Angelina Jolie in "Maleficent" Prinzen sind Schweine

Als gehörnte Fee räumt Angelina Jolie in dem Dornröschen-Update "Maleficent" mit einer Reihe von Märchenklischees auf. Männer kommen dabei nicht gut weg.

Von Antonia Mahler


Aus der Traum von der Hochzeit mit dem hübschen Prinzen! In diesem Dornröschen-Update ist ein für alle Mal Schluss mit Romantik. Die Fee Maleficent (Angelina Jolie) erwacht am Waldboden aus einer Betäubung. Sie will sich aufsetzen und spürt quälenden Schmerz. Sie verzerrt ihr Gesicht, blickt über die Schulter. Entsetzen, sie schreit und heult. Ihre wunderschönen Flügel - abgeschnitten, geraubt. Und das von dem Mann, den sie so sehr liebte.

Seit ihrer Jugend waren die beiden ein Paar, dann aber wuchs in Stefan die Gier nach Macht und Erfolg heran. Maleficent war nicht mehr interessant für ihn, nur ihre Flügel - die nämlich ermöglichten ihm dank ihrer Zauberkräfte den Weg zum Königsthron. Zurück bleibt eine traurige Fee. Aber ihre Wunden sind mehr noch als Schmerz, sie sind das dramatische Symbol eines beschädigten Ichs, das nicht mehr an die Liebe glauben mag.

Dornröschens Geschichte aus der Perspektive der dunklen Fee - mit diesem Twist gewinnen Regiedebütant Robert Stromberg und Drehbuchveteranin Linda Woolverton ("Der König der Löwen") dem alten Märchenstoff erstaunliche Seiten ab. In ihrer Version ist Maleficent nicht wirklich bösartig, sie ist verbittert. Und die unschuldige Prinzessin verhext sie nur, weil sie mit dem Vater, König Stefan (Sharlto Copley), abrechnen will.

Fotostrecke

8  Bilder
"Maleficent - Die dunkle Fee": Die gehörnte Frau
Der Fiesling hat sie verlassen, sich den Thron erschlichen, eine andere geheiratet und mit ihr ein Kind gezeugt. An ihrem 16. Geburtstag soll diese Tochter sich an einer Spindel stechen und in einen ewigen Schlaf fallen, aus dem sie nur ein Kuss aus wahrer Liebe erwecken kann. Ein unmögliches Unterfangen, glaubt Maleficent - schließlich ist auf Männer kein Verlass und deshalb gibt es auch keine wahre Liebe.

Ein übernatürliches Wesen mit geschwungenen Hörnern, aber auch eine eifersüchtige Frau mit gebrochenem Herzen: In ihrer ersten Live-Action-Rolle seit "The Tourist" verkörpert Angelina Jolie die Fee, die halb Bösewicht, halb Heldin ist, sehr charismatisch. Die Übersetzung der dämonischen Animationsfigur aus dem Original-Disney-Film von 1959 ist Regisseur Stromberg gelungen. Eigentlich ist er gelernter Produktionsdesigner und Special-Effects-Künstler, für seine Arbeit bei "Alice im Wunderland" und "Avatar" bekam er jeweils den Oscar.

Drachenkampf mit Feuerquatsch

In "Maleficent" bestückt er die Natur nun mit Rüssel-Fabelwesen und fliegenden Mini-Meerjungfrauen. Aber mit den computergenerierten Bildern kommen auch die Probleme, ebenso wie mit 3D: Viele Motive erscheinen als hohle Projektionen ohne Tiefe oder Schwerkraft. Den unvermeidlichen Drachenkampf mit Feuerquatsch braucht in dem kindgerechten Film kein Mensch, ebenso wie die harmlosen, aber überflüssigen Schlachtfeld-Sequenzen.

Eine heitere Seite der digitalen Animation sind die drei guten Feen in Rot, Blau und Gelb. Schon im alten Zeichentrickfilm waren die drei bezaubernd. Sie begleiten Prinzessin Aurora durch ihre unbeschwerte Kindheit in einem Schneewittchen-und-die-sieben-Zwerge-Haus. Aus der Ferne wacht sogar die Fee Maleficent über die Kleine und gewinnt sie langsam lieb. Kein Wunder: Prinzessin Aurora, gespielt von Elle Fanning ("Somewhere"), ist ein wahrhaft strahlendes Kind. Sie steht für die Versöhnung der Natur mit den Menschen, mit ihrer Lebendigkeit nimmt sie alle Kreaturen für sich ein.

