Es ist ein bisschen so, als würde man von einem leuchtenden, nein: einem gleißenden Vorbild geblendet. Wäre man selbst in der Lage, einen derartig brutalen Anschlag auf das eigene Leben zu vergeben? Könnte man hinwegsehen über die Auswirkungen dieser Tat? Wohl kaum. Aber warum eigentlich nicht, wenn eine 18-Jährige das schafft?

Vermutlich ist genau das der Grund, warum Malala den Friedensnobelpreis bekommen hat und wir nicht. Guggenheims Film ist wie ein Spiegel, in dem wir uns selbst betrachten, in dem wir aber zunächst einmal nach blinden Stellen und schmutzigen Flecken suchen, weil es natürlich schmerzt, mit sich selbst konfrontiert zu werden und dabei zu erkennen, dass man nicht heilig ist.

Guggenheim sucht auch nach Schmutz, ja, allerdings eher zaghaft und unentschlossen. Er findet Reinheit. Ist das schlimm? Nein. Eine junge Frau, die von ihrem Vater nach einer legendären afghanischen Freiheitskämpferin benannt wurde, die die Welt mit einer Rede vor den Vereinten Nationen zu Tränen rührt und um den Erdball reist, um für die Rechte der Frauen auf Bildung zu kämpfen, könnte ein Anrecht darauf haben, bewundert zu werden.

Im Video: Der Trailer zu "Malala - Ihr Recht auf Bildung":

He Named Me Malala

USA 2015

Regie: Davis Guggenheim

Darsteller: Malala Yousafzai, Ziauddin Yousafzai, Toor Pekai Yousafzai, Khushal Yousafzai, Atal Yousafzai

Verleih: Fox Deutschland

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 22. Oktober 2015

Dokumentation "He Named Me Malala":Offizielle Website zum Film