So ein Ausgleich ist auch nötig, denn die zwei Welten, das fantastische Reich unter Herrscherin Maleficent und die Menschenwelt unter König Stefan, führen Krieg gegeneinander. Mehr noch, durch die Trennung und Verfeindung der beiden Regenten werden auch ihre Welten immer finsterer. Denkt man an die fröhlichen Kinder zurück, die Maleficent und Stefan am Anfang des Films waren, kann man darin auch eine Metapher aufs Erwachsenwerden sehen: Wer älter wird, verliert an Strahlkraft.

Schon in der verschneiten Welt des Disney-Kinohits "Die Eiskönigin - völlig unverfroren" war die Prinzessin von einem Blender-Prinz getäuscht worden. Hier ist es nun der König, der sein Versprechen gegenüber Maleficent bricht. Am Ende geht es in beiden Filmen mehr um den Zusammenhalt von Frauen. Sie unterstützen sich gegenseitig und können ohne Männer starke Persönlichkeiten sein, auch wenn sich manche Flüche und Verletzungen nicht zurücknehmen lassen. Prinz Charming, das scheint der neue Disney-Dreh zu sein, hat ausgedient als Garant für Liebe und Erlösung.

Und was bedeutet überhaupt "wahre Liebe"? In einer überraschenden Neuinterpretation des klassischen Kuss-Endes macht "Maleficent" deutlich: Auf diese Frage gibt es mehr als eine Antwort.

"Maleficent - die dunkle Fee"

    USA 2014

    Regie: Robert Stromberg

    Drehbuch: Linda Woolverton

    Darsteller: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley, Sam Riley, Imelda Staunton

    Produktion: Walt Disney Pictures, Roth Films, MPC

    Länge: 97 Minuten

    Verleih: Walt Disney

    FSK: ab 6 Jahren

    Start: 29. Mai 2014

  • "Maleficent" bei "Disney.de" (mit Trailer)
.



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
divStar 28.05.2014
1. Ist ja die Tendenz der
.. also, dass alle Männer - sofern sie nicht schwul oder transsexuell sind - Schweine sind weil sie ja potentiell Gewalt gegen Frauen, Tiere oder sonst irgendwen ausüben könnten. Erbärmlich.
Whitejack 28.05.2014
2.
Zitat von sysopDisneyAls gehörnte Fee räumt Angelina Jolie in dem Dornröschen-Update "Maleficent" mit einer Reihe von Märchenklischees auf. Männer kommen dabei nicht gut weg. http://www.spiegel.de/kultur/kino/maleficent-angelina-jolie-kehrt-als-dunkle-fee-ins-kino-zurueck-a-971919.html
Eine seltsame Interpretation. Es ist eher ein anderer Effekt, der vielen männlichen Zuschauern ungewohnt sein dürfte: Männer spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dies fällt umso mehr auf, weil es in den meisten Filmen andersherum ist. Der Protagonist ist in der Regel männlich, sein Sidekick auch, ebenso der Antagonist und die meisten Nebenrollen. Eine weibliche Hauptrolle dient in der Regel als Romanze für den Protagonisten. Ganz auffällig ist dies auch im Märchenfilm-Genre, man denke nur an den vor einiger Zeit laufenden Film "Jack and the Giants", dessen Welt bis hin zu den Statisten praktisch nur aus Männern zu bestehen schien (abgesehen von der zu rettenden Prinzessin natürlich). Insofern lässt ein Film, dessen Rollen - auch die Nebenbesetzungen - maßgeblich von Frauen gespielt werden, den Zuschauer immer etwas verwirrt zurück. Und er macht noch etwas klar, was sonst vielleicht nicht auffallen würde: Wenn eine Gruppe nur am Rand vorkommt, insbesondere wenn nur ein Vertreter auftritt, wird dieser schnell zur Gesamtrepräsentation der Gruppe. Wenn nur ein Mann eine maßgebliche Rolle spielt - und diese ist böse - dann entsteht schnell der Eindruck, Männer seien Schweine. Das ist einer der Gründe, warum die Beschränkung von Frauenrollen auf die zu rettende Prinzessin bzw. die bloße Liebesbeziehung mit dem Protagonisten oft kritisch beurteilt wurden.
chris4you 28.05.2014
3. Verkauft sich eben gut,
Prinzen sind Schweine, oder vertont: Alle Männer sind Schweine. Das entspricht dem Zeitgeist, dem Kommerz. Selbst als Böse sind Frauen ja immer noch lieb... ;o)... Mutige Filme sind genauso wie mutige Artikel in der heutigen Zeit sehr rar geworden... Nun ja, so werden wenigstens die Frauen mal gehörnt, an der Einstellung ändert sich damit nichts... Es scheint heutzutage einfacher und einträglicher zu sein (Gender etc.) Differenzierung auf Kosten anderer zu betreiben als im Sinne von Humanismus zusammearbeit/leben zu fördern... wenn das schon Disney erkannt hat...
sertim 28.05.2014
4. Schweine?
Schlecht recherchiert und einfach wie immer geschrieben,hne nachzudenen. Was haben Schweine mit Männern zu tun?? Nichts. Um-denken. Klar benennen. Tiernamen vermeiden.
Thyphon 28.05.2014
5. Nichts neues...
Zitat von WhitejackEine seltsame Interpretation. Es ist eher ein anderer Effekt, der vielen männlichen Zuschauern ungewohnt sein dürfte: Männer spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dies fällt umso mehr auf, weil es in den meisten Filmen andersherum ist. Der Protagonist ist in der Regel männlich, sein Sidekick auch, ebenso der Antagonist und die meisten Nebenrollen. Eine weibliche Hauptrolle dient in der Regel als Romanze für den Protagonisten. Ganz auffällig ist dies auch im Märchenfilm-Genre, man denke nur an den vor einiger Zeit laufenden Film "Jack and the Giants", dessen Welt bis hin zu den Statisten praktisch nur aus Männern zu bestehen schien (abgesehen von der zu rettenden Prinzessin natürlich). Insofern lässt ein Film, dessen Rollen - auch die Nebenbesetzungen - maßgeblich von Frauen gespielt werden, den Zuschauer immer etwas verwirrt zurück. Und er macht noch etwas klar, was sonst vielleicht nicht auffallen würde: Wenn eine Gruppe nur am Rand vorkommt, insbesondere wenn nur ein Vertreter auftritt, wird dieser schnell zur Gesamtrepräsentation der Gruppe. Wenn nur ein Mann eine maßgebliche Rolle spielt - und diese ist böse - dann entsteht schnell der Eindruck, Männer seien Schweine. Das ist einer der Gründe, warum die Beschränkung von Frauenrollen auf die zu rettende Prinzessin bzw. die bloße Liebesbeziehung mit dem Protagonisten oft kritisch beurteilt wurden.
Wieso nur Männern? Der Grund, weshalb in Filmen und Büchern so selten Frauen Held oder Schurke sind, ist ein Anderer. Früher sprach man vom starken und vom schwachen/zartem Geschlecht. Heute sind es das Täter- und das Opfergeschlecht. Und schwache Opfer können nur schwer zum Helden oder Schurken gemacht werden. Mit diesem Geschlechterklischee endlich mal aufzuräumen.. das wäre mal etwas neues gewesen. Aber solange weiblicher Sexismus als Feminismus durchgeht, wird sich daran wohl nichts ändern. (Parolen wie: "Alle Männer sind Schweine" sind nicht besser wie "Frauen an den Herd".) Aber leider scheinen sich viele Frauen in der Opferrolle wohl zu fühlen. Es ist vermutlich angenehm, Stress und persönliche Ängste einfach abzuwälzen. So wird jede unangenehme Anmache zur sexuellen Belästigung, Probleme im Job entstehen nur deshalb, weil alle Männer sich im geheimen geschworen haben, Frauen zu benachteiligen und wenn es in der Beziehung kriselt, ist immer ER schuld - schließlich sind ja alle Männer Schweine, die nur mit ihrem Penis denken...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.